Im Test: Sony Alpha 6300

Update 15.05.2016: Praxiserfahrungen und ISO Testbilder ergänzt

1. Einleitung

Spieglein, Spieglein…

Seit vielen Jahren bin ich mit Spiegelreflexkameras unterwegs – zunächst mit einer Canon EOS 40D (APS-C) und seit 2009 dann mit einer Canon EOS 5D Mark II (Vollformat). Nachdem ich in den letzten Monaten mit Spannung die Entwicklung im Bereich spiegelloser Kameras verfolgt habe, war es nun an der Zeit zu wechseln. Denn gerade auf meinen ausgedehnten Foto-Touren wurde mir die 5D inklusive Zubehör zu schwer und sperrig. Spiegellose Kameras können hier aufgrund der kompakten Bauweise ihre Vorzüge ausspielen.

Was einige Leser wundern wird: Meine Entscheidung fiel nicht auf eine Vollformat-Kamera, sondern auf eine spiegellose APS-C Systemkamera: die Sony Alpha 6300. Warum also der Wechsel? Ist die Sony A6300 besser als eine DSLR? Ist das Bildrauschen aufgrund des kleineren Sensors nicht höher? Und ist die Fokussiergenauigkeit einer Spiegelreflex nicht besser? Diese und andere Fragen werde ich in diesem Artikel beantworten. Dabei gehe ich auf die für mich wichtigen Punkte ein. Da ich ausschließlich fotografiere, werde ich auf die Video-Funktionen nicht näher beleuchten und aus der Perspektive eines Spiegelreflex-Umsteigers berichten. Der Artikel wird in den kommenden Wochen ausgebaut und um weitere Praxiserfahrungen ergänzt.

2. Die Sony A6300 im Detail

Die Sony Alpha 6300 ist der Nachfolger der beliebten Alpha 6000. Gegenüber dem Vorgänger gibt es einige Verbesserungen, insbesondere beim Autofokus, der Unterstützung für 4K-Filme sowie dem Sucher. Ein Feature hat es leider nicht in die Kamera geschafft – ein integrierter Bildstabilisator. Wenn ihr also darauf Wert legt, solltet ihr Objektive mit integriertem optischen Stabilisator kaufen. Ich kenne das aus der Canon Welt nicht anders und daher ist das für mich nicht störend.

Beim Kauf der A6300 habe ich auf diese Punkte besonderes Augenmerk gelegt und möchte daher detaillierter darauf eingehen:

  • Größe und Gewicht
  • Sensor
  • Gehäuse
  • Bedienung
  • Sucher und Display
  • Preis
  • Speicherkarte
  • Akkus und Laufzeit
  • WiFi & NFC

2.1 Größe und Gewicht

Kommen wir zunächst zum Gewicht. Ich verwende ein Sony SEL1670Z Objektiv (16-70mm, f4 Blende, OSS Stabilisator) als Immerdrauf-Linse. Dieses wiegt ca. 300g. Das macht zusammen mit der Kamera, welche ca. 400g wiegt, ein Gesamtgewicht von etwa 700g. Zum Vergleich: Eine Canon 5D Mark II wiegt etwa 610g, die neuere Canon 5D Mark III sogar knapp 1kg. Dazu kommt als Immerdrauf-Zoom ein Canon 24-105mm 4L Objektiv mit etwa 670g. Macht im Fall der 5D MK II insgesamt fast 1,5 Kilogramm! Also mehr als das Doppelte der Sony Alpha 6300. Im Vergleich überzeugt die Sony Alpha 6300 mit dem SEL1670 zudem mit kompakten Maßen.

