Im Interview: Fotokünstler Stefan Dokoupil

Exklusiv bei fotobeam im Gespräch: Fotograf Stefan Dokoupil aus Österreich

Hairdressing Award Kreativität und Mut zum Außergewöhnlichen – so könnte man Fotokünstler Stefan Dokoupil beschreiben. Seine Bilder sind emotional und abseits des Normalen. Das hat ihm schon zahlreiche Preise eingebracht und ihn über die Landesgrenzen hinweg bekannt gemacht. Er fotografiert u.a. für L’Oreal und Schwarzkopf.

Im exklusiven Interview mit fotobeam spricht der Staatsmeister der Fotografie über die Entstehung seiner Bilder, Skandale rund um Mozart und die Balance zwischen emotionaler und technischer Herangehensweise.

Erzähl uns doch zur Einstimmung etwas über dich. Woher stammst du?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Amstetten (bekannt durch den Fall Fritzl). Ich machte ab 1985 eine Lehre zum Maler und Anstreicher. 1988 zog ich nach Wien, dort arbeitete ich als Schaufensterdekorateur und studierte Musik (Jazzgitarre).

Stefan

Was inspiriert dich am meisten im Leben?

Meine Inspiration hole ich mir aus dem Leben selbst. Oberflächlichkeit ist mir zuwider und dem versuche ich auszuweichen.

Stefan

Ursprünglich warst du als Kameramann für Film & TV tätig. Wie kam der Wechsel zur Fotografie?

Ich begann 1998 mit der Ausbildung als Kamera-Assistent in München. Nach 2 Jahren wechselte ich auf die Kamera. Es gibt da einen alten Spruch. Ein guter Assistent bleibt lebenslang ein Assistent und ich war ein echt schlechter Assistent. Darum der frühe Wechsel auf die Kamera. Ich drehte für viele Sender wie, RTL, SAT1, ZDF, ORF usw. Im Laufe der Zeit kam ich auf 2.700 gedrehte Fernsehbeiträge.

Zum Wechsel kam es, weil in der Fernsehbranche die Qualität immer mehr runter ging, und auch die Gagen! 2006 begann ich mich mit Fotografie zu beschäftigen und 2008 hatte ich meine erste Ausstellung in Salzburg (die 7 Todsünden). Für mich der richtige Schritt und ich möchte nicht mehr zurückwechseln.

Stefan

Gehst du ein Bild eher aus einer technischen oder emotionalen Perspektive an?

Karo Ich glaube, dass es wichtig ist die Technik zu beherrschen. Wenn das sitzt, sollte man emotional an die Sache herangehen! Du machst dann technisch alles von selbst.

Gute Bilder, die technisch aufgebaut sind, wirken einfach langweilig.

Stefan

Du bist Staatsmeister der künstlerischen Fotografie. Erklär doch bitte unseren deutschen Lesern was sich dahinter verbirgt.

Da gibt es nicht viel zu erklären, es läuft so wie in Deutschland (dort gibt es ja den selben Wettbewerb). Man reicht in 3 Sparten (color, schwarz-weiss und digital) jeweils 4 Bilder ein, die dann bewertet werden. Der mit den meisten Punkten gewinnt. Es ist ein offizieller Titel, da der Wettbewerb vom Bildungsministerium getragen wird.

Stefan

Du hast einen beeindruckenden Kalender mit Gewinnerbildern des Hairdessing Awards gestaltet. Woher nimmst du die Ideen für diese Bilder: kreative Eingebung, stundenlange Planung?

Beides. Ich habe meistens eine Idee und versuche diese dann auf das Thema umzulegen. Die Vorbereitung bedarf tagelangen Einsatz und ist ohne ein Team fast nicht zu schaffen!

Stefan

Mit dem Mozartprojekt hast du eine ganz eigene, kontroverse Sicht auf Mozart verwirklicht. Heute.at titelte „Skandalbild!“ Wie waren die Reaktionen, insbesondere der Menschen in Salzburg, auf deine Bilder?

