Monitorkalibrierung: Darauf solltet ihr achten

Auf die richtige Darstellung kommt es an

Von Farbraum bis Farbprofil…

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum euer Bild auf unterschiedlichen Monitoren anders aussieht? Oder wart ihr überrascht als ein Fotodruck andere Farben als am Bildschirm produzierte?

Die Antwort liegt in der Darstellung von Farbräumen und den verschiedenen Farbprofilen (auch ICC-Profil genannt). Beides ist eine Wissenschaft für sich und überfordert meist den ambitionierten Einsteiger. Denn Farbräume unterscheiden sich auch nach Anwendungszweck. So kommen bei der rein digitalen Bildbearbeitung andere Farbräume zum Einsatz als im Druckbereich.

Begriffe wie Adobe RGB, sRGB, CMYK erschweren das Verständnis. Und obwohl die Thematik komplex ist, lohnt sich die Beschäftigung mit dieser Materie. Denn nur korrekt kalibrierte Geräte und die richtigen Einstellungen in der dazugehörigen Bildbearbeitungssoftware versprechen ein einheitlich korrektes Erlebnis auf allen Ausgabegeräten. Im Fokus dieses Artikels steht die Kalibrierung von Monitoren. Dabei erhaltet ihr die Antworten auf die wichtigsten Fragen in diesem Umfeld.

Spielt der Monitortyp eine Rolle?

Am Markt gibt es mittlerweile eine breite Palette von Monitoren. Diese unterscheiden sich im Typ des verwendeten Panels und des abbildbaren Farbraums. Günstige Geräte unter 500 EUR sind hier meist limitiert und eher auf klassische Büroanwendungen ausgelegt. Plant ihr also ein Gerät für die Bildbearbeitung anzuschaffen, empfehlen sich höherpreisige Monitore. Diese können meist 100% des für die Bildbearbeitung wichtigen sRGB Farbraums abdecken.

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Monitore mit einem sogenannten Wide Gamut Panel können einen noch größeren Farbraum (Adobe RGB) darstellen, sind jedoch im Betrieb etwas problematisch. Durch die erweiterte Farbdarstellung kann es in Programmen, die keine Farbprofile unterstützen, zur Übersättigung von Farben kommen. Im Ergebnis erscheinen eure Bilder zu farbig, obwohl dies nicht der Fall ist. Und auch im Webbrowser kann es passieren, dass die Farbe auf Internetseiten nicht korrekt dargestellt wird.

Vermeidet sogenannte Glossy Displays: Diese spiegeln stark und haben eine künstlich höhere Farb- und Kontrastintensität. Matte Panels sind daher eher zur Bildbearbeitung geeignet. Ein Punkt, den ihr auch beachten solltet, ist die Art der Hintergrundbeleuchtung. Günstige Bildschirme mit LED-Beleuchtung sind meist weniger gut für die Bildbearbeitung geeignet. Daher setzen insbesondere teure Profigeräte nach wie vor auf Leuchtstoffröhren, da diesen eine höhere Genauigkeit in der Farbwiedergabe zugesprochen wird.

Welches Kalibrierungsgerät ist das Richtige?

Am Markt sind zahlreiche Lösungen zur Monitorkalibrierung vorhanden. Die Preise beginnen bei günstigen Kolorimeter-Modellen bei ca. 80 EUR und sind nach oben offen. Bekannt sind Geräte der Hersteller wie Datacolor, x-rite oder Quato. Betreibt ihr Fotografie als Hobby und kalibriert nur selten einen Monitor sind Einstiegsgeräte wie Spyder Express ausreichend. Arbeitet ihr jedoch im professionellen Umfeld, dann empfehlen sich hochpreisige Geräte, wie z.B. das Quato DTP94 oder X-Rite ColorMunki. Diese bieten meist nicht nur eine präzisere Kalibrierung, sondern haben auch eine umfangreichere Software im Bundle.

