So gelingen perfekte Nachtaufnahmen

Einleitung

Sei es eine beleuchtete Skyline oder die Spuren von vorüberfahrenden Fahrzeugen – Fotografien bei Dämmerung, am Abend oder in der Nacht versprühen ihren ganz eigenen Charme. Dabei sollten jedoch einige Punkte beachtet werden, damit die Aufnahme gelingt. Und wie so oft hängt alles von der richtigen Vorbereitung ab. Denn nachts gilt es einige Besonderheiten zu beachten, damit ihr verwacklungsfreie und möglichst rauscharme Bilder erhaltet. In diesem kleinen Ratgeber verrate ich euch meine Tipps für gute Nachtaufnahmen.

Die Ausrüstung

Stativ

stabile Stativ-Kombi Ein paar grundlegende Dinge solltet ihr unbedingt dabei haben. Fangen wir mit dem Wichtigsten an: dem Stativ. Ohne ein Stativ habt ihr nahezu keine Chance auf ein gutes Bild. Denn erst ein stabiles Stativ ermöglicht die Aufnahme von Bildern ohne störende Verwacklungen. Natürlich könnt ihr die Kamera auch irgendwo ablegen, aber das schränkt die fotografischen Möglichkeiten stark ein. Eine gute Kombination aus Kugelkopf und Stativ verbessert den kreativen Spielraum.

Achtet darauf, dass der Kugelkopf eine möglichst gute Feststellung hat. Das verhindert, dass er beim Festziehen nochmals nachsackt. Ein zusätzlicher Lasthaken kann zur weiteren Stabilisierung sinnvoll sein. Somit könnt ihr beispielsweise eure Fototasche am Stativ einhängen und damit die Standfestigkeit, z.B. bei Wind, erhöhen.

Fernauslöser

universeller Kabelfernauslöser Wenn es noch nicht zu dunkel ist, kommt ihr normalerweise mit den in der Kamera einstellbaren Belichtungszeiten aus. Dazu wechselt ihr in den Modus Langzeitbelichtung (oft als Bulp gekennzeichnet) und wählt zum Beispiel eine Belichtungszeit von 20 Sekunden aus. Zusätzlich ist es sinnvoll den Selbstauslöser mit einer Verzögerung von 2 oder 10 Sekunden zu aktivieren. Mit dem Selbstauslösemodus verhindert ihr Verwacklungen durch die Bedienung der Kamera. Solltet ihr eure Aufnahme jedoch zu fortgeschrittener Stunde durchführen wollen, reichen die Einstellungen zur Langzeitbelichtung an der Kamera möglicherweise nicht aus. Denn diese erlauben oft nur eine Einstellung bis zu 30 Sekunden.

Jetzt schlägt die Stunde des Fernauslösers. Mit einem Fernauslöser bzw. Kabelauslöser besteht diese Begrenzung nicht. Hier kann die Belichtungszeit beliebig lang gewählt werden – sei es 35 Sekunden oder 5 Minuten. Meine Empfehlung ist der Phottix Nikos Timer Fernauslöser. Das Gerät ist universell einsetzbar, da es sich mit unterschiedlichen Kabeladaptern an verschiedene Kameramodelle anschließen lässt. Zusätzlich eröffnet er noch weitere kreative Möglichkeiten, wie Intervallaufnahmen, und bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Okularabdeckung

Streulicht vermeiden Streulicht kann eine Belichtungsmessung beeinflussen. Das ist besonders kritisch, wenn man nicht im manuellen Modus fotografiert. Dann kann einfallendes Licht durch den Sucher eurer Kamera das finale Bildergebnis beeinflussen.

Um das zu vermeiden, solltet ihr eine Okularabdeckung benutzen. Bei höherwertigen Kameras findet sich meist eine gummierte Abdeckung am Kameragurt, welche auf den Sucher gesteckt wird und diesen vor Streulicht schützt. Bei der Nutzung des Live View Modus ist die Verwendung einer Okularabdeckung nicht notwendig.

Die Aufnahme

Nachtaufnahme auf Vancouver Island Nachdem wir das notwendige Equipment zusammen haben, kann es losgehen. Also: Kamera auf das Stativ und den Kabelauslöser mit der Kamera verbinden. Nachts empfiehlt sich außerdem die Nutzung des Live View Modus. Denn Änderungen an der Belichtungszeit etc. werden sofort in der Vorschau auf dem LCD-Bildschirm eurer Kamera sichtbar. Damit lässt sich die gewünschte Einstellung schnell finden und den eigenen Wünschen anpassen. Außerdem wird das Fokussieren erleichtert. Denn in der Dunkelheit, hat der Autofokus aufgrund mangelnder Kontrastunterschiede oft Probleme richtig scharfzustellen. Im Live View Modus könnt ihr mit der Zoom-Funktion euer Motiv auf dem Bildschirm vergrößern und dann manuell fokussieren. Damit seid ihr auf der sicheren Seite.

