10 Tipps für bessere Hochzeitsfotos

Gastartikel: Geschrieben von Martin Kleinheinz

Besonders als Anfänger hat man in der Hochzeitsfotografie einige Hürden zu überwinden. Ständig wird man vor Probleme gestellt, die einem nach ihrer Überwindung dabei helfen, besser zu werden. Mit diesen 10 Tipps für bessere Hochzeitsfotos möchte ich euch dabei helfen, eine Abkürzung zu nehmen. So gelingen euch in kürzerer Zeit bessere Hochzeitsfotos!

1 Die richtigen Kameraeinstellungen

Ohne die richtigen Kameraeinstellungen bekommt ihr keine guten Fotos. Deshalb sollten ihr auf diesen Punkt besonders viel Wert legen. Es gibt unterschiedliche Arten eine Hochzeit zu fotografieren, doch in jedem Fall sollte alles schnell gehen. Darüberhinaus müsst ihr eure Kamera in- und auswendig kennen.

Lest hier mehr über die Bildformate RAW und JPEG.

Ich empfehle euch im Blendenpriorität-Modus zu fotografieren. Das Einzige worauf ihr euch dann noch konzentrieren müsst, ist ISO und Blende richtig einzustellen. Ihr müsst also nur wissen, ob das Bild durch die ISO-Einstellung rauschen könnte und gleichzeitig überlegen, ob die Schärfentiefe passend ist.

Zusätzlich empfehle ich euch, alle Fotos im RAW-Format aufzunehmen. So habt ihr in der Nachbearbeitung den größten Spielraum, um Fehler zu beheben und insgesamt einen gleichbleibenden Bildlook zu erhalten.

2 Nicht auffallen

Um authentische Fotos aufzunehmen, lohnt es sich wie ein Ninja zu verhalten. Nicht wahrgenommen zu werden und einfach wie eine Katze zu sein, hilft dabei authentische Augenblicke wahrzunehmen. Ich arbeite immer so, dass man mich bestenfalls nicht wahrnimmt. So kann ich mich ganz entspannt, langsam und unbemerkt unter die Hochzeitsgesellschaft mischen.

Versucht das nächste Mal ebenfalls weitestgehend unbemerkt zu bleiben. Haltet dabei trotzdem eure Augen nach guten Gelegenheiten offen und so entstehen interessante Momente von ganz alleine.

3 Ganz nah rangehen

Auf jeder Hochzeit kommt es vor, dass ihr in Gespräche verwickelt werdet. Selbst, wenn ihr das gar nicht möchtet und lieber gewissenhaft eurer Arbeit nachgehen wollt. Natürlich kann man nicht einfach weggehen und einen freundlichen Hochzeitsgast abweisen. Stattdessen empfehle ich euch, sich auf ein kurz gebundenes Gespräch (wahrscheinlich über eure Kamera) einzulassen und gute Laune zu hinterlassen.

Wenn ihr dann noch einen guten Witz aus dem Ärmel schütteln könnt und auf die entsprechende Reaktion eure Kamera zückt, können unglaublich großartige Close-up Fotos entstehen.

Nahaufnahmen bei Hochzeitsbildern

4 Festbrennweiten verwenden

Fotografen tendieren dazu, sich zu viel Ausrüstung zu kaufen und glauben dadurch bessere Fotos machen zu können. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch die Wahrheit. Allerdings empfinde ich Zoomobjektive für Hochzeitsfotografen als eine absolute Kreativ-Bremse. Einfach, weil man dazu neigt, es sich selbst zu bequem zu machen. Grenzen machen kreativ.

Darüber hinaus sorgt die Veränderungen der Brennweite dafür, dass kein Foto dem anderen gleicht. Man könnte 100 Fotos aufnehmen und jedes scheint mit einem anderen Objektiv aufgenommen worden zu sein. Eine gleichbleibende Linie fehlt oder ist nur schwer einzuhalten.

Ich persönlich laufe grundsätzlich mit der Festbrennweite Sigma 35mm 1.4 auf meiner Vollformat-Kamera herum. Zusätzlich verwende ich eine Zweitkamera im Mittelformat mit einem 80mm Objektiv. Dadurch, dass ich nur zwei Objektive verwende, eins für die Reportage und eins für Portraits und Details, halte ich eine gleichbleibende Linie ein und sorge für berechenbare Ergebnisse.

