WordPress Page Builder: Top oder Flop?

Gastartikel: Geschrieben von Nils Schulte am Hülse

Page Builder auf dem Vormarsch

Hype oder Zukunft

Es gibt mittlerweile sehr viele Page Builder für WordPress, ob als Plugin oder als Funktion eines Premium Themes. Was steckt hinter diesem Trend: Sind Page Builder eine sinnvolle Funktionserweiterung für WordPress oder ist es ein Hype, den einfach alle mitmachen?

Früher waren solche Tätigkeiten eher einem Webdesigner vorbehalten: „Ich gestalte mal schnell eine abwechslungsreiche Webseite mit Slider, animierten Bildern, einer Darstellung unserer Dienste mit Symbolen, unserem Portfolio, Testimonials, verschiedenen Sektionen und Call to Action Elementen zur Anmeldung an den Newsletter.“ Doch dank Page Buildern soll dies nun für jedermann und jederfrau möglich sein. In diesem Artikel gehen wir dem Thema auf den Grund.

Doch erstmal ganz zurück auf Anfang…

1. Was sind Page Builder?

Page Builder Plugins bieten dem Nutzer die Möglichkeit, Seiten in WordPress zu erstellen, die aus verschiedenen modern gestalteten Designelementen bestehen. Dazu gehören beispielsweise Slider, Preistabellen, Testimonials, Call to Action Buttons, Newsletter-Formulare, Preistabellen uvm. Diese lassen sich relativ einfach über ein Interface individuell anpassen, ohne dass der Nutzer sich mit CSS- oder PHP-Code beschäftigen muss.

Designelemente im Visual Composer

Nun bringen auch viele Premium Themes oder spezielle Plugins, wie z.B. ein Slider Plugin, bereits solche vorkonfigurierten Elemente mit. Wozu also noch ein Page Builder Plugin?

Die Antwort liegt in der stärkeren Individualisierung, die mit einem Page Builder möglich ist. Außerdem findet ihr die vielfältigen Elemente in einem Plugin vereint vor und müsst nicht unzählige einzelne Plugins für Slider, Newsletter, Testimonials, etc. installieren. Darüber hinaus haben alle Page Builder Elemente einen zueinander passenden Designstil und wirken nicht so zusammengewürfelt, wie es leicht bei der Verwendung von vielen unterschiedlichen Plugins der Fall sein kann.

Zur besseren Abgrenzung: Die klassischen Page Builder bieten nur die Möglichkeiten Inhalte einer WordPress Seite oder eines WordPress Beitrages zu gestalten. Anpassungen des gesamten Themes sind normalerweise nicht vorgesehen.

2. Vorteile

Als erstes betrachten wir die Vorteile, die der Einsatz eines Page Builders mit sich bringt.

Individuelles, modernes Design

Der größte Vorteil und auch der wichtigste Grund warum ein Page Builder genutzt wird, ist dessen Bedienung. Denn selbst ohne Design- oder Programmierkenntnisse, könnt ihr individuelle und optisch ansprechende Seiten gestalten. Gerade komplexe Layouts lassen sich so ohne großen Aufwand in kurzer Zeit umsetzen.

Geringe Kosten

Das steht meist auch im direkten Zusammenhang mit den deutlich geringeren Kosten im Vergleich zur Beauftragung eines Webdesigners. Die Nutzung eines Page Builders ist in der Regel mit jährlichen Kosten von 60 bis 100 Euro verbunden. Zum Teil sind sogar kostenlose Page Builder Plugins verfügbar.

Es gibt durchaus professionelle Webdesigner, die selbst Page Builder nutzen, um schneller arbeiten zu können oder auch um ihren Kunden später den Zugriff auf die verschiedenen Elemente in Eigenregie zu erleichtern.

Selbst ist der Designer

Nicht nur die geringeren Kosten auch die Unabhängigkeit von einem Designspezialisten kann sehr hilfreich sein. Sobald ihr euch mit einem Page Builder vertraut gemacht habt, könnt ihr die gewünschten Elemente gestalten, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Habt ihr im Page Builder, Designelemente euren Vorstellungen angepasst, können diese als Template zur Wiederverwendung abgespeichert werden. Im Ergebnis braucht ihr euch nicht in die Tiefen des Webdesigns mittels CSS, PHP und Javascript begeben.

Das Ergebnis ist (meist) sofort sichtbar

Das trifft nicht auf alle Page Builder zu, aber die meisten bieten einen visuellen WYSIWYG Editor, in dem ihr die Anpassungen im WordPress Frontend vornehmen könnt. So werden alle Änderungen sofort in einer Live-Vorschau angezeigt und ihr müsst nicht mühsam zwischen Backend und Frontend hin- und herspringen.

