DxO Optics Pro 9: Lohnt sich das Update?

Einleitung

RAW Bilder automatisiert entwickeln

Seit vielen Jahren nutze ich den RAW-Entwickler DxO Optics Pro. In einem ausführlichen Test hatte ich bereits Version 7 vorgestellt. Ein Großteil der dort beschriebenen Funktionen findet sich auch heute im aktuellen Release wieder. Die Software eignet sich bestens, um eine große Anzahl von Bildern automatisiert zu bearbeiten und zu entwickeln. Ein Highlight ist dabei zweifelsohne die Korrektur von Objektivfehlern, wie z.B. der Verzeichnung, Vignettierung oder auch von Randunschärfen. Vor kurzem hat die französische Softwareschmiede ihr neuestes Release vorgestellt: Mit Version 9 werden einige interessante Neuerungen versprochen. Doch lohnt sich die Anschaffung?

Dieser Artikel soll der Frage auf den Grund gehen. Dabei stelle ich euch die einzelnen Änderungen detailliert vor und vergleiche diese mit der Vorgängerversion DxO Optics Pro 8. Und jetzt viel Spaß beim Lesen…

Was ist neu?

DxO Optics Pro 9 ist keine Revolution in der Entwicklung, sondern vielmehr eine Evolution. Dabei wurden wesentliche Kernfunktionalitäten weiterentwickelt. Der Hersteller stellt diese Highlights in den Mittelpunkt:

  • Neuer Arbeitsbereich
  • Prime: Optische Rauschunterdrückung
  • DxO Smart Lighting: Splitzlichter wiederherstellen
  • Visuelle Presets: Voreinstellungen für spezielle Looks inklusive neuem Portrait Presets

Im Folgenden möchte ich euch einzelnen Neuerungen vorstellen.

Arbeitsbereich

Der neue Arbeitsbereich zeichnet sich durch mehr Platz für die Bildansicht aus. Die obere Menüleiste wurde entfernt. Die bisherigen 3 Workflow-Schritte Organisieren, Bearbeiten, Entwickeln wurden auf die 2 Schritte Organisieren und Bearbeiten reduziert. Das eigentliche Entwickeln, sprich der Export, wird jetzt über eine separate Schaltfläche im Bearbeiten-Schritt realisiert. Hier besteht jetzt auch die Möglichkeit, den Export in eine andere Anwendung zu realisieren. Zusätzlich wurden einige Schaltflächen neu angeordnet und die Aktivierung einzelner Korrekturen erfolgt jetzt über Schalter anstatt von Ankreuz-Feldern.

DxO Optics Pro 9
Oberfläche von DxO Optics Pro 9

Klick für große Ansicht

DxO Optics Pro 8
Oberfläche von DxO Optics Pro 8

Klick für große Ansicht

Insgesamt präsentiert sich der neue Arbeitsbereich aufgeräumt und verlangt vom Umsteiger auch keine längere Einarbeitungszeit. Leider wurden jedoch nicht nur Dinge verbessert. So vermisse ich eine bisher praktische Vorschau-Funktion: Durch ein Klicken auf das Bild konnte man zwischen dem Urspungsbild und den angewandten Korrekturen umschalten. Das geht so nicht mehr. Dafür ist eine eigene Schaltfläche „Vergleichen“ hinzugekommen. Das macht das ganze leider etwas umständlich. Mit der Tastenkombination STRG+D könnt ihr das zumindest mit der Tastatur umgehen und schnell zwischen den Ansichten vor und nach der Korrektur umschalten. Ich hoffe, dass dies mit einem weiteren Update wieder korrigiert wird.

Prime

Fertig entwickeltes Bild Ein Bereich, welcher den DxO Entwicklern schon immer sehr am Herzen lag, war die Unterdrückung von Bildrauschen. Dazu gab es bereits in den Vorgängerversionen zahlreiche Möglichkeiten. Neben der automatischen Rauschunterdrückung bestand auch die Möglichkeit anhand von Schiebereglern, das Farb- oder Helligkeitsrauschen individuell anzupassen. Mit der neuen Version von DxO setzt man dem nochmal etwas oben drauf: Prime. Mit Prime soll insbesondere das  High ISO Rauschen besser in den Griff zu bekommen sein. Dem liegt eine spezielle Technologie zugrunde, welche die Bildpixel analysiert. Standardmäßig ist Prime deaktiviert. Ihr könnt es aber leicht im Reiter „Rauschminderung – RAW“ aktivieren. Mit Prime entwickelte Bilder werden in der unteren Miniaturansicht mit einem „P“ markiert. Das rechte Beispielbild soll die Fähigkeiten von Prime im Vergleich zur normalen Rauschunterdrückung zeigen. Die Aufnahme entstand bei ISO 6400.

