DxO OpticsPro 11: Lohnt sich das Update?

Einleitung

Zeit für ein Update?

Es ist mal wieder soweit: DxO hat die neueste Version seiner RAW-Entwicklungssoftware DxO OpticsPro 11 vorgestellt. Ein guter Zeitpunkt, sich die Neuerungen im Detail anzuschauen. Ich nutze DxO OpticsPro seit vielen Jahren, um RAW Fotos zu entwickeln. Zunächst mit Canon APS-C Kameras, später dann mit Canon Vollformat und seit diesem Jahr mit einer Sony Systemkamera habe ich die Vorzüge der Software aus Frankreich schätzen gelernt: intuitive Oberfläche, automatische Objektivkorrekturen und sehr gute Massenbearbeitung von Bildern.

Werfen wir also einen Blick auf DxO OpticsPro 11 und schauen, was es an neuen Features in die Lösung geschafft hat!

Das ist neu in DxO Optics Pro 11

Laut DxO können wir uns auf diese Neuerungen im aktuellen Update freuen:

  • Verbessertes DxO PRIME 2016
    Noch schnellere und leistungsfähigere Rauschminderung
  • Smart Lighting jetzt mit punktuellem Modus
    Automatische Gesichtserkennung für bessere Korrekturen
  • Rote Augen Korrektur
    Automatisches Erkennen und Korrigieren von roten Augen
  • Automatische Mikrokontraste
    Verbessert automatisch Details in Bildern, außer bei Gesichtern und High ISO Fotos
  • Verbesserte selektive Tonwerte
    Bessere Erhaltung der Mitteltöne für ein natürlicheres Aussehen
  • Überarbeiterter Vollbildmodus
    Fotos auf dem gesamten Bildschirm ohne störende Menüs betrachten
  • Neue Tastaturkürzel
    Fotos mit Hilfe neuer Tastaturkürzel schneller filtern und bewerten
  • Verbesserte Reaktion der Schieberegler
    Bis zu doppelte Geschwindigkeit bei der Bedienung

Unverändert ist die Unterscheidung in zwei Editionen: Die RAW-Entwicklungssoftware ist als Essential Edition für derzeit 99 EUR und als Elite Edition für 149 EUR auf der Webseite von DxO erhältlich. Bestandskunden profitieren von einem günstigen Upgrade Preis, der im Kundenkonto sichtbar ist.

DxO 11 unterstützt jetzt die neue Sony Alpha 6300. Hier gibts den ausführlichen Test der APS-C Systemkamera.

Früher unterschieden sich die Editionen noch in der Unterstützung von APS-C oder Vollformat Kameras. Mittlerweile unterscheiden sich die beiden Programmpakete auf rein funktionaler Ebene. So fehlt DxO in der Essential Edition die Integration der Prime Rauschunterdrückung, Clearview oder auch die Adobe Lightroom Anbindung. In dieser Übersicht seht ihr die Unterschiede der DxO Editionen.

Im folgenden Testbericht werde ich euch die neuen Features im Detail vorstellen und mit der Vorgängerversion DxO Optics Pro 10 vergleichen.

DxO Prime 2016 Rauschminderung

Das mit DxO 9 eingeführte Prime, ein leistungsfähiges Werkzeug zur Reduzierung von High ISO Bildrauschen, wurde in DxO 11 weiter verbessert. Laut DxO sollen Übergänge, Bokehs und Details besser erhalten bleiben. Ebenso soll die Geschwindigkeit bis zu 4mal schneller sein, insbesondere bei hohen ISO Werten.

Schauen wir uns zunächst den Geschwindigkeitsvergleich zwischen DxO OpticsPro 10 und 11 an. Testsystem ist ein 64bit Windows 10 PC mit einem i7-5820k mit 6 Kernen und 32 GB RAM. Als Bilder kommen 3 Fotos mit unterschiedlichen ISO-Werten zum Einsatz. Als Preset wurde der DxO Standard verwendet.

ISO Wert DxO OpticsPro 10 DxO OpticsPro 11
3.200 37 Sekunden 30 Sekunden
4.000 33 Sekunden 28 Sekunden
12.000 44 Sekunden 21 Sekunden

Das Ergebnis zeigt einen eindeutigen Geschwindigkeitsvorteil für DxO 11, insbesondere bei einem ISO-Wert von 12.800 zieht die neue Version mit einer mehr als doppelt so schnellen Entwicklungszeit davon. Das entspricht zwar nicht der versprochenen 4fachen Steigerung, ist aber dennoch eine beachtliche Verbesserung.