3. Nachteile

Wenn wir uns nur die Vorteile anschauen, könnte die Nutzung eines Page Builders naheliegend sein. Vor allem, wenn ihr genau in der Situation seid, wenig bis keine Design- und Programmierkenntnisse zu haben. Oder, wenn wenig Interesse oder Zeit vorhanden ist, sich dieses Know-How zu erarbeiten. Und natürlich spielt auch das Budget eine Rolle. Gerade kleineren Webprojekten mangelt es an Geld, um die gewünschte Darstellung bei einem Designer in Auftrag zu geben.

Vorher solltet ihr euch allerdings über die zu berücksichtigenden Nachteile bei der Nutzung eines Page Builders im Klaren sein.

Steckengeblieben: Es geht nicht mehr ohne

Der größte Nachteil eines Page Builders ist der sogenannte Lock-in Effekt. Da die Page Builder Funktionen keine WordPress Standards sind, geht jeder Entwickler eines Page Builder Plugins seinen eigenen Weg, um die gewünschte Darstellung zu erreichen. Ein späterer Wechsel ist kompliziert, da andere Plugins eine komplett unterschiedliche Vorgehensweise haben.

Keine Standardisierung

Es gibt keinen definierten Page Builder Standard für WordPress. Das ist der Grund warum das Ausschalten oder der Wechsel eines Page Builder Plugins meist viel Arbeit nach sich zieht, um die vorhandenen Inhalte wieder in ansehnlicher oder sogar funktionierender Form präsentieren zu können.

Buchstabensalat oder sogar ganz verloren

Schaltet ihr das Page Builder Plugin ab, seht ihr meist nur noch Texte mit vielen Shortcode Fragmenten. Aus den optisch ansprechend gestalteten Seitenelementen…

Layout mit Page Builder

…wird ein unleserlicher Text-Shortcode-Salat:

Codeansicht ohne Page Builder

Auch die Aktivierung eines anderen Page Builders ändert diese Lage nicht, da jeder Page Builder seine eigenen Shortcodes oder andere Methoden nutzt, um die Anzeige der verschiedenen Elemente zu erreichen. Das heißt, ihr müsst in diesem Fall alle mit dem Page Builder erstellten Seiten überarbeiten. Das kann bei größeren Projekten sehr aufwändig werden.

Bei einigen Page Buildern kann der ursprüngliche Seiteninhalt bei der Deaktivierung des Plugins komplett verloren gehen! Es kann sogar vorkommen, dass beim Umschalten im WordPress Editor vom Page Builder Modus in den klassischen Modus, eure Seiteninhalte verschwinden. Am besten nutzt ihr dann die Revisionen eines Beitrags, um Änderungen wiederherzustellen.

Inkompatibilität mit anderen Plugins

Da die Page Builder sehr stark in die Anzeige von WordPress Inhalten eingreifen, kommt es häufiger zu Problemen mit anderen Plugins. Beispielsweise gibt es eine spezielle WordPress Funktion zur Anpassung der Inhalte (the content), die von vielen anderen Plugins genutzt wird. Leider sind Page Builder oft so programmiert, dass diese Funktion nicht auf die Page Builder Inhalte angewandt werden kann.

Das kann dazu führen, dass das Registrierungsformular aus einem Plugin sich nicht in einem Page Builder Bereich einbinden lässt. Oder falls ihr Inhalte nur bestimmten Nutzern zugänglich machen wollt, dies auf mit dem Page Builder gestalteten Seiten nicht möglich ist.

Schwierig zu nutzen

So paradox dies klingt, aber manche Page Builder sind in der Handhabung kompliziert. Obwohl sie euch eigentlich die Arbeit erleichtern sollten, wird die Erstellung von Inhalten mühsamer. Außerdem kann es bei Updates eines Page Builders dazu kommen, dass Seiteninhalte plötzlich defekt sind. Gerade große Updates haben auch weitreichende Neuerungen und nicht immer nimmt der Entwickler Rücksicht auf alte Designelemente.

Kann Websites verlangsamen

Einige Page Builder haben einen stark verlangsamenden Effekt auf die Ladezeiten der eigenen Webseite. Das erfreut weder die Besucher noch Google. Gründe dafür sind vielfältig: Entweder wurde bei der Entwicklung nicht auf die Performance geachtet oder der Code ist insgesamt zu überfrachtet.