2.2 Sensor

Die Sony Alpha 6300 verwendet einen Sensor im APS-C Format, der kleiner als bei Vollformat-Kameras ist. Damit ist das Freistellungspotential vom Hintergrund etwas geringer. Zusätzlich macht sich Bildrauschen früher bemerkbar. Erste Tests lieferten sehr gute Ergebnisse bis etwas ISO 1600. ISO 3200 ist ebenfalls noch gut verwendbar. Ab ISO 6400 ist das Rauschen dann sehr ausgeprägt. Mehr dazu in den kommenden Tagen. Hier können Vollformat-Geräte wie die Canon 5D Mark III oder auch die Sony A7R II punkten, da ihre Low-Light Fähigkeiten aufgrund des größeren Sensors besser sind. Hinzu kommt, dass die A7R II einen rückwärtig belichteten Sensor mit 42 Megapixel nutzt. Die A6300 besitzt diese Technologie nicht.

Sony Alpha 6300 Für mich sind diese Punkte aus zwei Gründen verschmerzbar: Ich fotografiere primär Architektur und Street bei Tageslicht. Eine hohe ISO-Empfindlichkeit ist für mich weniger ausschlaggebend. Und bei schlechten Lichtsituationen oder Nachtaufnahmen verwende ich ohnehin ein Stativ. Auch reichen mir die 24 Megapixel der A6300 für meine Einsatzzwecke (Microstock-Fotografie, Web etc.) völlig aus. Denn 42 Megapixel bringen nicht nur Auflösungsvorteile mit sich, sondern fordern auch die kamerainterne Technik beim schnellen Speichern dieser Datenmengen und kosten Performance in der RAW-Entwicklung und anschließenden Bildbearbeitung.

Sony preist den verwendeten Autofokus als einen der weltweit schnellsten an. So soll nicht nur das Scharfstellen rasant vonstatten gehen, sondern auch die Genauigkeit beachtlich sein. Dazu tragen die 425 Phasendetektions-Autofokuspunkte bei, welche über den gesamten Sensor verteilt sind. In ersten Tests konnte der Fokus eine sich bewegende Person problemlos über die gesamte Fläche nachverfolgen. Auf verschiedenen Webseiten empfehlen Anwender die Kamera daher auch für die Sportfotografie, auch aufgrund der hohen Serienbildgeschwindigkeit von 11 Bildern/Sekunde. Die Fokussiergeschwindigkeit bei Tageslicht ist daher sehr schnell und auch bei mäßigen Licht, z.B. in Gebäuden, sehr gut und treffsicher. Ich werde in den kommenden Wochen testen, wie gut sich der Fokus im Alltag verhält und hier berichten.

2.3 Gehäuse

Integrierter Blitz an der A6300 Das Aluminium-Gehäuse der Alpha 6300 ist wertig verarbeitet und liegt gut in der Hand. Es wackelt und knarzt nichts. Die Kamera ist gegen das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Die Klappen zum Abdecken des Batterie-/SD-Karten Slots und des USB/HDMI-Anschlusses wirken ebenfalls stabil. Die Batterieklappe wird zusätzlich mit einem Schieber verriegelt. Das Einzige, dass etwas fragil erscheint, ist der kleine Popup-Blitz. Diesen würde ich allerdings maximal zum Aufhellen von Portrait-Aufnahmen bei Gegenlicht verwenden. Mit einer Leitzahl von 6 bei ISO 100 ist er ohnehin nicht sehr leistungsfähig. Deshalb werde ich in Kürze ein externes Blitzgerät zukaufen.

2.4 Bedienung

Das Drehrad für die Motivprogramm auf der Kamera-Oberseite rastet gut ein. Der daneben befindliche Drehregler, welcher z.B. für das Einstellen der Blende oder Verschlusszeit verwendet wird, rastet ebenfalls ein, ist aber etwas leichtgängiger. Das Einstellrad neben dem Display lässt sich leicht drehen und dient ebenfalls als 4-Wege-Wippe, um sich durch die Menüs zu bewegen. Ich habe das Einstellrad mit der Belichtungskorrektur belegt. So kann ich schnell eine EV-Korrektur nach oben oder unten vornehmen.

