Im Test: FastPictureViewer Pro

Einleitung

Standardmäßig sind die Fähigkeiten von Windows im Umgang mit RAW-Dateien limitiert. Bestimmte Formate werden nicht unterstützt, die Anzeige von Vorschau-Bildern im Explorer ist nicht möglich oder die Geschwindigkeit lässt zu wünschen übrig.

Dass es auch anders geht, beweist der FastPictureViewer Pro von Axel Rietschin, den ich in diesem Artikel vorstelle. Mit Unterstützung von 64-Bit, Farbprofilen und Multi-Core-Systemen legt der Bildbetrachter die Messlatte hoch.

Grenzen überwinden

Fotos moderner Digitalkameras können im RAW-Format schnell 20 bis 30 Megabyte groß werden. Selbst als JPG-Datei sind Dateigrößen von 10-15 Megabyte nicht selten. Dies führt Windows und zahlreiche Bildbetrachter an ihre Grenzen. Ist dann noch die Unterstützung von 64-Bit-Systemen und Farb-/Bildschirmprofilen gefragt, bleiben nur wenige Lösungen übrig, die den Ansprüchen professioneller Fotografen und Mediengestalter genügen. FastPictureViewer Pro gehört zu den wenigen Ausnahmen – schlank in der Installation, schnell im Einsatz und flexibel im Handling.

Installation

FastPictureViewer Pro unterstützt die verschiedenen Windows-Betriebssysteme in 32-Bit und 64-Bit: Windows XP SP2/SP3, Windows Vista, Windows Server 2008, Windows 7 und Windows 8. Die Installation des knapp 15 Megabyte großen Downloads ist in wenigen Sekunden erledigt. Während des Installationsprozesses können neben Standardeinstellungen zum Zielverzeichnis folgende Parameter definiert werden:

  • Unterstützte Sprachen (Brasilianisch, Chinesisch, Niederländisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Polnisch, Russisch, Slowenisch, Spanisch)
  • Integration mit Windows (Shell, Dateiformate)
  • RAW-Formate (Adobe, Canon, Epson, Fuji, Hasselblad, Kodak, Leica, Mamiya, Minolta, Nikon, Olympus, Panasonic, Pentax, Samsung, Sigma, Sinar, Sony)
  • Plugins (File Utilities, Wallpaper)

In der kostenlosen „Home Basic Edition“ ermöglicht das Programm die Anzeige von JPG-Bildern. In der kostenpflichtigen Professional Edition werden zusätzliche Formate wie RAW, TIF, BMP, PNG, GIF etc. unterstützt. Im Vergleich zu den unterschiedlichen Versionen erfahrt ihr weitere Details.

Erste Schritte

Nach der Installation stehen als erste Neuerung im Windows-Explorer Vorschau-Bilder von RAW-Dateien zur Verfügung. Ein Klick auf eine RAW- oder JPG-Datei öffnet die Datei im FastPictureViewer Pro, Bild 1. Was sofort positiv auffällt, ist die Geschwindigkeit mit der Dateien geöffnet werden. Die übersichtliche Oberfläche zeigt unten die Menüleiste und zusätzlich folgende Elemente:

Links oben

XMP Metadaten können mit der Taste ‚D‘ ein- und ausgeblendet werden

Rechts oben

RGB Histogramm kann mit der Taste ‚H‘ ein- und ausgeblendet werden

Rechts unten

Exif-Daten können mit der Taste ‚I‘ ein- und ausgeblendet werden

Die eingeblendeten Fenster könnt ihr beliebig verschieben und aktivieren. Ebenso kann die Menüleiste in der Vollbild-Ansicht ausgeblendet werden.

XMP Metadaten sind ein Industriestandard, u.a. zur Bewertung von Bildern. Ihr könnt leicht durch Drücken der Tasten ‚0‘ bis ‚5‘ ein Bild bewerten. Daraufhin erscheint im ersten Feld beispielsweise eine ‚5‘ und die entsprechende Anzahl an Sternen. Diese Bewertung kann später genutzt werden, um bestimmte Aktionen mit Dateien durchzuführen. Die zwei weiteren Felder im XMP-Fenster bezeichnen das Label und die Wichtigkeit in Photoshop.

Lest in diesem Artikel, wie im Windows Explorer die Miniatur-Voransicht von Adobe Dateiformaten gelingt.
Die Daten im Histogramm zeigen die Verteilung der Helligkeit über die verschiedenen RGB-Kanäle. Zusätzlich wird rechts unten im Histogramm-Fenster die Farbtiefe und Dateigröße in Megapixel eingeblendet. Dabei ist das Interpretieren eines Histogramms einfacher als gedacht. Im Fenster mit den Exif-Daten werden alle wesentlichen Aufnahmeparameter des Bildes dargestellt, wie z.B. Belichtungszeit, Weißabgleich, ISO-Wert, Kamera etc. Diese Daten werden automatisch aus dem Foto ausgelesen und können nicht geändert werden.