4. Empfehlenswerte Page Builder

Wer sich von den Nachteilen nicht abschrecken lässt, fragt sich vermutlich welche empfehlenswerten Page Builder Plugins auf dem Markt sind. Sinnvoll ist es, sich den in die engere Auswahl gezogenen Page Builder besonders in Bezug auf die oben genannten Nachteile anzusehen. Hier eine kleine Auswahl. Ihr findet weiter unten Links zu weiteren Artikeln, in denen verschiedene Page Builder intensiv und mit Blick auf verschiedene Aspekte getestet wurden.

Beaver Builder

Der Beaver Builder ist der wohl am häufigsten empfohlene Page Builder für WordPress. Allerdings ist der Beaver Builder auch einer der teuersten Page Builder. Es gibt keine kostenfreie Version des Beaver Builders und selbst die einfache Standard Version kostet 99$ und die jährlichen Renewals sind mit ca. 60$ zu veranschlagen.

Divi Builder

Der Divi Builder ist etwas speziell, da dieser direkt im Divi Theme integriert ist. Allerdings gibt es mittlerweile ein extra Divi Page Builder Plugin, so dass ihr auch bei einem Wechsel des Themes den Page Builder weiter nutzen könnt.

Den Zugang zum Divi Theme und dem Divi Page Builder erhaltet ihr nur über ein Abo vom Entwickler Elegant Themes. Der kleinste Plan beginnt bei 69$ im Jahr. Das Abo bietet allerdings Zugang zu 87 verschiedenen Themes, die ihr auf beliebig vielen Seiten nutzen könnt. Mit dem Developer Plan (87$ im Jahr) erhaltet ihr außerdem Zugriff auf alle Elegant Themes Plugins, wie z.B. Bloom Email Opt-Ins und Monarch Social Media Sharing.

Auch der Divi Page Builder hat einen starken Lock-in Effekt und hinterlasst nach der Deaktivierung jede Menge Shortcode-Salat in den Inhalten.

Visual Composer

Der Visual Composer ist vermutlich der bisher verbreitetste Page Builder. Er ist eigentlich ein kostenpflichtiges Premium Plugin. Seine große Verbreitung hat er aber dadurch erreicht, dass viele Premium Themes ohne Aufpreis eine Lizenz für den Visual Composer bereits beinhalten.

Der Visual Composer ist ein ausgereiftes Plugin und bietet viele gut gestaltete Elemente. Mit einem Preis von 34$ und einem jährlichen Renewal von $11,25 ist die Lizenz durchaus preisgünstig, wenn ihr die Lizenz nicht sowieso bereits zusammen mit einem Premium Theme erworben habt.

Die hohe Verbreitung ist ein Vorteil, wenn es Probleme gibt. So ist die Chance hoch, dass ihr nicht alleine seid und sich schnell irgendwo Informationen zur Lösung des Problems finden. Allerdings ist der Lock-in Effekt recht groß. Der Visual Composer hinterlässt nach der Deaktivierung sehr viel Shortcode-Salat in den Inhalten. Und wenn ihr andere Shortcodes in den Page Builder Elementen nutzen wollt, funktionieren diese nur innerhalb eines Elementes und nicht übergreifend.

5. Weitere Artikel und Page Builder Tests

Page Builder im Test

Wer sich weiter zum Thema informieren möchte, dem empfehle ich folgende englischsprachigen Page Builder Tests: Pippin Williamson ist der Entwickler mehrerer professioneller WordPress Plugins, wie z.B. Easy Digital Downloads, Restrict Content Pro und AffiliateWP. Er hat sich aus gegebenen Anlass die Mühe gemacht 13 Page Builder zu untersuchen. Sein ausführlicher Artikel „WordPress Page builder plugins: a critical review“ ist in jedem Fall lesenswert und in seinem Fazit betrachtet er den bereits genannten Beaver Builder sowie Tailor und den Pootle Page Builder als empfehlenswerte Plugins.

Scott Wyden Kvvowitz hat sich zusammen mit Corey Potter ebenfalls eine Reihe von Page Buildern für WordPress angesehen und von seinen Erfahrungen in dem ebenfalls lesenswerten Artikel „The Ultimate Page Builder Plugin Comparison for Photographers“ berichtet. Scott selbst nutzt Elementor, während sein Co-Autor Corey den Divi Builder verwendet.

Was denkt ihr über Page Builder? Fluch oder Segen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Über den Autor
Nils Schulte am Hülse ist Trainer für Kommunikation und Arbeitsmethodik für Angelika Behnert Beratung – Coaching – Seminare. Seit 2006 beschäftigt er sich mit WordPress und bloggt (un-)regelmäßig auf verschiedenen Projekten. Derzeit gehören dazu Divi.world über das Divi WordPress Theme und auf Helmschrott.de über Interwebz und Technikkram.