Drehregler und programmierbare Knöpfe Der Auslöser ist angenehm zu bedienen und fokussiert, wenn man ihn leicht runterdrückt. Zusätzlich gibt es den Knopf C1, mit dem ihr den Fokusmodus auswählt, sowie den Knopf C2, welcher den Weißabgleich aufruft. Diese lassen sich, wie andere Knöpfe auch, frei mit anderen Funktionen belegen. Der FN-Knopf ruft ein Schnellmenü auf, das sich ebenfalls beliebig anpassen lässt. Weiterhin gibt es noch einen Umschalter zwischen AF/MF sowie AEL (Belichtungsspeicherung). Ich habe AF/MF so belegt, dass ich bei Drücken des Knopfes am Umschalter, in den manuellen Fokusmodus wechseln kann. Dieser manuelle Fokusmodus ist übrigens sehr praktisch, da er beim Drehen des Fokusrings am Objektiv automatisch eine Motivvergrößerung auf dem Display anzeigt und das Scharfstellen so sehr viel einfacher gelingt.

Wo wir gerade bei einfach sind: Bei meiner alten Canon 5D MKII musste ich auf eine digitale Wasserwaage verzichten. Und das für Architekturaufnahmen wichtige Gitter habe ich mit einer separat zu kaufenden Mattscheibe eingeblendet. Damit ist jetzt Schluss! Die Alpha 6300 erlaubt es, sowohl ein Gitternetz als auch eine Wasserwaage einzublenden – sehr praktisch.

2.5 Sucher und Display

Display nach unten geklappt Ein wichtiges Kaufargument ist und bleibt für mich ein vernünftiger Sucher. Kameras, die eine Bildkomposition nur über den Bildschirm erlauben, kommen für mich nicht in Frage. Denn gerade bei hellem Sonnenlicht wird es schwierig. Hier kann die Alpha 6300 überzeugen. Sie verfügt über einen großen hochauflösenden Sucher, der alle wichtigen Informationen anzeigt. Ein Augensensor erkennt übrigens, ob ihr euch der Kamera nähert. Dann wird das große Display abgeschaltet und der Sucher angeschaltet. Das klappt sehr gut. Im Lieferumfang enthalten ist eine Augenmuschel, welche ihr auf den Sucher aufstecken könnt.

Display nach oben geklappt Das Display ist ebenfalls angenehm hochauflösend und zeigt je nach Modus unterschiedliche Infos – beginnend beim reinen Bild bis hin zu Details, wie Belichtungsinformationen oder Histogramm. Wenn ihr klassisch  im 3:2 Format fotografiert, ist das aufgenommene Bild jedoch rechts und links mit schwarzem Rand versehen. Denn das Display ist im breiteren 16:9 Format. Praktisch ist die Möglichkeit, das Display nach oben oder unten zu klappen. Diese Fähigkeit hat mir des Öfteren bei meinen Canon Kamera gefehlt. Je nach montierter Stativ-Wechselplatte kann der Schwenkbereich jedoch nach unten begrenzt sein. Darauf solltet ihr beim Kauf einer Wechselplatte achten. Der Schwenkmechanismus hinterlässt einen stabilen Eindruck. Leider hat Sony auf ein Ausstattungsmerkmal verzichtet: Es wurde leider kein Touchscreen verbaut. Damit wäre es noch viel einfacher gewesen, durch die Menüs zu navigieren oder den Fokus per Fingertipp zu setzen. Da heißt es wohl warten auf die Sony Alpha 7000.

2.6 Preis

Last but not least spielt natürlich auch der Anschaffungspreis eine Rolle. Die Sony Alpha 6300 hat aktuell einen Preis von 1.250 EUR. Das Sony SEL1670 erhaltet ihr für etwa 800 EUR. Damit ergibt sich ein Gesamtpreis von 2.050 EUR. Eine vergleichbare Vollformat-Ausrüstung bestehend aus Sony A7R II (3.500 EUR) und SEL2470 (950 EUR) schlägt mit insgesamt 4.450 EUR zu Buche. So eine Anschaffung will gut überlegt sein.

