Photoshop Tutorial: Menschen verschwinden lassen

Menschenleer oder nicht!?

Auf die Kombination kommt es an…

Kennt ihr das Problem? Ihr habt eure Foto-Tour ausgiebig geplant, eine weite Anreise auf sich genommen und das Wetter spielt auch noch mit. Dummerweise seid ihr nicht die Einzigen. Das Objekt eurer Begierde ist von Menschenmassen überflutet. Gerade im Bereich der Architekturfotografie sind Menschen jedoch nicht erwünscht. Doch wie gelingt die Aufnahme einer Sehenswürdigkeit ohne Menschen? Oder anders gefragt: Wie lasse ich Menschen im finalen Bild verschwinden?

Die Antwort liegt in der Kombination aus fotografischen Techniken und anschließender Retusche in der Bildbearbeitung. Im Zusammenspiel beider Verfahren erreichen ihr euer Ziel: ein Bild des gewünschten Motivs ohne Menschen.

Schritt 1: Fotografie

Die Grundlage aller folgenden Schritte sind möglichst gleichartige Aufnahmen des Motivs. Das heißt, ihr müsst eine Reihenaufnahme vornehmen. Dabei sollten diese Aspekte beachtet werden:

  • Verwendet ein Stativ: Nur mit einem Stativ gelingen verwacklungsfreie Aufnahmen aus der selben Perspektive.
  • Stellt den Weißabgleich fest ein: Um wechselnde Farbtemperaturen durch die Automatik zu vermeiden, nutzt den manuellen Weißabgleich (z.B. Sonnenlicht oder bewölkt).
  • Achtet auf identische Blende und Belichtungszeit: Diese Werte sollten über alle Aufnahmen gleich sein. Am besten nutzt ihr den manuellen Modus eurer Kamera (Position M).

Übrigens empfiehlt es sich den Selbstauslöser der Kamera zu nutzen, um zusätzliche Verwacklungen durch die Bedienung zu vermeiden. Nützlich kann auch ein Fernauslöser mit Intervallfunktion sein. Damit ist es möglich, eine bestimmte Anzahl Aufnahmen über einen definierten Zeitraum automatisch vornehmen zu lassen. Ein Gerät, mit dem dies hervorragend geht, wird hier im Test vorgestellt.

Auf eine weitere Möglichkeit Personen oder Fahrzeuge während der Aufnahme unsichtbar zu machen, sei an dieser Stelle hingewiesen: Durch die Nutzung eines Graufilters lässt sich die Belichtungszeit soweit verlängern, dass diese in der finalen Aufnahme nicht sichtbar sind. Das funktioniert jedoch nur, solange sich Mensch oder Fahrzeug bewegt.

Generell solltet ihr beim Fotografieren darauf achten, dass eure Reihenaufnahmen nicht über einen zu langen Zeitraum gehen. Denn wechselnde Lichtverhältnisse, z.B. durch vorbeiziehende Wolken, oder der sich ändernde Sonnenstand führen in den finalen Bildern zu unterschiedlichem Schattenwurf oder Helligkeit einzelner Areale. Sind nicht zu viele Menschen im Bild kommt ihr vielleicht mit 2 bis 3 Aufnahmen aus. Es kann bisweilen aber auch vorkommen, dass 5 bis 10 Bilder nötig werden. Wie auch immer: Die folgenden Schritte in der Bildbearbeitung bleiben identisch.

Schritt 2: Bildbearbeitung

Habt ihr eure Aufnahmen im Kasten, kann es weiter gehen. In der Retusche werden nun die verschiedenen Aufnahmen zusammengeführt und durch Überlagerung die Menschen aus dem finalen Bild entfernt. In Adobe Photoshop stehen dazu mit der beliebten Ebenen- und Maskierungsfunktion leistungsfähige Werkzeuge zur Verfügung. Falls ihr mit RAW-Bildern arbeitet, achtet vorher in der Entwicklung darauf, die gleichen Einstellungen für alle Bilder zu verwenden.