Rauschreduktion in DxO 11 Doch wie sieht es bei der Bildqualität aus? Dazu verwende ich eine Innenaufnahme bei ISO 4.000, siehe das linke Bild. Anschließend vergrößere ich den vorderen Abschnitt an der Mauer. Das Ergebnis zeigt nach der Prime Rauschreduktion insgesamt nur geringe Unterschiede. Details sind nahezu identisch herausgearbeitet und die Rauschreduktion liefert gute Resultate. Bei flächigen Strukturen werden dennoch Unterschiede zwischen DxO 10 und DxO 11 erkennbar, wie ihr im folgenden Vergleich seht.

  1. Before
  2. After
Links: DxO 10/ Rechts: DxO 11

Während DxO 10 den Fokus auf einen Erhalt der Details in homogenen Flächen legt, gibt DxO 11 dem Übergang zwischen Farbtönen den Vorrang. Das hat zur Folge, dass DxO 10 in Flächen etwas klarer wirkt, während DxO 11 einen weicheren Eindruck erzeugt. Das Rauschen wirkt nochmals reduzierter, geht jedoch mit einem Detailverlust einher. Mir fällt es schwer, hier eine Präferenz zu setzen. Ich denke, die Details in diesen dunklen Bildbereichen können aufgrund eines harmonischeren Bildeindrucks noch am ehesten vernachlässigt werden.

Smart Lighting mit Gesichtserkennung

Gesichtserkennung in DxO 11 DxO Smart Lighting ist eine praktische Funktion, um Details in über- oder unterbelichteten Bildbereichen wiederherzustellen. Das ist beispielsweise praktisch bei Bildern im Gegenlicht. Smart Lighting ist für mich ein praktisches Feature, das ich seit vielen Jahren standardmäßig nutze. In DxO OpticsPro 11 wurde nun eine Gesichtserkennung integriert, welche die Belichtung auf Gesichter optimiert – ganz ähnlich der Spotmessung an eurer Kamera. Dazu müsst ihr in der Oberfläche von DxO im Bereich Smart Lighting von „homogen“ auf „punktuell“ umschalten. DxO versucht dann, Gesichter automatisch zu erkennen. Das klappt im Test bei frontalen Aufnahmen sehr gut. Wieviel Gesichter erkannt werden, wird im Werkzeug angezeigt.

Sind jedoch Gesichter seitlich angeschnitten, kommen mehrere Menschen im Bild mit einer ungünstigen Perspektive vor oder ist ein Teil des Gesichtes verdeckt, versagt die Automatik. In diesem Fall könnt ihr jedoch mit dem punktuellen Werkzeug, Gesichter auch manuell markieren. Im Ergebnis erscheinen Gesichter natürlicher und die Belichtung im Bild homogener. Insgesamt somit eine praktische Funktion. Ich bin gespannt, ob DxO in Zukunft noch mehr Werkzeuge mit punktueller Korrektur einführt. Der Schritt wäre zu begrüßen und spart zusätzlich Zeit in der weiteren Bildbearbeitung.

Rote Augen korrigieren

Entfernen roter Augen mit DxO OpticsPro 11 Das Problem kennt sicher jeder: rote Augen. Diese entstehen oft beim Blitzen mit dem integrierten Blitz einer Kamera oder wenn kein Vorblitz zum Einsatz kommt. Grafiksoftware, wie Adobe Photoshop, besitzt bereits Werkzeuge zum Korrigieren roter Augen. DxO verspricht, dass in Version 11 rote Augen automatisch erkannt und korrigiert werden. Das passende Werkzeug findet ihr in der rechten Palette „Details“. Ist es aktiviert, werden rote Augen automatisch erkannt und korrigiert. Gelingt die automatische Erkennung nicht, könnt ihr mit einem Klick auf das Werkzeug einen Rahmen um die roten Augen ziehen.