2.7 Die richtige Speicherkarte

4k-fähige Speicherkarte für Sony Alpha 6300 Sony empfiehlt Speicherkarten mit der UHS Geschwindigkeitsklasse U3 mit mindestes 64GB Speicher für Videoaufzeichnungen. Ich verwende die Lexar Professional 1000X SDXC 64GB UHS-II Class 10 U3 (150 MB/s lesen, 75 MB/s schreiben). Damit seid ihr auf der sicheren Seite, auch bei 4k-Videoaufnahmen. Ihr könnt natürlich auch Karten anderer Hersteller, wie Sandisk oder Transcend, nutzen. Die Lexar Karten bieten aus meiner Sicht aber das beste Preis-Leistungsverhältnis.

2.8 Und was ist mit der Akku-Laufzeit?

Bei der Akku-Laufzeit sind spiegellose Kameras noch nicht auf Augenhöhe mit DSLR-Geräten. Auch die Sony Alpha 6300 macht hier keine Ausnahme. Sony gibt eine Anzahl von 350 – 400 Bildern an, bevor der Akku schlapp macht. Zum Vergleich: Eine Spiegelreflexkamera schafft problemlos 1.000 Aufnahmen. Im Praxistest, siehe unten, hat sich dieser Wert als nicht ganz realistisch erwiesen. Das Aufladen des Akkus erfolgt standardmäßig in der Kamera und dauert knapp 150 Minuten.

Aktiviert im Menü den Flugzeug-Modus, um Energie zu sparen. Damit wird WiFi & NFC abgeschaltet.

Es empfiehlt sich immer zusätzliche Akkus dabei zu haben, insbesondere wenn ihr auf eine längere Foto-Tour geht. Dazu ist im Handel sowohl originales Zubehör von Sony als auch von Drittanbietern erhältlich.

Ich habe mir das Baxxtar RAZER 600 II Ladegerät gekauft, welches sehr gute Bewertungen hat und für ca. 57 EUR zwei Akkus und ein externes Ladegerät bietet. Damit ist es günstiger als Sonys Ladegerät. Zusätzlich verfügt das Baxxtar über einen externen Ladeanschluss, z.B. für ein Tablet oder Smartphone – das spart unterwegs ein weiteres Ladegerät ein.

2.9 WiFi & NFC

Wie mittlerweile bei vielen Kameras üblich, unterstützt auch die Sony Alpha 6300 die Anbindung via WLAN und NFC. So könnt ihr beispielsweise Bilder drahtlos mit der PlayMemories Home Anwendung auf euren PC herunterladen. Hier ist die Geschwindigkeit dann allerdings langsamer als via USB-Direktverbindung.

Sony Alpha 6300 fernbedienen Sehr nützlich ist die in der Kamera integrierte Smart-Fernbedienung. Diese findet ihr unter dem Menüpunkt Applikationen. Vor der ersten Anwendung müsst ihr die Anwendung ggf. aktualisieren. Das klappt direkt aus der Kamera heraus, nachdem ihr einen Sony Account angelegt habt. Dann könnt ihr eure Kamera vom Smartphone fernsteuern.

Voraussetzung ist die Installation der PlayMemories Mobile App, welche für Apple iOS und Google Android verfügbar ist. Ist diese installiert, könnt ihr Kamera und Smartphone via NFC bzw. WiFi verbinden. Anschließend lässt sich die Kamera vom Smartphone steuern. Neben Blende, Belichtungszeit oder ISO kann auch der Bulb-Modus für Langzeitbelichtungen genutzt werden. Dadurch vermeidet ihr Verwackler an der Kamera, da die Auslösung über das Smartphone stattfindet. Standardmäßig nimmt die Kamera in diesem Modus nur JPEG-Bilder auf. Wenn ihr die Menü-Taste an der Kamera drückt, könnt ihr jedoch auch auf RAW+JPEG umschalten. Aufgenommene Bilder landen anschließend als JPEG auf dem Smartphone. Mehr dazu weiter unten im Praxisbericht.