5 Im Zweifelsfall die Drittel-Regel anwenden

Es kommt immer wieder vor, dass man in Situationen kommt, die einen zur Verzweiflung treiben. Man weiß einfach nicht, wie man zu einem außergewöhnlichen Ergebnis kommt, und hat das Gefühl zu versagen. Ihr kennt das sicherlich. Doch keine Sorge: Das ist normal. Auch mir passiert das manchmal.

Dagegen gibt es jedoch Abhilfe und eine Methode, mit der ihr dennoch solide Fotos abliefert. Mit der sogenannten Drittel-Regel lassen sich in jedem Moment, von jeder Person und jedem Detail solide Fotos abliefern. Denkt im Zweifelsfall daran und liefert solide Fotos ab, anstatt zu verzweifeln.

bessere Hochzeitsfotos

Die Drittel-Regel ist eine bewährte Methode, ansprechende Bilder abzuliefern. Dafür teilt ihr einfach das Bild in 9 Drittel auf. Anhand der Linien könnt ihr anschließend eure POI (points of interest) platzieren und dadurch für Ordnung und Harmonie im Auge des Betrachters sorgen. Probiert es selbst aus und experimentiert ein wenig. Es funktioniert!

6 Einen Belichtungsmesser verwenden

Wenn ihr bereits die ein oder andere Hochzeit fotografiert habt, werden ihr mir zustimmen, wie aufwendig die Nachbearbeitung der Fotos sein kann. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es aufwendiger als das Fotografieren ist. Es geht so weit, dass es sogar geistig anstrengend werden kann, sich vor dem Computer hinzusetzen. Besonders, wenn man weiß, dass in der Warteschlange noch vier weitere Hochzeiten stehen, die am besten so schnell wie möglich fertig sein müssen.

Das sollte jedoch nicht sein! Hochzeitsfotografie ist wunderschön und sollte in allen Aspekten Spaß machen. Aus diesem Grund empfehle ich euch, sich die Nachbearbeitung so unkompliziert wie möglich zu machen.

Das erreicht ihr mitunter dadurch, dass ihr die Fotos bereits in der Kamera weitgehend richtig aufnehmt. Die Belichtung steht dabei an erster Stelle. Denn wenn ihr einen Filter über eure Bilder legt und bei jedem dritten Bild trotzdem noch am Belichtungsregler oder Weißabgleich schrauben müsst, ist das unpraktisch. Es kostet unnötig Zeit und Nerven.

Deshalb habe ich mir angewöhnt in Situationen, wo ich im Gegenlicht fotografieren muss oder Kunstlicht dominant ist, die Belichtung zu messen. Die Kamera einmal richtig einstellen und kurz den Weißabgleich zu überprüfen, hilft ungemein. Diese beiden, neuen Angewohnheiten haben mir in der Nachbearbeitung bereits viele Stunden mühseliger Arbeit gespart.

7 Headshots nur von glücklichen Gesichtern aufnehmen

Für mich hat es sich bewährt, ausschließlich glückliche Momente der Hochzeit zu zeigen. In jedem Brautpaargespräch betone ich, dass ich nur glückliche Gesichter fotografiere. Auch, wenn das bedeutet, dass manche Personen am Ende des Tages nicht auf den Fotos zu sehen sein werden. Diesen Punkt kommuniziere ich klar und deutlich.

Jedes meiner Brautpaare erhält am Ende einen perfekten, glücklichen Eindruck ihres schönsten Tages. Kompromisslose, schöne Erinnerungen an die eigene Hochzeit!

so gelingen Hochzeitsbilder

Wie ich an diese glücklichen Gesichter komme, ist übrigens ganz einfach: Ich nutze dafür die Zeit zwischen den wichtigen Ereignissen, wie der Brautvorbereitung, der Zeremonie oder dem ersten Tanz. Dort entstehen beispielsweise Headshots von lachenden Hochzeitsgästen, die sich unterhalten und Sekt trinken. Dabei hilft Tipp 2 übrigens sehr.

8 Noch weniger Nachbearbeiten

Sich selbst weniger Arbeit zu machen, ist wichtig, um hervorragende Ergebnisse abzuliefern. Andernfalls sinkt der Elan und das spiegelt sich in den finalen Fotos wieder. Nur wer mit Herz dabei ist, wird langfristig großartige Hochzeitsfotos abliefern.

