Foto-Tour Gibraltar: Auf Entdeckungstour durch die Kronkolonie

Einleitung

Der Fels in der Brandung

Im Süden Spaniens, ganz am Ende der iberischen Halbinsel, erhebt sich Gibraltar majestetisch aus dem Meer. Die Insel mit ihrem charakteristischen Felsen, auch bekannt als The Rock, ist eine britische Enklave und damit selbständig vom Rest Spaniens. Die Meerenge der Straße von Gibraltar kennzeichnet zugleich den schmalsten Punkt zwischen den beiden Kontinenten Europa und Afrika. Die Lage der Insel, ihr außergewöhnlicher Charakter und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten machen Gibraltar zu einem lohnenden Ausflugsziel.

Die Währung auf der Insel ist das Gibraltar Pfund. Ihr könnt aber auch überall mit dem Euro zahlen. Beachtet aber, möglichst passend zu zahlen, da ihr sonst Wechselgeld in Gibraltar Pfund erhaltet. Und diese Währung hat nur auf Gibraltar Gültigkeit und kann nur dort genutzt und getauscht werden. Restgeld solltet ihr also vor Ort wieder zurücktauschen.

Im folgenden Artikel möchte ich euch die Insel aus fotografischer Sicht näherbringen und die Highlights für eine individuelle Foto-Tour vorstellen. Viel Spaß auf The Rock!

A. La Línea de la Concepción

La Línea de la Concepción ist die Stadt an der spanische Grenze zu Gibraltar. Von hier aus gelangt ihr auf die Insel. Wenn ihr mit dem Auto anreist, empfiehlt es sich unbedingt unmittelbar vor der Grenze zu parken. Denn Parkplätze sind auf Gibraltar rar gesät und ein Fahrzeug benötigt ihr auf der britischen Seite ohnehin nicht. Direkt vor dem Grenzübergang gibt es günstige Möglichkeiten den Pkw abzustellen. Dann geht es zu Fuß weiter zum Grenzübergang.

Flughafen von Gibraltar Das Passieren der Grenze ist schnell erledigt. Längere Wartezeiten gab es nicht. Zur Einreise genügt euer Personalausweis. Direkt nach dem Grenzübergang nehmt ihr am besten einen Bus der Linie 5. Dieser verkehrt alle 15 Minuten ins Stadtzentrum. Die Ticketpreise sind mit 1.80 EUR pro Erwachsenen moderat und die Fahrt zum Stadtzentrum dauert nicht länger als 5 Minuten. Ein Ganztagesticket für 2,75 EUR kann sich übrigens lohnen. Denn spätestens bei der Fahrt zum Europa Point braucht ihr wieder einen Bus.

Während der Fahrt mit dem Bus empfiehlt sich ein Blick aus dem Fenster. Denn die Straße führt euch direkt über die Landebahn des Flughafens von Gibraltar. Es ist der weltweit einzige Flughafen, den eine vierspurige Straße kreuzt. So einen Anblick hat man nicht alle Tage!

B. American War Memorial

Mahnmal auf Gibraltar Bevor ihr euch in das Getümmel der Stadt stürzt, empfehle ich einen Abstecher zum American War Memorial. Es befindet sich an der Line Wall Road und ist von der Busstation innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreichbar. Das Mahnmal wurde 1933 in die alte Stadtmauer eingebaut und erinnert an die erfolgreiche Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien während des 1. Weltkriegs.

Im Jahr 1998 wurde das Mahnmal um eine weitere Plakette erweitert, welche an die gemeinsame Invasion Nord Afrikas durch Amerikaner und Briten während des 2. Weltkriegs erinnert. Charakteristisches Kennzeichen des American War Memorial sind die zwei Bronzesiegel über dem Bogen, welche im abendlichen Licht im goldigen Glanz erstrahlen.

C. Main Street

Hauptstraße auf Gibraltar Die Main Street schlängelt sich durch das Herz von Gibraltar. Hier spielt sich ein Großteil des städtischen Lebens ab. Einheimische und insbesondere Touristen schieben sich durch die Straße, immer auf der Suche nach dem nächsten zollfreien Schnäppchen. Neben den Geschäften finden sich hier auch zahlreiche Restaurants. Allerdings solltet ihr keine allzu hohen kulinarischen Ansprüche an die lokale Gastronomie stellen. Musiker und andere Künstler bevölkern ebenfalls die Straße und untermalen das bunte Treiben. Es lohnt sich ab und an die Main Street zu verlassen und einen Abstecher rechts oder links der Hauptstraße zu machen. So finden sich beispielsweise die Cathedral of the Holy Trinity oder das Gibraltar Museum in unmittelbarer Nähe.