So klappt die Stativbefestigung

ArcaSwiss Wechselplatte für Sony Alpha 6300 Aufgrund der kompakten Bauform benötigt ihr eine kleine Wechselplatte. Ich verwende die Sirui TY-C10, welche gut unter die Kamera passt und ArcaSwiss-kompatibel ist. Damit harmoniert sie gut mit meiner Novoflex Q=Mount Halterung. Sie verdeckt außerdem nicht den Zugang zum Batteriefach und erlaubt auch das Verstellen des Klappdisplays nach unten. Gegebenenfalls werde ich die Platte in Zukunft gegen eine Kirk Wechselplatte austauschen. Diese sind genau an das Gehäuse angepasst und somit optimal gegen Verdrehen gesichert. Zum jetzigen Zeitpunkt ist von Kirk aber noch keine passende Wechselplatte verfügbar.

Praxistipp: Handschlaufe für die A6300

Halteschlaufe statt Kameragurt an der Sony A6300 Falls ihr statt einem Kameragurt lieber eine Handschlaufe verwendet, habe ich noch eine Empfehlung für euch. Ich nutze Kameragurte eher selten und habe meine Kamera lieber in der Hand, wenn ich auf Touren bin. Und hier kommt es auf einen guten Halt an, falls einem das Gerät doch mal aus der Hand rutscht. Nachdem ich mich in verschiedenen Foren umgeschaut hatte, blieben am Ende zwei Optionen offen: die Handgelenkschlaufe von Peak Design für ca. 25 EUR und alternativ die Joby Handschlaufe für ca. 15 EUR.

praktische Halteschlaufe für die a6300 Für das Peak Design Produkt sprachen das clevere Verschluss-System, mit dem es möglich ist die Handschlaufe schnell zu lösen und beispielsweise durch einen Tragegurt zu ersetzen. Jedoch war mir die Kunststoffhalterung an der Handschlaufe zu groß und vereinzelt war von zerkratzten Kameragehäusen zu lesen. Daher fiel meine Entscheidung auf die Joby Handschlafe. Diese lässt sich klassisch, wie der normale Sony Kameragurt, an der Kamera befestigen. Sollte euch die Kamera aus der Hand fallen, zieht sich die Schlaufe automatisch fest. Sehr praktisch wie ich finde. Ein Hinweis noch: Wenn ihr sehr breite Handgelenke habt, ist die Schlaufe vielleicht nicht für euch geeignet. Sie könnte dann etwas eng sitzen.

3. Bilder von der Sony Alpha 6300

Wie versprochen gibt es hier erste Bilder mit der neuen Sony Alpha 6300 und dem SEL16-70mm f4 ZA OSS Objektiv. Da bestes Shooting Wetter war, sind die Aufnahmen größtenteils bei ISO 100 entstanden. Ihr seht hier eine verkleinerte Vorschau im JPEG-Format. Die JPEGs habe ich aus den Sony RAW Bildern in Adobe Camera Raw entwickelt. Dabei habe ich Objektivkorrekturen sowie ein paar grundlegenden Anpassungen (Kontrast, Tiefen, Lichter, Klarheit, Dynamik) vorgenommen. Die unbearbeiteten RAW Dateien könnt ihr euch unten in der Originalauflösung herunterladen.

Auflösung und Feinzeichnung der Kamera-Objektiv Kombination gefallen mir sehr gut, auch im Verhältnis zur Canon 5D Mark II. Kontraste und Farbgebung sind aus meiner Sicht stimmig. Auch das Freistellungspotential bei Offenblende empfinde ich als ausgezeichnet. Das Bokeh wirkt angenehm. Mit einer größeren Blende von beispielsweise f2.8 oder f1.8 ist hier sicher noch mehr rauszuholen.

  • Sony Alpha 6300 RAWs
    Sony Alpha 6300 RAWs
    sony-alpha6300-raw.zip
    98.8 MB Größe
    209 Downloads
    Mehr...
  • Wie oben geschrieben, findet ihr auf der linken Seite die unbearbeiteten Beispielbilder in der vollen Auflösung als RAW-Dateien im Sony ARW-Format. Bitte beachtet die Größe des Downloads mit knapp 100 MByte. Weiter unten finden sich zusätzliche RAW-Bilder, welche die Qualität der Kamera bei unterschiedlichen ISO-Werten zeigen.

