Stirbt der klassische Beruf des Fotografen aus?

Ein Markt im Umbruch

zwei Kameras Immer mehr Menschen begeistern sich für das Thema Fotografie. Und es sind nicht mehr nur kleine Kompaktkameras mit minderer Bildqualität, die zum Einsatz kommen. Auf meinen Foto-Touren sehe ich immer öfter Menschen, die verstärkt auf höherwertige Geräte setzen. So sind die Einstiegsmodelle der Kamerahersteller im Spiegelreflexbereich häufig anzutreffen. Das zeigt sich auch an den Marktzahlen laut einer Erhebung der Cipa, dem Interessenverband der japanischen Fotoindustrie: Während in Q1 2012 noch weltweit 21 Millionen Kompaktkameras verkauft wurden, waren es in Q1 2013 nur noch 11 Millionen. Dafür legte der Markt der System- und Spiegelreflexkameras im gleichen Zeitraum zu. So war bei Spiegelreflexkameras ein Anstieg um 23% und bei Systemkameras sogar um 42% zu beobachten (Quelle: heise.de).

Führt man sich diese Zahlen vor Augen, ist es wenig verwunderlich, wenn man immer mehr Privatanwender mit besserer Technik sieht. Und dass sich dieser Trend fortsetzt, ist so gut wie sicher. Denn die Kameratechnik entwickelt sich weiter und eröffnet auch für den Anfänger spannende kreative Möglichkeiten.

Bedrohung oder Chance?

Im Ergebnis explodiert die Anzahl Bilder, die täglich gemacht werden. Laut einer Studie von Samsung machen die Deutschen jeden Monat über 3 Milliarden Fotos, wovon 20 Millionen Bilder täglich ins Internet gestellt werden. Auch wenn hier viele Schnappschüsse dabei sind, ist doch die schiere Zahl der Bilder beeindruckend und spiegelt die Fotoleidenschaft der Menschen wieder.

Dabei geht es jedoch nicht nur um Schnappschüsse. Viele Foto-Amateure eignen sich ihr Wissen fortlaufend an und stoßen plötzlich in das Metier etablierter Fotografen vor. Einen maßgeblichen Anteil hat dabei sicherlich die Microstock-Fotografie. Sie hat fotografisches Neuland für Amateure erschlossen und diesen plötzlich eine Einnahmequelle für ihre Bilder eröffnet. Das hat klassische Bildagenturen unter Druck gesetzt. Den Kunden der Bildagenturen, also Unternehmen die Bilder kaufen, kam diese Entwicklung letztlich zu Gute. Denn jetzt konnten sie Bilder zu einem kleinen Preis für Kampagnen, Webseiten oder Mailings kaufen. fotolia hat das als Marktführer für sich als Chance begriffen und befindet sich seitdem auf Wachstumskurs. Und auch für Foto-Profis kann dieser Vertriebsweg eine interessante Ergänzung sein.

Mehr zum Thema Microstock Fotografie erfahrt ihr in meinem Gastartikel auf der Webseite von Sascha Basmer.
Doch hat diese Entwicklung auch eine Schattenseite: Im Bekanntenkreis konnte ich auch schon beobachten, wie ein Fotograf schließen musste, da der Preisdruck durch die Kunden stieg. Aussagen wie „Kannst Du mir die Bilder geben, ich bearbeite selber nach.“ oder „Das ist mir zu teuer. Bei XY bekomme ich es zum halben Preis.“ lassen irgendwann Zweifel am eigenen Berufsbild aufkommen. Dieser Trend macht im Übrigen auch vor wirklich wichtigen Ereignissen im Leben nicht halt: Plötzlich wird die Hochzeit vom netten Verwandten mit der guten Kamera fotografiert. Doch was ist, wenn derjenige dem Thema nicht gewachsen ist? Dieser einzigartige Moment ist definitiv dahin. Solche Entscheidungen sollten also gut bedacht sein. Nicht immer kommt es darauf an, nur Geld zu sparen. Denn in wieviel Euro möchtet ihr Erinnerungen aufwiegen?