Zunächst müssen die Bilder in Photoshop geöffnet werden. Dies geschieht nicht auf dem klassischen Weg, sondern über die Funktion „Skripten“ im Menü „Datei“. Dort wählt ihr dann den Punkt „Dateien in Stapel laden“, Bild 1. Gegenüber dem normalen Öffnen eines Bildes, werden hier alle Bilder in einen Ebenenstapel geladen, der sich komfortabel bearbeiten lässt. Im sich öffnenden Fenster wählt ihr über „Durchsuchen“ die gewünschten Bilder eurer Reihenaufnahme aus, Bild 2. Setzt einen Haken bei „Quellbilder nach Möglichkeit automatisch ausrichten“. Diese Option ist sinnvoll, da sie minimale Bildabweichungen, z.B. durch einen Verwackler, ausgleichen hilft. Im Beispiel wurden 4 Bilder in den Stapel geladen, die jetzt zur Bearbeitung zur Verfügung stehen. Dazu fügt ihr auf dem obersten Bild eine Ebenenmaske hinzu, Bild 3. Nutzt dafür das gelb markierte Symbol am unteren Bildschirmrand.

  • Dateien in Stapel laden

    Bild 1

  • Ebenen laden und ausrichten

    Bild 2

  • Ebenenmaske hinzufügen

    Bild 3

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: Mit dem Pinsel malt ihr nun auf der Ebenenmaske, Bild 4. Dazu muss diese Maske ausgewählt sein. Klickt auf das weiße Quadrat neben dieser Ebene. Es sollte mit einem weißen Rahmen markiert sein. Jetzt könnt ihr mit dem Übermalen im Bild beginnen. Dazu nehmt ihr das Pinselwerkzeug mit einer weichen Spitze und übermalt die Menschen im Bild. Die Vordergrundfarbe des Pinsels muss in der linken Menüleiste auf Schwarz eingestellt sein. Haben ihr versehentlich zu viel überpinselt, wechselt die Vordergrundfarbe auf weiß und macht die Änderungen rückgängig.

  • Pinseln auf der Ebenenmaske

    Bild 4

  • oberste Ebenen auf eine Ebene reduzieren

    Bild 5

  • auf neuer Ebenenmaske mit Pinsel malen

    Bild 6

Wenn ihr mit dem Pinseln für diese Ebene fertig seid, markiert ihr in der rechten Ebenenpalette die obersten zwei Ebenen mit gedrückter Shift-Taste und Mausklick. Geht dann in das Menü „Ebene“ und wählt „Auf eine Ebene reduzieren“, Bild 5. Da ihr diese zwei Ebenen nicht mehr separat benötigt, lässt sich mit dieser Aktion die Anzahl Ebenen reduzieren. Das vereinfacht die Bildbearbeitung insbesondere bei vielen Ebenen. Im folgenden Schritt fügt ihr der oberster Ebene wieder eine Maske hinzu, Bild 6. Ihr wiederholt jetzt die beschriebenen Aktionen aus Übermalen der Menschen, Ebenen reduzieren und Maske hinzufügen für alle weiteren Ebenen bis nur noch eine Ebene verbleibt. Diese Ebene ist dann euer endgültiges Bild.

Wenn ihr alles korrekt gemacht habt, sollten alle Personen aus dem finalen Bild verschwunden sein. Der Vorher-/Nachher-Vergleich verdeutlicht den Unterschied. Das Motiv zeigt den Praca do Comercio in Lissabon – ein viel besuchter Platz im Stadtzentrum der portugiesischen Metropole. Im Beispiel wurden für ein bestmögliches Ergebnis noch weitere Optimierungen (Tonwerte, Dynamik etc.) vorgenommen.

  1. Before
  2. After

 

Fazit

In diesem Photoshop Tutorial verrate ich euch, wie die Funktion Median hilft, Zeit bei der Retusche zu sparen.
Auch im Zeitalter moderner Retusche-Techniken ist es sinnvoll bereits während der Aufnahme eines Bildes die spätere Zielsetzung im Kopf zu behalten. Wenn ihr also ein architektonisches Highlight oder andere Sehenswürdigkeiten menschenleer ablichten möchtet, empfiehlt sich eine Reihen- oder Intervallaufnahme. Damit schafft ihr schon zu Beginn die perfekte Grundlage für eine spätere Bildbearbeitung. Gegenüber dem reinen Einsatz von Retusche-Werkzeugen gelangt ihr mit der Kombination aus Foto-Techniken und Bildbearbeitung schneller zum Ziel. Insbesondere bei komplexen Motiven oder einer großen Anzahl von Personen kommt eine rein auf Bildbearbeitung ausgelegte Methode schnell an ihre Grenzen.

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2 Kommentare

  1. Dieses Hobby kennt keine Grenzen – die Welt ist klein. 🙂 (Insider) Man sucht einmal und findet alles in einen super aufgestellten, liebevoll gepflegten Blog. Lesezeichen gesetzt!

    Beste Grüße an die Herausgeber

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