Im Test: Canon EF 24mm f/2.8 IS USM

Zoom-Objektiv oder Festbrennweite?

Canon's neue Festbrennweite mit Stabilisator Diese Frage hat sich bestimmt jeder schon einmal gestellt. Der größere Brennweitenbereich spricht meist für ein Zoom-Objektiv, gerade auf Reisen, wo es auf Gewicht und Platz ankommt. Doch wenn es um die optische Qualität geht, liegen Festbrennweiten vorn. Ich nutze beide Arten von Objektiven. Ein langjähriger Begleiter ist das Canon EF 24-105mm f/4L IS USM. Diese Linse deckt einen für Foto-Touren interessanten Brennweitenbereich ab. Jedoch hat sie einige Schwächen. So kommt es gerade in den Randbereichen zu Unschärfen. Das ist für mich insbesondere bei Architekturaufnahmen mit feinen Strukturen störend.

Da ich hier vorwiegend eine Brennweite von 24mm nutze, entschied ich mich, nach einer Alternative zu suchen. Das Mitte 2012 veröffentlichte Canon EF 24mm f/2.8 IS USM erschien eine interessante Option zu sein. Es ist aktuell (Stand April 2016) für ca. 480 EUR im Handel erhältlich und damit ca. 120 EUR unter der ursprünglichen Preisempfehlung. Neben der größeren Lichtstärke gegenüber dem Canon EF 24-105mm f/4L IS USM ist erstmalig in einer Canon Weitwinkel-Festbrennweite zudem ein Bildstabilisator verbaut. Im heutigen Test verrate ich euch, ob sich die Anschaffung lohnt und wie sich das Objektiv im Vergleich zum Canon EF 24-105mm f/4L IS USM an einer Canon EOS 5D Mark II schlägt.

Verarbeitung und Ausstattung

Auch wenn das Canon EF 24mm f/2.8 IS USM nicht zur Riege der Canon L-Objektive gehört, so weiß doch die Verarbeitungsqualität zu überzeugen: nichts klappert oder wackelt. Der Fokussierring läuft samtig weich und fühlt sich mit der Riffelung angenehm an. Der Bajonettverschluss ist aus Metall, eine Gummi-Lippe zum weiteren Schutz fehlt. Mit zwei Schiebetasten lässt sich von manuellem auf Autofokus umschalten sowie der Bildstabilisator de-/aktivieren. Wobei dieser Schalter etwas schwergängig ist. Der USM-Motor verrichtet schnell und leise seinen Dienst.

Schalter für Autofokus und Stabilisator Manch einer wird sich sagen, wozu ein Bildstabilisator bei einem Weitwinkel? Hätte man darauf nicht verzichten können? Sicher. Hätte man. Wahrscheinlich wäre das Objektiv dann 100 – 200 EUR günstiger und leichter. Aber ich empfinde es als Bereicherung. Auf meinen fotografischen Entdeckungstouren habe ich den Stabilisator schätzen gelernt. Denn manchmal muss es schnell gehen und dann bleibt mir nicht die Zeit, die manuellen Einstellungen optimal vorzunehmen. Dann kann es zu Belichtungszeiten von 1/80 Sekunde oder auch 1/60 Sekunde kommen. Ohne Stabilisator wären solche Aufnahmen höchstwahrscheinlich unscharf. Und mit knapp 280 Gramm gehört das Objektiv noch immer zu den Leichtgewichten.

Canon-typisch hat man auf sonstiges Zubehör verzichtet. In dieser Preisklasse eine Schande. So fehlt es sowohl an einer Gegenlichtblende wie auch einem Objektivbeutel. Beides muss separat nachgekauft werden. Wobei Canon hier bei der Gegenlichtblende einen geradezu utopischen Preis ansetzt. Dazu später mehr. Übrigens: das EF 24mm ist nicht staub- oder spritzwassergeschützt. Wenn das für euch ein Parameter ist, solltet ihr das beachten.