Ein gutes Foto kommt bereits gut aus der Kamera. Es ist korrekt belichtet, auf die Schatten wurde geachtet, die Komposition stimmt und der Moment wurde getroffen. Es ist kein nachträgliches Ziehen am Belichtungsregler nötig, die Tiefen müssen nicht hochgezogen werden und nichts am Foto muss geschnitten oder begradigt werden.

Sich beim Fotografieren Zeit zu nehmen, weniger abzudrücken und nur in den wichtigen Momenten Dauerfeuer zu geben, spart enorm viel Zeit bei der Nachbearbeitung und hilft euch dabei, ein glücklicher Fotograf zu sein.

9 Analog fotografieren

Die Tipps, die ich oben alle gegeben habe, sind meine Erfahrungswerte. Es sind Dinge, die ich den letzten Jahren durch die Praxis gelernt habe. Es sind Dinge, die ich tue, um mir selbst das Leben im Beruf einfacher zu machen. Was mich jedoch am meisten positiv beeinflusst hat und viel Arbeit spart, ist das Fotografieren auf Film.

Das Fotografieren auf Film fasst sozusagen alle Bereiche oben zusammen und ist der wertvollste Tipp, den ich euch geben kann. Natürlich ist das meine Erfahrung und eure Meinung darf gerne davon abweichen. Niemand hat diese Weisheit in Stein gemeißelt.

Ich finde jedoch, dass ihr euch Gedanken über ein Foto machen müsst. Wenn ihr nur 36, oder gar nur 16 Mal auf den Auslöser drücken könnt bevor ihr den Film wechselt, fotografiert ihr anders. Außerdem kostet jeder Schuss bares Geld im Fotolabor. Dieser Punkt spielt ebenfalls eine Rolle beim Abdrücken. Sobald das eigene Budget dafür herhalten muss, knipst man anders.

Hochzeitsbilder analog fotografieren

Auf Film zu fotografieren, hilft euch meiner Ansicht nach, ein sehr viel besserer Fotograf in sehr viel kürzerer Zeit zu werden. Ihr müsst auf das Licht achten, die Komposition im Blick behalten, die Belichtung messen, vorher den richtigen Film wählen und aufpassen, dass ihr noch genug Fotos bis zum nächsten Filmwechsel knipsen könnt. Es wäre ja blöd, wenn euer Film während der Trauung voll wird.

Zusätzlich spart ihr euch die Nachbearbeitung komplett, sofern ihr ein vernünftiges Labor wählt. Klingt gut, nicht wahr?

Die gute Nachricht ist, dass eine alte, gebrauchte analoge Nikon F100 nur 100 – 200 € kostet und alle aktuellen Objektive passen. Probiert es einfach mal aus!

10 Inspiration bei Kinofilmen holen

Der letzte Tipp, den ich euch geben kann, schießt ein wenig quer. Früher habe ich es so gemacht, dass ich andere Fotografen bewundert habe und mir deren Bilder immer wieder anschaute. Solange, bis ich selbst so gute Fotos gemacht habe. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich nicht mehr so schnell weiterentwickelt.

Sich die Fotos von anderen Fotografen anzuschauen ist eine gute Sache, solange die Fotografen gut sind. Dadurch bekommt man ein ausgeprägtes Gespür für gute Fotos. Aus diesem Grund solltet ihr Quellen mit schlechten Fotos meiden, wenn ihr nach frischer Inspiration sucht.

Was mich in der letzten Zeit besonders fesselt, ist, wie Filmemacher mit dem Licht, der Nachbearbeitung und der Komposition umgehen. Von Hollywood-Filmen kann man manchmal mehr lernen als von anderen Fotografen. Ganz abgesehen vom Storytelling, welches auch für Hochzeitsreportagen essenziell ist.

Vielen Dank für das Lesen des Artikels! Ich hoffe, er hat euch gefallen.

Über den Autor
Martin Kleinheinz ist seit 2015 als Hochzeitsfotograf unter dem Label Kleinheinz Pics zu finden. Darüberhinaus betreibt er seit Ende 2016 einen Fotografie Blog.

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1 Kommentar

  1. Danke für die guten Informationen zum Hochzeitsfotograf. Analog fotografieren ist ja fast am aussterben. hat aber sicher seinen Reiz. Durch die passende Software kann man den Fotos aber auch einen anlagen Touch geben.

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