Klickt mit der Maus in die äußerste rechte Ecke auf der Menüleiste am unteren Bildschirmrand und ihr bekommt einen Navigationsslider angezeigt, mit dem ihr schnell durch die Bildauswahl scrollen könnt, Bild 2. Alternativ könnt ihr die Maus an den oberen Bildschirmrand bewegen. Es erscheint ein Leiste mit Miniatur-Vorschaubildern des jeweiligen Ordners. Geht mit dem Mauszeiger über ein Bild, öffnet sich eine vergrößerte Voransicht, Bild 3.

  • XMP-Anzeige

    Bild 1

  • Histogramm und Mini-Galerie

    Bild 2

  • Bildvorschau im FastPictureViewer

    Bild 3

Übrigens: Mit einem linken Mausklick erhaltet ihr eine 100%-Ansicht und mit einem rechten Mausklick eine 300%-Ansicht des angezeigten Bildes. Dies ermöglicht eine detaillierte Einschätzung der Qualität von Bildausschnitten. Ihr könnt außerdem jederzeit durch Drücken der Taste ‚X‘ unerwünschte Bilder markieren und diese später automatisch löschen.

Konfiguration

Ein Klick auf die Menüleiste öffnet unter dem Punkt “Optionen” zahlreiche Einstellungen. An dieser Stelle stelle ich euch die wichtigsten Parameter kurz vor. Wie eingangs erwähnt, unterstützt FastPictureViewer Pro den Einsatz von Farbprofilen, Bild 4. Dies macht Sinn, wenn ihr beispielsweise euer Equipment professionell nutzen und eine entsprechende Kalibrierung des Monitors vorgenommen habt. Das so generierte Farbprofil kann hier ausgewählt werden. Damit sorgt das integrierte Farbmanagement für eine korrekte Wiedergabe der Farbwerte in eurer Bildern. So können zum Beispiel bei Wide Gamut Monitoren mögliche Farbverfälschungen durch Übersättigung ausgeschlossen werden.

Verfügt ihr über eine leistungsfähige Grafikkarte kann die Hardwarebeschleunigung des Grafik-Prozessors aktiviert werden. Dies sorgt zusätzlich für eine verbesserte Geschwindigkeit beim Betrachten von Dateien. Ein weiterer Parameter ist die Auto-Bilddrehung – ein sinnvolles Feature, um die automatische Rotation von Hochformat-Aufnahmen zu nutzen. Dazu werden die entsprechenden Exif-Daten ausgewertet (soweit vorhanden).

Unter den XMP-Optionen können die einzelnen Einstellungen zur Bewertung vorgenommen werden, Bild 5. So legt ihr beispielsweise fest, wie Tastatureingaben erfolgen sollen. Es kann ebenfalls definiert werden, ob Bewertungen in den Metadaten des Bildes oder in einer externen XMP-Datei gespeichert werden sollen.

In Menüpunkt „Ressourcen Behandlung“ kann schließlich die Performance von FastPictureViewer Pro festgelegt werden, Bild 6. Das Vorausladen von Dateien und die Unterstützung von Mehrkern- sowie Multiprozessor-Systemen lässt sich hier konfigurieren, ebenso wie die Speichernutzung je Datei. Einem einzelnen Bild kann auf diese Weise bis zu 1 Gigabyte Arbeitsspeicher zugewiesen werden.

  • Einstellungen im FastPictureViewer

    Bild 4

  • Bewertungsoptionen im Bildbetrachter

    Bild 5

  • Ressourcen-Einstellungen im Bildbetrachter

    Bild 6

Erweiterte Features

FastPictureViewer Pro bietet neben der reinen Anzeige von Fotos noch weitere Funktionen. Beispielsweise können Bilder als Windows-Hintergrund eingestellt werden oder über die File Utilities verschiedene Aktionen mit Bildern durchgeführt werden, Bild 7. Zum Einsatz kommt dabei ein mächtiges Werkzeug zum regelbasierten Management. Abhängig von definierten Bedingungen (z.B. Dateigröße, Bewertung, Datum u.v.m.) können unterschiedliche Aktionen (z.B. Kopieren, Löschen, für Web speichern) durchgeführt werden, Bild 8. Für jede Regel können Ausnahmen bestimmt werden.

Einmal erstellte Regeln können aktiviert, gespeichert und später wieder geladen werden. Zusätzlich lässt sich angeben, ob eine bestimmte Regel für sämtliche Bilder oder nur eine bestimmte Auswahl angewendet werden soll. Damit sind die File Utilities eine sinnvolle Ergänzung und ermöglichen die schnelle Durchführung von Standardaktionen.