Vignettierung

Randabschattungen sind ein bekanntes Problem in der Fotografie. Gerade bei Weitwinkel-Optiken treten diese häufig auf. Beim Canon EF 24mm f/2.8 IS USM ist dieser Effekt bei Offenblende besonders stark ausgeprägt, wie der Vergleich unten zeigt. Hier ist nur ein kleiner Bereich im erweiterten Bildzentrum nicht von der Vignettierung betroffen. Möchtet ihr also mit diesem Objektiv häufiger bei Offenblende fotografieren, solltet ihr dies vor dem Kauf berücksichtigen. Mit zunehmenden Abblenden verringern sich die Randabschattungen sehr schnell. Ab einer Blende von f/4 empfinde ich diese nicht mehr als störend. Für mich stellt das aufgrund des Einsatzgebietes Architekturfotografie, aber kein Problem dar, da ich oft bei einer Blende von f10 fotografiere.

Im Test ließen sich die Randabschattungen in der RAW-Entwicklung mit DxO Optics Pro sehr gut entfernen. Die von der RAW-Software mitgelieferten Kamera-Objektiv-Profile erlauben eine sehr gute Korrektur dieser optischen Fehler. Noch eine Anmerkung zu den Testbildern im Artikel. Es handelt sich um JPEGs die mit DxO aus den RAW-Bildern entwickelt worden. Optische Korrekturen (Schärfe, Verzerrungen etc.) wurden dabei deaktiviert, um eine bestmögliche Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

EF 24mm bei f/2.8

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Offenblende

EF 24mm f/3.5

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Vignettierung

EF 24mm f/4.5

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Randabschattung

EF 24mm f/5.6

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM abgeblendet

Im Vergleich zum Canon EF 24-105mm f/4L IS USM schlägt sich das EF 24mm sehr gut. Die Vignettierung ist ab der vergleichbaren Blende von f/4 durchweg geringer und nimmt auch mit geöffneter Blende schneller ab. Anbei ein Vergleich der beiden Objektive bei einer Blende von f8. Hier sind die Randabschattungen beim 24-105er stärker in den Ecken betont. Das EF 24mm hinterlässt einen gefälligeren Eindruck.

EF 24mm f/2.8 IS USM bei f/8

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Vignettierung

EF 24-105mm f/4L IS USM bei f/8

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM Vignettierung

Auflösung

Wie bereits eingangs erwähnt, spielt für mich die Bildschärfe eine entscheidende Rolle.  Und das über den gesamten Bildbereich. Hier zeigt das Canon EF 24-105mm f/4L IS USM erkennbare Schwächen. Auch wenn RAW Entwicklungssoftware dies zu einem gewissen Teil ausgleichen kann, so sind die Unschärfen im finalen Bild trotzdem deutlich sichtbar. Werfen wir also einen Blick auf das EF 24mm f/2.8 IS USM und schauen wie sich die Festbrennweite schlägt. Im Fokus steht dabei der Randbereich. Denn im Zentrum liegen beide Objektive bei optimaler Blende in etwa gleich auf.

Im Vergleich wurde ein stark vergrößerter Ausschnitt am rechten unteren Bildrand gewählt. Bei Offenblende zeigt das EF 24mm hier sichtbare Randunschärfen, die zudem aufgrund der starken Vignettierung dunkler erscheinen. Zu beachten ist, dass diese Unschärfe natürlich auch durch den Fokus ausgelöst wird, welcher im Beispielbild mittig auf dem Schloss lag. Somit können bei Offenblende nicht alle Bildbereiche scharf sein.

Mit zunehmenden Abblenden verbessert sich der Eindruck wesentlich. Schon ab etwa Blende f5.6 ist ein merklicher Unterschied erkennbar. Ab einer Blende von f8 erscheint die Auflösung nahezu gleichmäßig. Aus meiner Sicht liegt die optimale Blende für dieses Objektiv zwischen f8 und f10. Bereits ab f11 konnte ich eine leichte Abnahme der Auflösung verzeichnen, im Randbereich wie auch Bildzentrum.

EF 24mm bei f/2.8

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Offenblende

EF 24mm bei f/4

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Randunschärfe

EF 24mm bei f/5.6

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Auflösung

EF 24mm bei f/8

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Schärfebereich

Doch wie verhält es sich im direkten Vergleich beider Objektive? Dazu schauen wir uns den selben Bildausschnitt bei Blende 10 an. Wie ihr unten seht, ist das Canon EF 24mm f/2.8 IS USM schärfer. Details treten besser hervor. Dieses Phänomen war bei anderen Bildern der Testreihe teilweise noch ausgeprägter. Während beim EF 24mm noch filigrane Strukturen erkennbar waren, gingen diese beim EF 24-105mm teilweise im Pixelmatsch unter. Dabei ist die Unschärfe des Canon EF 24-105mm f/4L IS USM nicht nur auf einen so kleinen Bildausschnitt beschränkt. So kann es kommen, dass wichtige Teile des Motivs im Randbereich schnell undeutlich werden. Im Fazit des Tests biete ich euch zwei weitere Vergleichsbilder in voller Auflösung zum Download an.