D. John Mackintosh Square

John Mackintosh Square Wenn ihr der Main Street weiter folgt, gelangt ihr nach kurzer Zeit zum John Mackintosh Square – einem weitläufigen Platz, der das politische Zentrum von Gibraltar bildet. Hier finden sich gleich zwei interessante fotografische Highlights: das altehrwürdige Rathaus und das Parlament von Gibraltar. Hier könnt ihr euch etwas Zeit lassen und falls ihr ein Stativ dabei habt, in Ruhe eure Aufnahmen machen. Falls zu viele Menschen auf dem Platz sein sollten, verrate ich euch in diesem Tutorial einen Trick, wie ihr den Platz trotzdem menschenleer bekommt.

Das Rathaus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. So diente es früher als Hotel, bevor es zum Sitz des Bürgermeisters wurde. Das Parlamentshaus ist Sitz der 17 Mitglieder des Parlaments von Gibraltar. Unverkennbar ist der koloniale Stil des in 1817 errichteten Gebäudes. Dabei diente es nicht von Beginn an einer politischen Funktion. Ursprünglich beherbergte das jetzige Parlament eine Bibliothek.

E. Governor House

Wachwechsel vor dem Convent Weiter die Main Street runter erreicht ihr das Governor’s House, auch bekannt als The Convent. Das Gebäude wurde bereits 1531 erbaut und ist seit 1728 Sitz des Gouverneurs von Gibraltar. Ursprünglich diente das Convent für die lokalen Franziskaner-Mönche als Kloster. Die zahlreichen viktorianischen Elemente an der Fassade verleihen ihm seinen einzigartigen Charme. Gleich gegenüber dem Convent befindet sich der Guard Room – das Haus der Militärwache. Vor dem Convent trifft man des öfteren die Militärwache an. Mit etwas Glück könnt ihr auch einen Wachwechsel fotografieren, den es hier zu bestaunen gibt. Dann lohnt es sich die Kamera griffbereit zu haben, wenn die Wachen vom Convent zum Guard Room und zurück gehen.

F. Säulen des Herakles

Blick von den Säulen des Herakles Nachdem ihr die Main Street ausgiebig erkundet habt, lohnt sich eine Tour auf den Felsen von Gibraltar. Vorher empfehle ich euch noch eine Kleinigkeit auf der Main Street zu essen, damit ihr die Fahrt auf den Rock ohne knurrenden Magen übersteht. Die Tour könnt ihr sowohl mit der Seilbahn, einem Taxi als auch einem kleinen Bus machen. Mein Favorit ist der Minibus, wo ihr mit maximal 8 Leuten zusammen seid. Die Busse fahren an verschiedenen Punkten entlang der Main Street, der Grenze oder dem Hafen ab. Die Standard Tour dauert ca. 1,5 Stunden und umfasst die Säulen des Herakles, die St. Michael’s Cave, einen Stopp bei den Affen und die Great Siege Tunnels. Im Preis von ca. 16 Gibraltar Pfund (ca. 19 EUR) ist der Eintritt zu diesen Sehenswürdigkeiten bereits enthalten. Habt ihr mehr Zeit, könnt ihr auch die Extended Tour machen, welche 2,5 – 3 Stunden dauert und beispielsweise eine Besichtigung des Moorish Castle umfasst.

Aussichtspunkt und Monument Sitzt ihr im Bus, kann es losgehen. Die schmale Straße windet sich in engen Schleifen den Felsen hinauf und lässt oft kaum Platz für ein Auto. Die einheimischen Fahrer sind versiert und nehmen mit den kleinen Bussen auch schwierige Stellen gekonnt. Je höher ihr kommt, umso beeindruckender wird der Blick auf Gibraltar und das Meer. Der erste Halt ist das Monument der Säulen des Herakles. Als Säulen des Herakles wurden im Altertum die zwei Berge bezeichnet, welche die Straße von Gibraltar einfassen. Im Süden der iberischen Halbinsel ist das der Felsen von Gibraltar und auf der nordafrikanischen Seite der Berg Dschebel Musa in Marokko.