Im Test funktionierte die Erkennung und Korrektur von roten Augen problemlos. Nachdem das Werkzeug aktiviert wurde, erkannte es zwei rote Augen korrekt im Bild und korrigierte den Rotstich. Ihr könnt den markierten Bereich im Foto auch selber korrigieren, wenn die Markierung nicht 100% passen sollte. Gerade bei einer großen Anzahl Bilder mit roten Augen, dürfte die neue Funktionalität den Arbeitsfluß erleichtern und beschleunigen.

Automatische Mikrokontraste

verbesserte Mikrokontraste in DxO 11 Die Einstellungen für Mikrokontraste in DxO OpticsPro eignen sich gut, um Strukturen und Details in Bildern herauszuarbeiten. Dazu bietet DxO 11 ab sofort einen automatischen Modus an, den ihr direkt neben dem Mikrokontrast-Schieberegler aktivieren könnt. In DxO 10 ließen sich die Mikrokontraste nur manuell verändern. Damit eignet sich der neue automatische Modus gut für die Batch-Verarbeitung von RAW Fotos. Ebenso wie das Smart Lighting Werkzeug, setzen die Mikrokontraste auf eine automatische Erkennung von Gesichtern und High ISO Bildern.

Das funktionierte im Test gut. Bei High ISO Aufnahmen wurde nur eine geringe, automatische Korrektur der Mikrokontraste angewendet. In Bildern, in denen DxO eines oder mehrere Gesichter erkannte, wurde die Korrektur nicht angewendet. Das ist sinnvoll, da sonst beispielsweise Poren stark betont werden. Aber auch hier gilt: die Automatik bei der Gesichtserkennung funktioniert mit den oben erwähnten Einschränkungen.

Verbesserte selektive Tonwerte

Laut DxO wurde in der neuen Version das Handling von Mitteltönen verbessert. So sollen bei den Einstellungen für selektive Tonwerte nun natürlichere Ergebnisse erzielt werden. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Unterschiede zwischen DxO 10 und DxO 11 sind nicht dramatisch, aber sichtbar. Das soll die folgende Aufnahme verdeutlichen. Als Beispielbild diente ein RAW Bild, in dem der Himmel überbelichtet war.

DxO OpticsPro 10
Korrektur von Tonwerten in OpticsPro 10

Bild anklicken für große Ansicht

DxO OpticsPro 11
Korrektur von Tonwerten in DxO OpticsPro 11

Bild anklicken für große Ansicht

Im Werkzeug für selektive Tonwerte habe ich den Schieberegler für die Spitzlichter auf -70 gesetzt, um den Himmel wieder herauszuarbeiten. Schatten wurden mit 30 aufgehellt und die Tiefen mit -40 betont. Bis auf selektive Tonwerte wurden alle Korrekturen in DxO deaktiviert. Im Ergebnis wirkt das in DxO 11 entwickelte RAW-Bild etwas angenehmer, kontrastreicher und weniger flach in den Mitteltönen. Das geht aber zu Lasten von Strukturen. Gerade bei den Wolken zeigt sich, dass diese in hellen Bildbereich etwas verloren gehen.

Überarbeiteter Vollbildmodus

Bewerten und Filtern in DxO 11 Bereits in DxO Optics Pro 10 gab es einen Vollbildmodus, den ihr mit F12 aufrufen konntet. In DxO OpticsPro 11 hat man diesen überarbeitet und um zusätzliche Funktionen ergänzt. Die Exif-Daten eurer Bilder werden zusammen mit einer Miniaturansicht auf der rechten Seite angezeigt. Bisher war dies getrennt. Am unteren Bildschirmrand wird zudem der Dateiname, die Sternebewertung und Anzeige zur Bildentwicklung eingeblendet. In DxO 10 war nur die Sternebewertung sichtbar. Ihr könnt jetzt also via Tastatur sehr schnell entscheiden, ob ein Bild entwickelt werden soll (7) oder nicht (9).

Mit den Tasten 1 bis 5 könnt ihr Sterne zur Bewertung vergeben. Die Exif-Daten lassen sich mit „I“ ein- und ausblenden. Zum nächsten oder vorigen Bild springt ihr mit den Cursor-Tasten links/rechts. Alle verfügbaren Tastaturkürzel erhaltet ihr mit F1. Mir gefällt die neue Darstellung und sie erleichtert die Vorauswahl der zu entwickelnden RAW Bilder.