EF 24mm f/2.8 IS USM bei f/10

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Auflösung

EF 24-105mm f/4L IS USM bei f/10

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM Auflösung

Verzeichnungen

Optische Verzeichnungen können je nach Effekt unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen. So kann es zu kissen- oder tonnenförmigen Verzerrungen kommen. Beides lässt sich mittlerweile dank Bildbearbeitungssoftware gut kompensieren. Unabhängig davon sollte das Ausgangsbild bereits möglichst verzeichnungsfrei sein. Schauen wir uns also die beiden Kontrahenten vor diesem Hintergrund an.

Wie der direkte Vergleich zwischen dem Canon EF 24mm f/2.8 IS USM und Canon EF 24-105mm f/4L IS USM zeigt,  hat die Festbrennweite naturgemäß weniger mit diesem Phänomen zu kämpfen. Beim Zoom-Objektiv tritt die kissenförmige Verzeichnung stärker zu Tage.

EF 24mm f/2.8 IS USM

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM wenig Verzeichnung

EF 24-105mm f/4L IS USM

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM kissenförmige Verzerrung

Farbfehler

Sogenannte chromatische Aberrationen sind optische Abbildungsfehler, die besonders an harten Kontrastkanten auftreten. Typischerweise ist der Fehler am Bildrand ausgeprägter und macht sich meist durch rötlich-violette oder grünliche Doppelkonturen bemerkbar. Das verstärkt zum einen die Bildunschärfe und lässt sich zum anderen auch nicht immer optimal mit einer Bildbearbeitungssoftware korrigieren. Moderne RAW-Entwickler bekommen das Problem größtenteils in den Griff, aber bei zu starken Farbfehlern müssen sie ebenfalls passen.

Zum Vergleich habe ich eine am Bildrand gelegene Fensterfront gewählt. Aufgrund der guten Kontraste (weißer Fensterrahmen) ist dieser Bildausschnitt dafür prädestiniert. Im Ergebnis zeigt sich der Unterschied recht deutlich. Während beim EF 24mm zwar die Farbsäume sichtbar sind, sind sie bei weitem nicht so ausgeprägt wie beim EF 24-105er. Hier sind die Farbfehler intensiver und auch breiter.

EF 24mm f/2.8 IS USM

Canon EF 24mm f/2.8 IS USM CAs

EF 24-105mm f/4L IS USM

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM CAs

Empfehlenswertes Zubehör

Zubehör für Canon EF 24mm f/2.8 IS USM Da Canon beim Zubehör gespart hat, seid ihr auf euch selbst angewiesen. Direkt von Canon erhältlich sind die Gegenlichtblende EW-65B sowie der Objektivbeutel LP 1014. Leider hat Canon die Gegenlichtblende mit ca. 50 EUR für ein Stück Kunststoff viel zu hochpreisig angesetzt. Drittherstellern sei Dank bieten sich jedoch Alternativen. Ich hab mich daher für das Modell LH-W65B von JJC entschieden, welches von der Verarbeitungsqualität zu überzeugen weiß und mit einem Preis von 18 EUR angemessen kalkuliert ist. Die Gegenlichtblende lässt sich für den Transport auch umgekehrt auf das Objektiv schrauben. Damit ihr euch nicht die Finger verbiegt, empfehle ich einen anderen Objektivdeckel. Denn mit montierter Gegenlichtblende lässt sich der Standard Objektivdeckel schlecht abnehmen und draufsetzen. Ein Modell mit Innengriff macht hier Sinn, wie z.B. der GUMP 58mm Snap-on Objektivdeckel.

Zum Testzeitpunkt war leider der Objektivbeutel LP1014 nicht lieferbar. Aber wie heißt es so schön: Not macht erfinderisch. Wenn ihr also gegenüber Nikon keine Vorbehalte habt, empfehle ich euch den Kauf des Nikon Objektivbeutels CL-0915. Damit passt das Canon EF 24mm f/2.8 IS USM samt Gegenlichtblende hervorragend rein. Übrigens: die angenähte Lasche mit dem Nikon-Schriftzug lässt sich problemlos entfernen.