  • File Utilities für Fastpictureviewer

    Bild 7

  • Definieren von Regeln im RAW Betrachter

    Bild 8

Ein weiteres interessantes Feature nennt sich Tethered Shooting. Zum Einsatz kommt ein spezielles Kommunikationsprotokoll, das es der Kamera ermöglicht Bilder auf einem angeschlossenen Computer anzuzeigen. Verschiedene Modelle von Nikon, Canon und anderen Herstellern unterstützen dieses Feature. Sie benötigen lediglich ein USB-Kabel zur Verbindung der Kamera mit dem PC. In den USB-Einstellungen muss noch der Transport-Modus auf PTP (Picture Transfer Protocol) bzw. MTP umgestellt werden. FastPictureViewer Pro erkennt dann automatisch die Kamera, zeigt aufgenommene Bilder an und speichert diese auf dem PC. Dies ist insbesondere für People- oder Fashion-Fotografen unter euch interessant, die so eine sofortige großformatige Vorschau von Bildern auf einem Flachbildschirm vornehmen können.

Fazit

FastPictureViewer Pro bietet unter einer übersichtlichen Oberfläche ein Maximum an Performance, wenn es um die Anzeige von Bilddateien geht. Selbst mehrere Megabyte große Fotografien lassen sich in Sekunden öffnen und anzeigen. Mit der Unterstützung von verschiedenen RAW-Formaten, 64-Bit- und Mehrkern-Systemen, Exif- und Histogramm-Informationen sowie Farbprofilen bleibt kein Wunsch offen. Andere, zum Teil kostenlose Bildbetrachter (wie z.B. IrfanView), liefern insbesondere beim Handling von RAW-Dateien und Farbprofilen nicht die Geschwindigkeit der hier vorgestellten Lösung.

FastPictureViewer Pro ist ein sinnvolles Hilfsmittel bei der Erstbeurteilung von RAW-Daten. So kann bereits vor der eigentlichen RAW-Entwicklung eine schnelle und zuverlässige Vorauswahl von Bildern erfolgen. Für derzeit 40 Dollar erhaltet ihr einen ausgereiften Bildbetrachter, der den Workflow in der Fotobearbeitung umfassend unterstützt.

Link zum Anbieter

FastPictureViewer Pro: www.fastpictureviewer.com

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4 Kommentare

  1. Die Information über FastPictureViewer ist zwar schon vor einiger Zeit eschienen. Sie hat allerdings jetzt den Ausschlag für den Erwerb gegeben. Ich sehe mich selbst als ambitionierten Hobbyfotografen, der seit seinem 10. Lebensjahr nun immerhin über 60 Jahre fotografiert. Momentan liegt mein Schwerpunkt auf der Sportfotografie, speziell Eishockeyszenen. Es fallen pro Spiel mehrere 100 Bilder an, deren schnelle Sichtung mir bisher mit FPV am besten gelungen ist. Leider tue ich mich mit einer komplexeren Nutzung etwas schwer, da Englisch nicht unbedingt zu meinen Stärken gehört. Die Verschlagwortung habe ich noch nicht ganz durchschaut. Vielleicht ist einem Anwender eine etwas ausführlichere Beschreibung untergekommen. Ansonsten muss ich mich nach dem Prinzip Versuch-Irrtum durchhangeln. Die eventuellen Ergebnisse werde ich zusammenfassen und ggfs. zur Verfügung stellen. Ansonsten ist FPV für mich das Sichtungswerkzeug, mit dem man eine erste Vorabauswahl und Qualitätsbeurteilung sehr schnell und sicher durchfühen kann.
    Gruß Dieter

    • Hallo Dieter,

      ich nutze auch die Software zum schnellen Sichten und beschränke mich dabei, genau wie du, auf die wesentlichen Funktionen. Praktisch finde ich das integrierte Histogramm und die eingeblendeten Exif-Informationen.

      Grüße,
      Andreas

  2. Bin mir nicht sicher, dass FastPictureViewer kein Betrugsversuch ist. Habe den Fehler gemacht die Software zu kaufen. Leider bekomme ich vom Anbieter statt den benötigten Aktivierungscode nur Mails mit der bitte zu warten, weil er momentan viel zu tun hat. Seit 7 Wochen!
    Rechtlich ist es kritisch, da Anbieter aus der Schweiz agiert.

    Eventuell ist es sinnvoll andere davor zu schützen, ebenfalls Geld zu vernichten.

    Gruß
    Christian

    • Hallo Christian,

      ich hatte bisher keine Probleme, weder mit der Software noch der Kommunikation mit dem Anbieter. Von daher würde ich erstmal keinen Betrug unterstellen, zumal die Software einen guten Ruf genießt und regelmäßig aktualisiert wird. Axel Rietschin ist der Autor und normalerweise schnell unter info@fastpictureviewer.com erreichbar.

      Grüße,
      Andreas

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