Übrigens: Falls euer Objektiv oder Kamera einen Bildstabilisator hat, schaltet ihn ab. Normalerweise versucht ein Stabilisator mögliche Verwacklungen zu kompensieren. Auf dem Stativ ist das jedoch ausgeschlossen und der Stabilisator kann beim Versuch diese Verwacklungen zu erkennen, selber zum Auslöser von Verwacklungen werden.

Wählt an der Kamera zunächst den Modus für die Langzeitbelichtung (Bulb). Dann stellt einen niedrigen ISO-Wert von beispielsweise ISO 100 ein. Damit ist sichergestellt, dass Bildrauschen nicht die Aufnahme stört. Als Blende empfiehlt sich für Nachtaufnahmen ein Wert zwischen 8 und 11. Hier könnt ihr auch experimentieren. Denn je kleiner die Blende, umso eher werden Lichtquellen sternenförmig in der finalen Aufnahme dargestellt. Den Weißabgleich könnt ihr zunächst auf automatisch belassen. Nur wenn viele unterschiedliche Lichtquellen im Bild sind, kann eine Anpassung Sinn machen. Manchmal können Nachtaufnahmen auch einen zu warmen Farbton aufweisen. Das kann bei Verwendung des RAW-Formats auch im Nachhinein angepasst werden.

Leuchtspuren Durch die Vorschauansicht im Live View Modus könnt ihr die Einstellung der Belichtungszeit direkt in der Vorschau ausprobieren. So seht ihr sofort wie sich eine kürzere oder längere Belichtungszeit auf die finale Aufnahme auswirkt. Achtet gegebenenfalls darauf, dass nicht eine einzige Lichtquelle das Bild dominiert. Dann kann es schnell zu überstrahlenden Bereichen im Bild kommen. Das ist übrigens ein generelles Problem: Der Kontrast- bzw. Dynamikumfang von ganz hell (Lampen) zu ganz dunkel führt auch moderne Kameras an ihre Grenzen. Dann „saufen“ manche Bildbereiche in Schwarz ab, während andere überstrahlen und keine Konturen mehr erkennen lassen. In diesen Situationen empfehle ich eine Belichtungsreihe durchzuführen und die entstehenden Bilder in der anschließenden Nachbearbeitung zu einem einzigen Bild zu kombinieren (Stichwort: HDR).

Wenn ihr eine längere nächtliche Fototour macht, solltet ihr zwischendurch den Live View Modus abschalten. Denn der permanente Betrieb kann zu einer Erwärmung mit verstärktem Bildrauschen führen.

Wie ihr an den Beispielbildern seht, gibt es vielfältige Möglichkeiten eine nächtliche Szenerie einzufangen – beginnend bei „statischen“ Motiven, wie dem Panorama einer Stadtansicht, bis hin zu dynamischen Szenen mit sich bewegenden Objekten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Fazit

Habt ihr die richtige Ausrüstung dabei und beherzigt ein paar grundlegende Tipps, dann steht einer gut gemachten Nachtaufnahme nichts mehr im Weg. Gerade am Anfang sollte ihr euch ausprobieren, um Erfahrungen zu sammeln. Denn manchmal haben schon kleine Änderungen große Auswirkungen. So solltet ihr beispielsweise auf Reflexionen achten. Diese sind meist nicht in der Live View Vorschau sichtbar, treten aber im finalen Bild als Lichtflecke in Erscheinung. Schon eine kleine Änderung an der Positionierung eurer Kamera beugt dem vor. Und jetzt viel Erfolg bei eurer nächtlichen Fototour!

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3 Kommentare

  1. Hallo, danke für die guten Tipps. Ich finde du hast den Artikel sehr interessant geschrieben und alles was wichtig ist berücksichtigt.. Ich gebe in Hamburg Fotokurse und mache Fototouren durch die Hamburger Speicherstadt auch Nachttouren. Die Hamburger Speicherstadt mit ihren vielen Lichtern ist ein tolles Ziel für Fotografen die Nachtaufnahmen machen möchten.
    Gruß Sven

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