  1. Before
  2. After
Links: DxO normal / Rechts: DxO Prime

Wie ihr seht, zeigt das mit der normalen Rauschunterdrückung entwickelte Bild noch immer sichtbares Bildrauschen. Dies wird insbesondere in den dunklen Bildbereichen deutlich. Das mit Prime entwickelte Bild kann hier auftrumpfen und ist nahezu rauschfrei. In Summe wird der Bildeindruck etwas weicher, ohne dass jedoch zu viele Details verloren gehen. Gerade Details im hellen, weniger verrauschten Bildanteil werden mit Prime nicht weiter reduziert. In Summe ist Prime also eine sinnvolle Weiterentwicklung. Das hat jedoch seinen Preis. Die Entwicklung des Beispielfotos brauchte in normalen Modus lediglich 12 Sekunden. Mit Prime vervielfachte sich dieser Wert auf über 2 Minuten. Ihr solltet also genau abwägen, für welche Bilder ihr Prime benötigt.

DxO Smart Lighting

Spitzlichter wiederherstellen Die Funktion DxO Smart Lighting gehört schon seit langem zum Standard Repertoire des RAW Entwicklers. Damit lassen sich in RAW Fotos vorhandene Spitzlichter und Konturen in dunklen Bereichen wiederherstellen. Das erspart oft das Anfertigen einer Belichtungsreihe. Mit der neuen Version 9 von DxO Optics Pro verspricht der Hersteller eine verbesserte Leistung bei der Wiederherstellung von Bilddetails. Doch schauen wir selbst. Das linke Beispielbild soll dabei als Vorlage dienen. Aufgrund der vielen weißen Bildbereiche ist es bestens geeignet. Das Bild wurde leicht überbelichtet aufgenommen.

  1. Before
  2. After
Links: DxO Optics Pro 8 / Rechts: DxO Optics Pro 9

Der stark vergrößerte Bildausschnitt zeigt im direkten Vergleich, dass DxO Optics Pro 9 mehr Details zu Tage fördert als sein Vorgänger. Bisher verloren geglaubte Konturen kommen wieder zum Vorschein. Und dass bereits mit den Standardeinstellungen. Eine weitere Korrektur der Intensität der Smart Lighting Einstellungen ermöglicht eine noch größere Wiederherstellung von hellen Bildbereichen.

Visuelle Presets

Presets in der Vorschauansicht Bereits in DxO Optics Pro 8 gab es verschiedene Presets (Voreinstellungen), mit denen ihr eure Bilder einen voreingestellten Look verpassen konntet. In Version 9 wurden diese Presets nochmal erweitert. So gibt es jetzt spezielle Vorgaben für Portraits, mit denen Hauttöne und natürliche Farben bewahrt werden sollen. Doch nicht nur das: Auch für Landschaftsaufnahmen und Schwarz-Weiß Bilder finden sich jetzt eigene Presets. Zudem ist mit Atmosphäre eine Gruppe von Voreinstellungen dazugekommen, mit denen sich das Aussehen eurer Bilder weiter verfremden lässt. Stimmungen wie Dämmerung, Blauer Stunde oder auch ein alter Diafilm lassen sich damit simulieren. Praktisch ist die neue Vorschaufunktion, welche in DxO Optics Pro 9 rechts oben mit der Schaltfläche „Presets“ ausgewählt wird. Hier seht ihr in einer Palettenansicht, wie sich das jeweilige Preset auf euer Foto auswirkt.

Fazit

Mittlerweile ist Version 11 verfügbar. Im Artikel stelle ich die Neuerungen vor und verrate, ob sich ein Update lohnt.
Kaufen oder nicht? Die Frage kann mit einem klaren Jein beantwortet werden. Habt ihr noch Version 7 im Einsatz würde ich ein Update empfehlen. Auch wenn ihr besonderen Wert auf die Wiederherstellung von Bilddetails oder der Unterdrückung von High ISO Rauschen legt, ist DxO Optics Pro 9 eine sinnvolle Anschaffung. Stehen diese Funktionalitäten für euch jedoch nicht im Fokus oder ihr seid zufrieden mit Version 8, dann würde ich von einem Update zum jetzigen Zeitpunkt absehen.

Entscheidet ihr euch für einen Kauf, stehen zwei verschiedene Editionen von DxO Optics Pro zur Verfügung. Je nach Kameramodell benötigt ihr die Standard oder Elite Version. Eine Übersicht findet sich in der Tabelle auf dieser Seite. Übrigens: Besitzer der Vorgängerversion erhalten das Update zum reduzierten Preis. Dazu müsst ihr euch einfach im Kundenbereich der DxO Webseite anmelden.

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