Sensorreinigung: Viele Wege führen zum Ziel

Gastartikel: Geschrieben von Fabian Wüst

Einleitung

Leicht kann es passieren, dass beim Objektivwechsel Staub auf den Sensor kommt. Das hört sich zunächst nicht besonders dramatisch an, führt aber unweigerlich zu Flecken in euren Fotos. Diese Flecken fallen gerade bei sehr kleinen Blenden, wie z.B. f/16 oder f/18 besonders stark auf. Um eine Sensorreinigung kommt ihr daher früher oder später nicht herum.

Es gibt unterschiedliche Methoden, die zum Ziel führen. Dabei richtet sich die Auswahl nach dem Zustand der Verschmutzung. Sollte sich nur wenig Staub auf dem Sensor befinden, genügt meist die kamera-interne Reinigungsfunktion. Allerdings schüttelt sie den Staub nur ab. Das führt unweigerlich dazu, dass er sich im Kameragehäuse ansammelt. Daher solltet ihr den Sensor von Hand reinigen, wenn es nötig ist. Wer darauf keine Lust hat oder es sich schlicht und ergreifend nicht zutraut, kann auch einen Fachhändler beauftragen. Allerdings ist die Sensorreinigung kein Hexenwerk und kann mit ein wenig Geschick von jedem durchgeführt werden. Ihr müsst dazu lediglich ein paar Punkte wissen und beachten.

Wie kommt ihr an den Sensor?

Nikon Kamerasensor Bei allen Spiegelreflexkameras befindet sich der Sensor bauartbedingt an der selben Stelle. Nämlich direkt hinter dem Spiegel. Dieser ist wiederum hinter dem Objektiv angebracht und muss vor der Reinigung weggeklappt werden. Hierfür müsst ihr im Menü der Spiegelreflexkamera die Wartungs- oder Reinigungsfunktion einschalten. Bei Canon Kameras findet sich der entsprechende Menüpunkt unter „Sensorreinigung“ und dann „Manuelle Reinigung“.

Damit alles reibungslos funktioniert, sollte der Akku vollständig aufgeladen sein. Es kann ansonsten vorkommen, dass sich der Spiegel bei einem zu geringen Ladestand nicht wegklappen lässt. Zu guter Letzt muss noch das Objektiv abgenommen werden. Sobald das erledigt ist, könnt ihr anhand der Verschmutzung des Sensors, die optimale Reinigungsmethode bzw. das richtige Werkzeug auswählen. Im Folgenden möchte ich euch die gängigen Verfahren vorstellen.

Einmal durchpusten bitte: Der Blasebalg

Um den Sensor schnell und vor allem schonend zu reinigen, empfiehlt sich der Einsatz eines Blasebalgs. Diese sind relativ günstig zu haben und einfach in der Handhabung. Beim Kauf eines Blasebalgs solltet ihr darauf achten, dass er talkumfrei ist. Ansonsten kann es nämlich vorkommen, dass beim Ausblasen des Sensors, Talkum in die Kamera kommt. Und damit habt ihr im Zweifel mehr Flecken auf dem Sensor als vor der Reinigung. Ich nutze hier seit vielen Jahren den Giottos Super Rocket Air Blower.

Staub vom Sensor pusten Und so setzt ihr den Blasebalg richtig ein: Die Kamera einhändig mit dem Objektiv-Anschluss voran in Richtung Boden halten, damit der Staub herausfallen kann. Mit der anderen Hand pustet ihr mithilfe des Blasebalgs Luft auf den Sensor. Wichtig ist hierbei, dass ihr mit der Spitze nicht den Sensor bzw. die häufig davor liegenden Filter berührt. Selbst der kleinste Kontakt kann genügen, um die Oberfläche zu beschädigen. Sollte der Blasebalg nicht ausreichen, um den Staub vom Sensor zu bekommen, hilft euch vielleicht die nächste Methode.

Gegen hartnäckigen Schmutz: Der Speckgrabber

Beim Kinetronics Speckgrabber SG handelt es sich um einen Stab, der mit einer klebrigen Gummispitze ausgestattet ist. Er erlaubt es euch, selbst die hartnäckigsten Verunreinigungen vom Sensor zu entfernen. Die Handhabung dieser Gerätschaft will aber geübt sein. Außerdem kann es bei einer zu häufigen Verwendung zu leichten Schmierspuren auf dem Sensor kommen. In diesem Fall würde nur noch eine sachgemäße Nassreinigung des Sensors helfen. Wie so etwas funktioniert, lest ihr weiter unten. Nun geht es aber erst einmal darum, wie ihr den Speckgrabber richtig benutzt.

Die korrekte Verwendung eines Speckgrabbers: Vereinfacht ausgedrückt stempelt ihr einfach auf dem Sensor. Das heißt nichts anderes, als dass ihr mit der gummierten Spitze den Schmutz antippt und so vom Sensor entfernt. Achtet unbedingt darauf, nicht zu fest aufzudrücken. Ansonsten können schwere Schäden am Sensor die Folge sein.