Author's imageNils Schulte am Hülse
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3 Kommentare

  1. Hallo Nils,

    der Artikel von Pippin Williamson ist aus Sicht eines Entwicklers oder Supporters verfasst. Da ist es nachvollziehbar das die Vielzahl der Builder, oder allgemein der Plugins schwierig ist. Aber es scheint bei Kunden eine Nachfrage zu geben. Gerade weil die Builder suggerieren eine professionelle Seite kinderleicht und schnell zu erstellen.

    Der Anwender hat meist das Problem, dass geeignete Theme, mit den geeigneten Plugins/Builder, für sich zu finden. Ein weiteres Problem, dass man bei den meisten Themes, Builder oder Plugins die Katze im Sack kauft. Später stellt sich vieles als ungeeignet oder inkompatibel heraus. Ich besitze mittlerweile etliche Lizenzen von Themes oder Plugins die ich nicht mehr verwende. Da verbrennt man jede menge Geld.

    Trial Versionen der Plugins/Theme werden vermutlich auch schwer zu realisieren sein, wenn man den code editieren möchte.

    Du hast Recht, es werden immer mehr, was es nicht gerade übersichtlicher macht. Einen Standard für Builder wäre sicher nützlich, nur das durchzusetzen wird vermutlich schwierig.

    MfG Thomas

  2. Hallo Thomas,

    man kann natürlich trefflich darüber diskutieren, ab welchem Zeitpunkt etwas auf dem „Vormarsch“ ist und ab wann man es als gängige Praxis betrachtet.

    Ich sehe bei Page Buildern in den letzten Jahren eine Entwicklung sowohl in der Hinsicht, dass es immer mehr Page Builder auf dem Markt gibt, immer mehr Premium Themes, die diese integrieren (sei es als eigene Entwicklung oder als Lizenz) und das die Page Builder selbst immer weiter entwickelt werden. Derzeit sehe ich keine Anzeichen dafür, dass die Entwicklung in naher Zukunft stoppen wird.

    Ich habe nicht behauptet, dass etwas gehyped wird. Ich habe die Frage danach gestellt: „[…] ist es ein Hype, den einfach alle mitmachen?“.

    Das mit der Zukunft habe ich vielleicht im Verlauf des Artikels nicht deutlich genug gemacht. Wenn ich dich richtig verstehe, ist dein Standpunkt, dass die „Zukunft“ schon jetzt ist, weil Page Builder schon ein Quasi Standard sind.

    Ich meine es war in dem Artikel von Pippin Williamson, der feststellte, das es WordPress Nutzer gibt, denen gar nicht klar ist, dass ihre jeweilige Page Builder Integration in WordPress kein Standard ist.

    Meine Zukunftsvorstellung wäre die, dass Automattic sich bemüht Standards für Page Builder zu schaffen, so dass man relativ problemlos zwischen verschiedenen Buildern (und ggf. den WordPress Standard) wechseln könnte.

  3. Hallo,

    einiges im Beitrag irritiert mich etwas. Warum sollen WordPress Page Builder auf dem Vormarsch sein? Wo werden sie gerade GeHype und warum Zukunft?
    Wordpress Page Builder sind seit Jahren fester Bestandteil vieler Themes, zudem werden sie seit langem von vielen Usern verwendet. Das ist nichts neues und schon gar kein Hype oder Zukunft.

    Man kann nun lange über den Vor oder Nachteil von Page Buildern sinnieren, die Vorteile liegen klar auf der Hand. User die einfach nur Content erstellen möchten und sich nicht weiter mit CSS oder PHP auseinandersetzen wollen oder können. Für sie sind Page Builder willkommen. Selbst als Entwickler muss ich das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Der größte Nachteil (meiner Meinung nach) ist, dass sich viele Builder nicht an Standards halten und sie, wie Du schon geschrieben hast, beim Wechsel des Themes oder des Builders ein Haufen Shortcodes zurück bleibt.

    Wenn man Glück hat, kann man den Text noch rekonstruieren. Bei einigen Buildern, Divi ist so einer, kann man schon sein Content verlieren wenn man vom Builder in den einfachen Texteditor wechselt.

    Genau deshalb wird Beaver Builder oft empfohlen. Er kann einfach deinstalliert werden und man hat immer noch seine Seiten und Beiträge intakt und lesbar. Allenfalls muss ein wenig Text neu formatiert werden.
    Zudem produziert Beaver Builder sehr sauberen Code und hält sich an die meisten Standards.

    Ich habe einige Verwendet, über Visual Composer (langsam) und Divi Builder (viele Inkompatibilitäten) zu Beaver Builder. Mittlerweile bin ich sogar vom Genesis Theme zum Beaver Theme gewechselt.

    MfG Thomas

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