G. Saint Michael’s Cave

Tropfsteinhöhle auf Gibraltar Der nächste Stopp ist die Saint Michael’s Cave – ein beeindruckendes Höhlensystem im Bereich des Upper Rock, welches 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Mehr als 150 Höhlen finden sich im Felsen von Gibraltar und diese hier zählt zu den Publikummagneten. In der Tropfsteinhöhle könnt ihr zahlreiche Stalagmiten und Stalaktiten bestaunen, welche im Licht der Lampen geheimnisvoll erstrahlen. Die Höhle wird aufgrund ihrer Akustik auch des öfteren für Konzerte genutzt. Aufgrund der spärlichen Beleuchtung solltet ihr möglichst ein Stativ und Langzeitbelichtung bei niedrigen ISO-Werten verwenden. Alternativ geht auch ein Blitzlicht, welches dann aber nicht direkt auf die angeleuchteten Felsformationen gerichtet sein sollte. Auf diese Weise bewahrt ihr die Lichtstimmung und vermeidet flache Strukturen, die durch frontales Blitzen entstehen würden.

Affenfelsen Habt ihr die Höhle verlassen und erblickt wieder das Tageslicht, gehts weiter mit dem Tourbus zum nächsten Zwischenhalt: das Affenlager. Es befindet sich auf dem Kamm zwischen Saint Michael’s Cave und den Great Siege Tunnels. Die Affen sind neugierig und haben keine Scheu vor den Menschen. Es kann auch schonmal vorkommen, dass euch ein Affe etwas aus eurer Jacken- oder Hosentasche klauen möchte. Also mein Rat an dieser Stelle: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, solltet ihr besser gut im Griff behalten oder gleich im Bus lassen. Davon abgesehen, bietet sich hier die Gelegenheit, ein paar wirklich schöne Bilder der Affen zu machen. Gut geeignet ist dafür zum Beispiel das Canon L-Objektiv EF 70-200mm IS II USM mit einer Lichtstärke von f4 oder f2.8. Auch die beinah senkrecht abfallende Bergflanke in Richtung Osten ist ein fantastisches Motiv.

H. Great Siege Tunnels

Große Belagerung von Gibraltar Am Ende der abwechslungsreichen Rock Tour erwartet euch ein von Menschenhand angelegtes Tunnelsystem. Die Great Siege Tunnels wurden im Verlauf der großen spanischen Belagerung von Gibraltar zwischen den Jahren 1779 bis 1783 von den Briten angelegt. Sie dienten als Unterschlupf und zugleich als Verteidigung vor den spanischen Stellungen. Vor dem Eingang zu den Tunneln liegt eine Aussichtsplattform, welche einen einzigartigen Blick auf Gibraltar mit Flughafen und die spanische Grenzstadt La Línea de la Concepción bietet. Hier ist der perfekte Punkt für eine schöne Panoramaaufnahme!

In dem weit verzweigten Tunnelsystem könnt ihr die Geschichte der Belagerung nachvollziehen und erhaltet einen Eindruck davon, wie schwierig nicht nur die Verteidigung von Gibraltar, sondern auch das Anlegen der Tunnel gewesen sein muss. Zudem gibt es zahlreiche große Kanonen zu bestaunen – ein lohnenswertes Fotomotiv. Nach Besichtigung des Tunnelsystems gehts zurück zur Main Street, dem Ausgangspunkt der Tour.

I. Europa Point

Moschee am Europa Point Zum Abschluss eurer fotografischen Reise durch Gibraltar empfehle ich einen kleinen Abstecher zum Europa Point am südlichen Ende von Gibraltar. Dazu nehmt ihr am besten einen Bus. Die Linie 2 bringt euch direkt zum Ziel und auch wieder zurück. Die Fahrt dauert knapp 15 Minuten vom Stadtzentrum. Einmal angekommen, fällt einem sofort die mächtige Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee ins Auge. Sie ist ein Geschenk des Königs von Saudi-Arabien. Das strahlend weiße Gotteshaus ist nicht nur die südlichste Moschee in Europa, sondern gleichzeitig eine der größten Moscheen, die in einem nicht-muslimischen Land errichtet wurde.

Am Europa Point Weiter geht es zu Fuß zum Europa Point Leuchtturm, der das südliche Ende der Landzunge markiert und von drei Seiten vom Meer eingefasst wird. Bisweilen kann es stürmisch werden. Von hier habt ihr einen weiten Blick auf die Straße von Gibraltar.