Im Artikel über Polfilter gebe ich Tipps zum Kauf und stelle Einsatzszenarien vor.
Ein Polfilter gehört zu meiner Standard Fotoausrüstung und darf daher auch bei der neuen Festbrennweite nicht fehlen. Leider passt der Filter des EF 24-105er aufgrund des unterschiedlichen Durchmessers nicht auf das EF 24mm. Dies hat einen Filterdurchmesser von 58mm. Da ich seit vielen Jahren sehr gute Erfahrungen mit Hoya Filtern gemacht habe, ist es auch diesmal ein Polarisationsfilter von Hoya geworden. Und zwar das Modell Hoya Polfilter für 58mm Filtergewinde. Der Filter überzeugt durch eine sehr gute Qualität – sowohl in der Verarbeitung als auch Abbildungsleistung. Außerdem  ist er schmal aufgebaut und lässt sich problemlos mit der Gegenlichtblende und dem Objektivdeckel kombinieren.

Fazit

Das Canon EF 24mm f/2.8 IS USM, welches zeitgleich mit dem recht ähnlichen Canon EF 28mm f/2.8 IS USM auf den Markt kam, ist ein sehr gutes Weitwinkel-Objektiv, das hinsichtlich Bildqualität und Verarbeitung zu überzeugen weiß. Sicherlich wäre eine weit weniger starke Vignettierung bei Offenblende wünschenswert gewesen, aber das ist ein häufiges Problem bei Weitwinkel-Optiken, insbesondere am Vollformat.

  • EF 24mm Vergleichsbilder
    EF 24mm Vergleichsbilder
    canon-ef-24-105-vergleich.zip
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  • Aufgrund des hohen Preises sollte eine Anschaffung gut überlegt sein, zumal das notwendige Zubehör extra zu Buche schlägt. Legt ihr jedoch Wert auf eine hohe Abbildungsleistung, dann wird euch das Canon EF 24mm f/2.8 IS USM sicher nicht enttäuschen.

Hier punktet das Objektiv mit einer sehr guten Schärfe bis in die Randbereiche. Zusätzlich sind auch Verzeichnungen und Farbfehler besser unter Kontrolle. Der Bildstabilisator rundet das Gesamtpaket ab und sorgt auch bei einer Foto-Tour ohne Stativ für verwacklungsfreie Aufnahmen in kritischen Situationen. Wenn ihr an weiteren Tests zum Canon EF 24mm f/2.8 IS USM interessiert seid, lohnt es sich bei DxOMark, Traumflieger oder auch Lens Tests vorbeizuschauen.

Update 07.09.2013 Letztlich habe ich mich doch entschieden, dass EF 24mm wieder zurückzugeben. Grund war einerseits der massive Preissturz von ursprünglich 640 EUR auf 500 EUR und andererseits meine persönliche Verwendung. So habe ich noch ein Canon Fisheye f/2.8 mit 15mm Brennweite, was kaum noch zum Einsatz kam. Und auch der permanente Wechsel zwischen Festbrennweite und dem Canon Zoom bei Foto-Touren war mir zu aufwändig. Der reine Einsatz des Canon EF 24mm f/2.8 IS USM ist für mich nicht ausreichend, da ich gerade bei Städte-Touren immer wieder Motive (Kirchtürme etc.) habe, wo ich ranzoomen muss. Da ist es auf Dauer etwas anstregend, fortlaufend das Objektiv zu wechseln. Daher lass ich mich überraschen, ob Canon ggf. ein besseres Standardzoom mit Stabilisation anbieten wird, vielleicht ein 24-70mm f/2.8 IS USM.

  • Pro
    • hohe Bildschärfe bis in den Randbereich
    • geringe Verzeichnungen
    • Offenblende von f/2.8
    • Bildstabilisator
    • gute Verarbeitungsqualität
    • kompakte Abmessungen
  • Contra
    • hoher Preis für ein Nicht-L Objektiv
    • starke Randabschattungen bei Offenblende
    • nicht staub- oder spritzwassergeschützt
    • fehlende Gegenlichtblende

Link zum Anbieter

Canon: www.canon.de/For_Home/Product_Finder/Cameras/EF_Lenses/Wide_Angle/EF_24mm_f2.8_IS_USM/

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