Professionalität macht den Unterschied

Am Ende des Tages entscheidet die Qualität des Bildes. Da nützt auch die beste Kamera mit dem besten Objektiv nichts, wenn das nötige Hintergrundwissen fehlt. Und mehr noch: Ich behaupte, dass neben Wissen noch ein weiterer entscheidender Aspekt eine Rolle spielt – ein Gespür für das Motiv und alles was damit zusammenhängt. Also Bildgestaltung, Ausdruck, Licht etc. Diese Punkte in Kombination mit dem technischen Wissen unterscheiden den Amateur vom Profi und unterscheiden am Ende ein gutes von einem weniger guten Bild. Eine geeignete Ausrüstung ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i – sei es die Kamera, das Objektiv oder auch die richtige Lichtführung durch Blitze und Softboxen & Co.

Für den Foto-Laien kann es ebenso sinnhaft sein, vom Profi zu lernen. Foto-Schulen oder selbständige Fotografen bieten oft Workshops an, um sich weiterzuentwickeln. Davon profitieren letztlich beide Seiten. Der Fotograf als Anbieter solcher Kurse und der Amateur, der seinen Horizont erweitert. Am Ende des Tages geht es nicht um Konkurrenz beider Seiten, sondern eine Win-Win-Situation.

Innovation statt Imitation

Innovation Im Web 2.0 Zeitalter bieten sich dem geneigten Fotografen aber weitaus breitere Möglichkeiten sich zu positionieren. Neben der reinen fotografischen Arbeit kann es also interessant sein, sich als Know-how Träger in einem bestimmten Bereich zu etablieren. Sei es Portraitfotografie, Produktfotografie oder auch Bildbearbeitung. Die Möglichkeit eine bestimmte Nische zu besetzen und dort mit Wissen und Qualität zu glänzen, kann ein entscheidender Punkt sein. Durch die leistungsfähigen Video-Funktionen moderner Spiegelreflexkameras ist zudem die Beschäftigung mit dem Thema Film ein reizvolles Gebiet. Dieser Markt wird in Zukunft sicher wachsen und bietet Ansatzpunkte neue Kundenkreise zu erschließen.

Und auch dank sozialer Netzwerke eröffnen sich interessante Wege, das eigene Angebot zu präsentieren oder auszuweiten. Wie wäre es beispielsweise mit einem regelmäßigen Online Webinar via Google Hangout zu spannenden Themen? Oder ein Blog, der fotografische Inhalte aufgreift? Vielleicht könnte auch ein Youtube Kanal mit Video Anleitungen interessant sein? Die Gelegenheiten sich über Facebook, Twitter, Xing & Co. zu vernetzen sind vielfältig. Und nicht selten ergeben sich daraus Chancen zur Vermarktung des eigenen Angebotes. Allerdings möchte ich noch ergänzen, dass soziale Netzwerke keine Vermarktungsstrategie ersetzen können, sondern bestenfalls unterstützen.

Fazit

Die Welt verändert sich. Mal wieder. Kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. So wie Foto-Amateure neue Chancen für sich entdecken, kann auch der Profi von der Entwicklung profitieren. Letztlich kommt es darauf an, sich von der Masse abzuheben. Der Preis war dabei schon oft das schlechteste aller Argumente. Denn begebt ihr euch einmal in die Preisspirale, ist ein Rauskommen nahezu ausgeschlossen. Gefragt ist also ein Angebot, dass sich vom fotografischen Einerlei unterscheidet. Sei es im Portfolio selbst oder dessen Vermarktung. Derweil halte ich es mit dem Zitat von Terence Conran: „Die Leute wissen nicht, was sie wollen, bis man es ihnen anbietet.“. Also macht den Kunden ein interessantes Angebot!

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