Die anspruchsvolle Nassreinigung: Sensor Swabs

Manchmal kann es vorkommen, dass die bereits vorgestellten Hilfsmittel nicht ausreichen. Dann solltet ihr eine Nassreinigung in Erwägung ziehen, um den Sensor sauber zu bekommen. Dabei kommen sogenannte Sensor Swabs zum Einsatz. Hiermit bekommt ihr alle Arten von Schmutz & Staub erfolgreich vom Sensor entfernt. Allerdings handelt es sich auch um die schwierigste und teuerste Methode. Denn sowohl die Reinigungsflüssigkeit als auch die dazugehörigen Swabs lassen sich die Hersteller gut bezahlen.

Sensor feucht reinigen So funktioniert die Nassreinigung: Ihr benötigt hierfür zwei unterschiedliche Flüssigkeiten. Einmal eine Art Reinigungsflüssigkeit, geführt unter dem Namen Sensor Clean und außerdem noch eine andere Flüssigkeit namens Smear Away. Mithilfe dieser beseitigt ihr die Rückstände auf dem Sensor. Zusätzlich zu den zwei Flüssigkeiten benötigt ihr noch die Swaps. Hierbei handelt es sich um Pinsel, die in passenden Varianten für die verschiedenen Sensorgrößen erhältlich sind. Diese sind mit einer Spitze, bestehend aus feinem Micro-Fasertuch, ausgestattet.

Im ersten Schritt wird die Reinigungsflüssigkeit (Sensor Clean) auf die Spitze aufgebracht. Den Swab (Pinsel) führt ihr nun langsam Richtung Sensor und beginnt damit, gleichmäßig von einer zur anderen Seite zu streichen. Wichtig ist hierbei, dass ihr nicht zu viel Druck ausübt und die Kamera mit der Objektivöffnung Richtung Fußboden haltet. Sobald alle Verschmutzungen verschwunden sind, wiederholt ihr den ersten Schritt. Jetzt benutzt ihr die zweite Flüssigkeit (Smear Away) auf einem neuen Swab. Mithilfe dieser Flüssigkeit entfernt ihr Schlieren, die im ersten Arbeitsschritt aufgetreten sind.

Übrigens gibt es auch Anbieter, wie z.B. Photographic Solutions Eclipse, die nur auf eine einzige Reinigungsflüssigkeit setzen. Hier hilft nur ausprobieren, um die für euch geeignete Variante zu finden.

Weitere Hilfsmittel für die Sensorreinigung

Um einem die Reinigung des Sensors so einfach wie nur irgend möglich zu machen, gibt es noch zwei nützliche Helfer, deren Anschaffung sich aus meiner Sicht lohnt.

Die Sensorlupe: Diese spezielle Lupe hilft euch dabei, einzelne Staubkörner zu finden. Sie wird am Objektivanschluss der Spiegelreflexkamera angebracht. Beim Kauf solltet ihr darauf achten, dass die Lupe über eingebaute LEDs verfügt. Hiermit lässt sich der Kamera-Body ordentlich ausleuchten und euch entgeht wirklich kein Staubkorn.

Sensor Brush Der Sensorpinsel oder auch Sensor Brush: Es gibt sie als manuelle Version oder auch motorbetrieben. Ich verwende die normale Version ohne Motor. Ihr solltet darauf achten die richtige Größe zu kaufen. Es gibt einen Sensor Brush für Vollformat-Sensoren (meist Spiegelreflex) und einen Sensor Brush für APS-C Sensoren (meist Systemkameras).

Der Sensorpinsel zeichnet sich durch eine flotte Handhabung, aber vorallem durch seine ausgesprochen gute Effektivität aus. Bevor ihr den Sensorpinsel einsetzt, müssen die Borsten noch statisch aufgeladen werden. Dies macht ihr beim normalen Sensorpinsel mit einem Blasebalg, bei der teureren Version mit Motor erfolgt das durch automatische Bewegung der Pinselborsten. Wichtig ist, dass ihr den Motor nach der erfolgreichen statischen Aufladung wieder ausschaltet. Danach könnt ihr mit der Sensorreinigung beginnen. Hierfür haltet ihr die Kamera mit der Objektivöffnung nach unten und streicht vorsichtig mit dem Pinsel über den Sensor. Dank der elektrischen Aufladung bleibt der Schmutz sozusagen an den Borsten des Sensorpinsels kleben. Danach sollten diese wieder ausgepustet werden. Vermeidet es, die Borsten des Pinsels mit der Hand zu berühren!

Fazit

Lest in diesem Artikel, wie ihr schnell und einfach euer Objektiv reinigt.

Staub auf Kamerasensoren ist nicht auf Spiegelreflexkameras begrenzt, sondern betrifft prinzipiell alle Kameras, welche Wechselobjektive unterstützen. Also auch neuere, spiegellose Geräte zählen dazu. Denn erst durch das Öffnen des Gehäuses hat Schmutz überhaupt eine Chance einzudringen.

Wie ihr seht, ist Sensorreinigung keine Zauberei. Und mit den hier vorgestellten Methoden könnt ihr auch dem hartnäckigsten Schmutz zu Leibe rücken. Wie reinigt ihr eure Kamerasensoren? Ich freue mich auf eure Kommentare. Und jetzt viel Erfolg beim Putzen!

Über den Autor
Fabian Wüst betreibt eine Website rund um Spiegelreflexkameras. Dort findet man einen DSLR-Vergleich, eine Bestseller-Liste sowie klassische Produkttests. Des Weiteren werden auf www.spiegelreflexkamera-tests.net regelmäßig Ratgeber- sowie Blogartikel veröffentlicht.

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