Mozart Fotoserie Ach, dieses Bild (Anm. d. Red. Skandal bei heute.at) polarisiert einfach: Entweder die Leute lieben oder hassen es. Dazwischen gibt es nichts. Ich wurde beschimpft und bedroht. Was die Leute aber nicht verstanden haben, umsomehr sie schimpfen, umsomehr Werbung ist es für mich. Dieses Bild wurde in jeder großen österreichischen Tageszeitung veröffentlicht. Versuch dass mal mit einem schönem „normalen“ Bild!

Stefan

Du beschäftigst dich ausgiebig mit digitaler Bildbearbeitung. Wieviel Photoshop steckt in deinen Bildern und wieviel ist überhaupt notwendig?

Meine ehrliche Meinung: Photoshop ist sehr wichtig, aber: Der ganze Hype um die Bildbearbeitung wird mir zuviel. Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger, Fotografie als solches zu verstehen und auch umzusetzen! Die Hairdressing Award Bilder beispielsweise: Da wurde das Set gebaut! Klar ist da Photoshop drin, aber weniger als man denken mag. Das Mozartbild dauerte 15 Minuten im Photoshop, nicht mehr!

Stefan

Vor kurzem hast du die „C more Akademie“, die u.a. die Fotoworkshop-Szene in Österreich reformieren soll, mit auf den Weg gebracht. Warum ist dir das Thema ein Anliegen? Gibt es nicht schon genug Workshop-Angebote am Markt?

Die CMORE Akademie wird ab Herbst starten. Der Unterschied zu anderen Workshops liegt zum einem in aufbauenden Kursen und zum anderen kann man sich die Kosten der Kurse bis zu 80% vom Staat fördern lassen.

Stefan

Welcher Bereich fordert dich als Fotograf am meisten und warum?

Ruth Hurts für Penthouse fotografiert Werbefotografie!

Ich liebe es und es fordert mich auch richtig! Perfekt, eine Idee auf die Spur zu bringen.

Es ist einfach unglaublich spannend wie ein Krimi!

Stefan

Was würdest du einem angehenden Fotografen raten, um seinen Traum zu erfüllen?

Kommt darauf an welchen Traum er hat. Fakt ist, dass Fotografie ein verdammt hartes Gewerbe ist und man sich nur durchsetzen kann, wenn man anders ist! Calvin Hollywood ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Wie der Junge das macht, ist einfach nur faszinierend. Er hat meinen größten Respekt!

Wichtig ist auch sein Talent zu erkennen, denn nicht jeder der glaubt Talent zu besitzen, hat es auch!

Stefan

Beschreibe unseren Lesern bitte deinen Workflow in der fotografischen Nachbearbeitung.

Be real Zuerst fotografiere ich immer in RAW. Ich mache am Set immer sehr wenige Bilder. Wenn ich für mich mein perfektes Bild habe, breche ich das Shooting ab! Dann läuft das Bild über den RAW Converter als Smart Objekt. Im Photoshop selbst verwende ich auch oft den NIK Filter weil er sehr gute Ergebnisse liefert, die ich mit meinem eigenen Workflow oft kombiniere.

Stefan

Kannst du uns etwas zu anstehenden Projekten verraten?

Ich arbeite gerade an der neuen Frisuren Collection von Top-Friseur Christian Sturmayr und seinem Vater Fred Sturmayr. Ein tolles Projekt, aber auch verdammt viel Arbeit! Dann kommt im April wieder der Hairdressing Award, den ich mit Starfriseur Alex Lepschi gemeinsam machen werde. Mit ihm habe ich ja die vergangenen 2 Jahre gewonnen.

Was sehr spannend ist: Ich werde heuer noch in der Ukraine, in der 30 Kilometer Sperrzone von Tschernobyl, ein größeres Projekt starten. Darauf freue ich mich besonders!

Stefan

Vielen Dank!

fotobeam

 

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