Neue Tastaturkürzel

Laut DxO gibt es neue Tastaturkürzel zum Bewerten und Filtern von Bildern. In der normalen Ansicht konnte ich hier keine Neuerungen feststellen. Ich vermute, dass sich dies auf den Vollbildmodus bezieht. Wie oben bereits beschrieben, gibt es hier neue Tastatur Kommandos, welche die Arbeit erleichtern. Hier findet ihr eine vollständige Übersicht der Tastaturbelegung in DxO 11.

Verbesserte Geschwindigkeit der Schieberegler

In DxO OpticsPro 11 hat sich die Geschwindigkeit bei der Vorschau von Änderungen verbessert. Ein gutes Beispiel dafür sind die Schieberegler für die Belichtungskorrektur, DxO Clearview oder Smart Lighting. Während in DxO 10 die Bedienung der Regler und einhergehende Vorschau nur zögerlich vonstatten ging, ist das im neuen DxO 11 nun anders: Sobald ihr die Schieberegler betätigt, werden die Änderungen im Bild sichtbar. Kein großes Ding, aber angenehmer im Einsatz.

Fazit: Lohnt sich der Umstieg?

DxO 11 bietet sinnvolle Neuerungen

Zusammenfassend gefällt mir das neue Update. In DxO OpticsPro 11 überzeugt die beschleunigte Prime Rauschreduzierung, Smart Lighting mit Gesichtserkennung, die automatische Rote Augen Korrektur und der verbesserte Vollbildmodus. Die übrigen Neuerungen verbessern die Benutzerfreundlichkeit oder bringen teilweise nur einen geringen Mehrwert.

Hervorzuheben ist noch die Unterstützung neuer Kameramodelle, wie der Sony Alpha 6300. Das wird Besitzer von DxO 11 freuen, aber Anwender der Vorgängerversion ärgern. Hier wird das neue Kameraprofil nicht angeboten. Ob eure Kameraausrüstung von DxO OpticsPro 11 unterstützt wird, könnte ihr in der Übersicht für verfügbare optische DxO Module herausfinden.

Abschließend kann ich sagen, dass DxO 11 zwar kein revolutionäres Update ist, aber zahlreiche sinnvolle Neuerungen bietet, welche insbesondere die Massenverarbeitung von RAW Dateien vereinfachen und beschleunigen helfen.

  • Pro
    • schnellere Prime Rauschreduktion
    • neue Gesichtserkennung verbessert automatische Korrekturen
    • einfaches Entfernen roter Augen
    • Unterstützung für neue Kameramodelle
    • Aktivierung auf 2 (Essential Edition) oder 3 Mac/PC (Elite Edition) möglich
  • Contra
    • Gesichtserkennung nicht immer zuverlässig
    • selektive Tonwerte mit besseren Mitteltönen auf Kosten sichtbarer Strukturen
  • Gesamtbewertung:

  • 90/100
    Punkten

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Test und deine Meinung.
    Ich nutze selbst DXO 10 und überlege selbst, auf die neue Version umzusteigen.

    Ich habe mir die Demo installiert und bin ein wenig zwiegespalten.
    Enttäuscht hat mich die viel beworbene Gesichtererkennung, das klappt bei vielen Konzertfotos überhaupt nicht. Da ist selbst die in Ehren ergraute Software Windows Photo Gallery deutlich besser, gute Ergebnisse bekam ich bisher nur bei wenigstens nahezu rauscharmen Fotos. Schade, da hatte ich mir von den DXO-Profis eine deutlich höhere Trefferquote erhofft.
    Auch die „Behandlung“ von roten Augen auf Fotos könnte noch ein wenig optimiert werden.
    Richtig gut gefällt mir der Geschwindigkeitszuwachs beim PRIME-Modus. Das geht bei mir subjektiv gefühlt, deutlich schneller. Vielleicht liegt es an meiner Grafikkarte, die hervorragend unterstützt wird.
    Einige automatische Optimierungen fand ich unter Version 10 persönlich angenehmer und homogener, wobei mich aber auch einige Optimierungen der Version 11 wieder sehr positiv überrascht haben.

    • Hallo Jörg,

      ja, das seh ich auch so. Gesichtserkennung klappte nur gut bei frontalen Aufnahmen. Mal schauen, ob es mit Updates noch besser wird. Prime Entrauschung ist jetzt einiges schneller. Insgesamt kommt es darauf an, welche der Features man wirklich nutzt.

      Grüße,
      Andreas

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