Bei gutem Wetter könnt ihr sogar die nördlichen Berge von Afrika erkennen. Der Kontinent ist nur knapp 25 Kilometer entfernt – ein Katzensprung.

Habt ihr euch sattgesehen, kann es mit dem Bus der Linie 2 zurück ins Stadtzentrum gehen und von dort ebenfalls mit dem Bus wieder zur spanischen Grenze. Alternativ könnt ihr vom Europa Point auch direkt die Linie 3 zur Grenze nehmen.

Ich hoffe, euch hat die Foto-Tour durch Gibraltar gefallen. Viel Spaß beim Erkunden!

Tourplan

Um euch die Orientierung zu erleichtern und die Route besser zu planen, habe ich hier den Tourplan zusammengestellt – beginnend auf der spanischen Seite bis hin zum Europa Point. Sämtliche Sehenswürdigkeiten sind dabei in der Reihenfolge aufgelistet, in der sie in diesem Artikel vorgestellt worden sind.

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6 Kommentare

  1. Hallo Andreas,

    super Artikel und super Bilder, DANKE!

    Eine Frage: Wo fahren die Minibusse ab und wie erkenne ich diese? Hast Du davon eventuell ein Bild oder einen Link zu einem Bild?

    Vielen Dank
    Rüdiger

  2. Bin durch zufall auf deine fotoreportage gestossen sehr schöne bilder.Danke
    Wir möchten dies Jahr mit unserem Sohn Gibraltar besuchen, da wir aber in den Ferien fahren müssen wird es zu heiss sein alles zu fuss zu machen.
    Uns gefiel die idee mit den bussen aber wenn Du uns sagen könntest wo wir das auto abstellen könnten und mit welchem bus wir z.b zum upper rock und zur st. Michels cave fahren könnten.
    Die geführten touren sind uns mit den kindern zu kostspielieg und mit dem Auto oder auch die preise sind heftig hast Du vielleicht eine kostengünstige idee für uns vielen Dank, und mein Mann sagt auch gerade sehr schöne Fotos

    • Schön, dass euch die Bilder gefallen. Das Auto könnt ihr direkt vor der Grenze auf spanischer Seite abstellen. Dort befindet sich ein großer Parkplatz. Die normalen Busse fahren nicht auf den Upper Rock, nur die Minibusse oder Taxen. Eine Möglichkeit ist noch die Seilbahn (Cable Car). Sie befördert Erwachsene für ca. 15 EUR hin und zurück. Von der Bergstation sind es etwa 800m zu Fuss bis zur St. Michaels Cave. Allerdings benötigt ihr ein Nature Reserve Ticket zur Besichtigung des Upper Rock Bereiches mit seinen Sehenswürdigkeiten. Das kann gemeinsam mit dem Seilbahnticket dann für insgesamt ca. 29 EUR erworben werden (hin und zurück + St. Michaels Cave und weitere Sehenswürdigkeiten). Weitere Infos gibts hier: http://www.gibraltarinfo.gi/gibraltar-tickets.aspx

      Grüße,
      Andreas

      • Halloo
        Vielen Dank für Ihre Antwort, Konnte mich noch nicht eher melden alle krank.
        Also gibt es nur die möglichkeit dies combi ticket zu buchen, mit der Seilbahn oder gibt es eine kosten günstigere mit dem Minibus?
        Das eigene Auto ist glaube ich nicht so toll, und muss man denn auf jeden fall noch das nature reservate ticket haben?
        Wir möchten eigentlich nur so günstig wie möglich zum Affenfelsen und zum europa point, die st. Michaels cave machen wir nicht da wir uns auf jeden fall die in Nerja ansehen( nicht weit vom Haus).
        Wir kennen uns da leider gar nicht aus, mein Onkel hat dort ein Ferienhaus und wir fahren das erste mal, er hat es mit einem Reisebüro pauschal gemacht aber ich finde es zu unflexibel und noch teurer, günstiger wäre schon schön, vielen dank.
        Gruss, Iris

        • Hallo Iris,

          eigenen PKW solltet ihr nicht nutzen. Ggf. ist der Minibus günstiger für euch. Das solltet ihr dann am besten vor Ort verhandeln, insbesondere wenn ihr die Höhle nicht besucht. Das Nature Reservate Ticket ist nötig, um den Felsen zu betreten im oberen Bereich. Bei den Minibussen ist das im Preis inklusive.

          Grüße,
          Andreas

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