4. Erfahrungen nach 3 Wochen im Dauereinsatz

Nach einer 3-wöchigen Foto-Tour durch Kuba kann ich jetzt meine Erfahrungen mit der Sony Alpha 6300 ausführlich schildern. Zunächst einmal: der Gewichtsvorteil der Ausrüstung (Sony Alpha 6300 + SEL1670Z + Samyang 12mm f2) im Vergleich zu meinem bisherigen Canon Equipment (Canon 5D MK II + EF 24-105mm f4 + 15mm f2.8 Fisheye) hat sich sehr positiv bemerkbar gemacht. Gerade bei Temperaturen um die 30 Grad ist es eine erhebliche Erleichterung, weniger Gewicht mit sich herumzuschleppen. Angenehmer Nebeneffekt: Ich verwende jetzt statt meiner bisherigen großen Crumpler Tasche ein kleineres Modell von Vanguard. Die Tasche werde ich demnächst hier im Blog vorstellen. Die oben erwähnte Handschlaufe hat sich im Praxiseinsatz bewährt und ein gutes Gefühl von Sicherheit vermittelt. Sie hat die Bedienung der Kamera nicht behindert und saß auch nicht zu eng am Handgelenk.

In diesem Artikel stelle ich euch mit dem Sony HVL-F32M einen passenden Blitz für die A6300 vor.

Die Bedienung der Kamera ist mir nach kurzer Zeit intuitiv von der Hand gegangen. Da ich vorzugsweise im Modus Blendenpriorität fotografiere, ist das Anpassen der Blende mit dem oberen Drehregler ein Kinderspiel. Mit dem Einstellrad neben dem Display nehme ich schnell Belichtungskorrekturen vor. Mir ist es jedoch öfter passiert, dass ich zwischen den Aufnahmen die Belichtungskorrektur und Blende verstellt habe. Glücklicherweise lässt sich ein unbeabsichtigtes Verstellen verhindern, indem ihr die Fn-Taste gedrückt haltet. Daraufhin wird das Einstellrad und der obere Drehregler gegen versehentliches Betätigen gesperrt. Damit die Sperre funktioniert muss der entsprechende Eintrag im Menü der A6300 unter Benutzer-Einstellungen und Regler-/Radsperre aktiv sein.

Es hat sich ebenfalls als sinnvoll erwiesen, den Video-Knopf zu deaktivieren. Denn es passiert mir regelmäßig, dass ich versehentlich die Videoaufnahme starte. Im Menü der Sony Kamera könnt ihr den Video-Knopf deaktivieren, so dass er nur funktioniert, wenn ihr den Aufnahmemodus auf Film gestellt habt.

Das schwenkbare Display der A6300 erwies sich oft als praktisch, insbesondere bei bodennahen Aufnahmen oder dem Fotografieren über Objekte hinweg. Noch praktischer wäre die Möglichkeit, es nicht nur auf und ab, sondern auch seitlich schwenken zu können. Bei direktem Sonnenlicht ist das Display mit der Standardhelligkeit schwer zu erkennen. Daher solltet ihr unter dem Menüpunkt „Monitor-Helligkeit“ die Einstellung auf „Sonnig“ ändern. Das erleichtert das Ablesen erheblich.

Zur Akkulaufzeit der Sony Alpha 6300: Nach etwa 300 Bildern mit Display-Helligkeit auf Sonnig und mehrfachem Betrachten aufgenommener Bilder ist die Kapazität erschöpft. Für mich ein akzeptabler Wert, da ich weniger Serienbilder schieße, sondern viel Architektur und Street. Dadurch kam ich mit 1 bis 2 Akkus problemlos über den Tag.