Achtet auch darauf, ob die Kalibrierungslösung euren Display-Typ unterstützt. Denn günstige oder ältere Kalibrierungsgeräte erlauben meist nur die Kalibrierung von LCD-Displays mit einer Beleuchtung durch Leuchtstoffröhren (CCFL). Haben ihr jedoch ein LED-Gerät, kann es euch passieren, dass dies nicht unterstützt wird. Ihr könnt dann zwar immernoch kalibrieren, jedoch wird die finale Farbwiedergabe nicht korrekt sein, da das Farbspektrum vom Messgerät nicht korrekt erfasst werden kann.

Wie funktioniert die Kalibrierung?

Voreinstellungen in der Kalibrierungssoftware Der Prozess der Monitorkalibrierung läuft mehrstufig ab. Zuerst werden die Zielwerte in der beiliegenden Software vorgegeben, also bei sRGB zum Beispiel eine Farbtemperatur von 6.500 Kelvin, Luminanz (Leuchtstärke) von 120 cd/m2 und Gamma-Wert von 2.2. Das Kalibrierungsgerät wird dann auf den Monitor gelegt, um die Messung zu ermöglichen.

Zunächst wird die Helligkeit an den Bedienelementen des Monitors soweit angepasst, bis die vorgegebene Leuchtstärke erreicht ist. Selbiges wird für den Gamma-Wert wiederholt, sofern der Monitor die Einstellung erlaubt. Das Messgerät zeigt dabei in Echtzeit die erreichten Werte an.

Ist das erledigt, erfolgt die eigentliche Kalibrierung. Dazu werden verschiedene Farbflächen eingeblendet, die vom Kalibrierungsgerät angemessen werden. Anhand dieser Messungen wird schließlich euer neues Monitorprofil erzeugt, welches im Anschluss der Messung gespeichert wird.

Was passiert nach der Kalibrierung?

Nach erfolgreicher Kalibrierung des Monitors lässt sich das Farbprofil meist automatisch den Farbeinstellungen des Betriebssystems zuweisen. Damit ist ab sofort eine einheitliche und korrekte Farbwiedergabe gewährleistet. Zusätzlich kann das Farbprofil auch in Grafikanwendungen manuell zugewiesen werden. Die Adobe Produkte und Bildbetrachter wie FastPictureViewer oder IrfanView unterstützen ebenfalls Farbprofile.

Farbprofile zuweisen Wenn ihr unter Microsoft Windows überprüfen möchtet, ob das Farbprofil tatsächlich zugewiesen wurde oder ihr weitere Anpassungen an den Farbeinstellungen vornehmen möchtet, schaut in die Systemsteuerung. Dort öffnet ihr den Eintrag „Farbverwaltung“.

Hier könnt ihr eurem Monitor manuell ein gewünschtes Farbprofil zuweisen, indem ihr auf „Hinzufügen“ klickt. Falls ihr zusätzlich eurer ICC-Profil sichern möchtet, lohnt sich ein Blick in den Ordner „C:\Windows\System32\spool\drivers\color“. Dort legt Windows standardmäßig Farbprofile ab.

Fazit

Die Kalibrierung von Monitoren ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um Themen wie Farbmanagement oder Farbtreue geht. Beschäftigt ihr euch mit Fotografie oder arbeitet gar als Grafiker im professionellen Druckumfeld ist die Investition in ein Kalibrierungsgerät eine sinnvolle Entscheidung. Wie der Vorher-Nachher-Vergleich zeigt, können durch eine Kalibrierung vorhandene Farbweichungen an Monitoren wirkungsvoll korrigiert werden.

  1. Before
  2. After

Vor der Monitorkalibrierung war die Farbwiedergabe etwas flau und Rot-Töne zu dominant. Nach der Kalibrierung erscheint die Farbwiedergabe in Summe brillianter und neutraler. Übrigens empfiehlt sich regelmäßig eine Neukalibrierung, da sich die Farbdarstellung mit zunehmenden Alter eures Monitors verändert.

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