5. Bildqualität bei höheren ISO-Werten

Kommen wir zur Bildqualität. Ich denke, über ISO 100 – 400 brauchen wir nicht viel Worte verlieren. Doch wie sieht es bei höheren ISO-Werten aus? Ich habe hier 4 Aufnahmen zum Vergleich gemacht – beginnend bei ISO 640, über ISO 1000 und ISO 1600 bis hin zu ISO 6400. Im Folgenden findet ihr die verkleinerten JPEG-Bilder, welche ich mit Adobe Camera Raw aus den RAW-Aufnahmen entwickelt habe.

Von der Größenanpassung abgesehen, wurden keine weiteren Optimierungen vorgenommen.  Objektivkorrektur und Rauschreduzierung waren in Camera Raw deaktiviert. Zur besseren Begutachtung der Qualität seht ihr hier die stark vergrößerten Ausschnitte der Aufnahmen. Die ISO-Werte stehen jeweils unter dem Bild.

ISO 640 bis ISO 1600 bietet sehr gute Ergebnisse, mit einer leicht ansteigenden Körnigkeit bis ISO 1600. Bei ISO 6400 macht sich dann gleichmäßig starkes Farbrauschen im gesamten Motiv bemerkbar. Das Bild ist aber noch immer problemlos verwendbar. Ich denke, mit einer guten Rauschreduktion lässt sich ein sehr akzeptables Ergebnis erzielen.

  • Sony Alpha 6300 ISO Testbilder
    Sony Alpha 6300 ISO Testbilder
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    99.8 MB Größe
    151 Downloads
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  • Damit ihr euch ein besseres Bild von der Qualität der Kamera bei unterschiedlichen ISO-Werten machen könnt, stelle ich euch hier die 4 RAW-Dateien in der vollen Auflösung im Sony ARW-Format zur Verfügung. Bitte beachtet die Größe des Downloads mit knapp 99 MByte.

6. Komfortable Fernbedienung

Extrem praktisch empfinde ich die Möglichkeit, die Kamera mit dem Smartphone fernzubedienen. Die integrierte Smart-Fernbedienungs App der A6300 im Zusammenspiel mit der PlayMemories Mobile App auf meinem Android Smartphone hat das Fotografieren von Nachtaufnahmen ungemein erleichtert. Einfach die Kamera aufs Stativ, Fernbedienungs-App auf der Kamera starten und die App auf dem Smartphone zur Bedienung benutzen. Einen separaten Fernauslöser könnt ihr euch so sparen.

Sony Alpha 6300 Nachtaufnahme Blende, Belichtungszeit & Co. können direkt auf dem Smartphone Display angepasst werden. Gerade Langzeitbelichtungen lassen sich so einfach und verwacklungsfrei vom Smartphone umsetzen. Im Bulb-Modus erscheint zudem ein Timer, so dass die tatsächliche Belichtungszeit ersichtlich ist. Am Ende der Aufnahme wird ein Preview im JPEG-Format auf das Smartphone übertragen. Komfortabler könnte es nicht sein!

Wo wir gerade beim Thema Smartphone sind: Früher habe ich Bilder mit meiner 5D MK II fotografiert und das selbe Motiv nochmal mit dem Smartphone aufgenommen, um auf meiner Facebook-Seite zu berichten. Dank Direct WiFi-Kopplung mit dem Smartphone können die aufgenommenen Bilder jetzt direkt zum Mobilgerät übertragen werden. Standardmäßig wird eine reduzierte JPEG Auflösung von 2 Megapixel übertragen, was für Facebook & Co völlig ausreichend ist. Das spart Zeit für doppelte Aufnahmen und die Qualität ist höher im Vergleich zur Smartphone Kamera.

Weitere Erfahrungen werde ich hier kontinuierlich ergänzen. Also schaut gern mal wieder vorbei. Ich freue mich auf eure Kommentare und Fragen…

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2 Kommentare

  1. Ein klasse Bericht zu einer klasse Kamera. Hast du mittlerweile die passende schnellwechselplatte gefunden? Das ist gerade meine Sorge, eine schlanke, stabile Platte zu finden ohne das Display der Alpha einzuklemmen.
    Danke nochmal für den tollen Bericht.

    Frohen Abend.

    Lieben Gruß, Paul

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