Schluss mit Staub: Sensorreinigung richtig gemacht

Staub: Der Feind der Spiegelreflexkamera

Jeder Besitzer einer Spiegelreflexkamera wird es früher oder später bemerken: kleine kreisrunde Flecken, die mal mehr, mal weniger sichtbar auf den Fotos erscheinen. Dabei handelt es sich meist um Staub, der sich auf dem Sensor abgelagert hat. Denn gegenüber geschlossenen Systemen, wie Kompaktkameras, kann in das Gehäuse einer Spiegelreflexkamera Staub eindringen. Selbst, wenn ihr einen abgedichteten Kamera Body besitzt.

Staub auf dem Kamerasensor Der Wechsel von Objektiven öffnet das Einfalltor von Staubpartikeln auf euren Kamerasensor. Die Hersteller, wie Canon oder Nikon, versuchen dem Phänomen entgegenzuwirken, indem beim Kamerastart eine automatische Sensorreinigung stattfindet. Dabei werden durch feine Vibrationen die Staubpartikel vom Sensor abgeschüttelt. Das klappt mehr oder weniger gut. So kann es nach einiger Zeit passieren, dass sich bestimmte Dreckpartikel festsetzen und an den immer gleichen Stellen im Bild als Sensorflecken auftauchen.

Wenn ihr oft mit großer Blende fotografiert, kann es sein, dass euch der Staub nie oder nur selten auffallen wird. Besonders sichtbar werden die Staubkörner erst bei einer kleinen Blende, also beispielsweise ab f/11. Wenn dann die integrierte Sensorreinigung nicht mehr hilft, sind alternative Maßnahmen gefragt. Zwei davon möchte ich euch hier vorstellen. In Kombination halte ich damit meine Kamera seit vielen Jahren staubfrei.

Staub sichtbar machen

Damit ihr einen Vergleich vor und nach der Reinigung habt, empfehle ich euch jeweils Testbilder zu machen. Das geht recht einfach von der Hand und ist in ein paar Schritten erledigt:

  • Autofokus auf manuell schalten und Entfernung auf unendlich stellen
  • möglichst große Blendenzahl wählen, z.B. f/16, f/18 oder f/20
  • große Brennweite wählen
  • Belichtungssteuerung der Kamera auf AV Modus stellen
  • homogene Fläche fotografieren (weiße Wand etc.)

Sensorflecken Ist die Fläche nicht ganz homogen, da es z.B. eine Rauhfasertapete oder ähnliches ist, dann bewegt die Kamera beim Fotografieren kreisförmig. Das gleicht mögliche Unebenheiten aus. Im Übrigen spielt es keine Rolle, dass das Bild unscharf wird, da es uns lediglich um die Sensorflecken geht.

Im Beispielbild seht ihr die gelb markierten Staubflecke. Das Bild entstand bei Blende f/20, ISO 100 und 2 Sekunden Belichtungszeit. Nachdem wir den Feind jetzt identifiziert haben, geht es an den nächsten Schritt: die Beseitigung der Sensorflecke.

Trockenreinigung: Luft muss her

Die einfachste Methode hartnäckige Staubkörner zu beseitigen, ist ein Blasebalg. Diesen könnt ihr schon für ein paar Euro kaufen. Das Beste dabei: der Blasebalg kann auch unterwegs auf Foto-Touren mitgeführt werden und erlaubt so auch die Reinigung des Sensors, wenn ihr auf Reisen seid. Denn was wäre ärgerlicher, als 1.000 – 2.000 Bilder zu machen, die mit einem Staubkorn verunziert sind!?

Ich verwende einen Blasebalg von Giottos, und zwar das Modell Super Rocket-Air Blower. Das Zubehör ist für ca. 10 EUR erhältlich. Prinzipiell tut es jeder Blasebalg. Ihr solltet jedoch darauf achten, dass er nicht von innen beschichtet ist, z.B. mit Talkum. Der Vorteil vom Giottos liegt zudem darin, dass er ein Ventil verwendet, welches das Eindringen von Staub in den Blasebalg verhindert. Sonst würdet ihr weiteren Staub in die Kamera pusten.

Staub wegpusten Der eigentliche Reinigungsvorgang ist schnell und einfach erledigt. Achtet darauf, die Prozedur in einer möglichst staubfreien Umgebung durchzuführen. Zunächst schraubt ihr das Objektiv eurer Kamera ab und wählt den manuellen Reinigungsmodus im Kameramenü aus. Bei der Canon 5D Mark II findet ihr den betreffenden Punkt unter Sensorreinigung. Dann klappt der Spiegel hoch und erst jetzt habt ihr Zugang zum Sensor. Führt jetzt vorsichtig die Spitze des Blasebalgs in die Kamera ein und pustet kräftig auf den Sensor. Passt auf, dass ihr dabei den Sensor nicht berührt. Es empfiehlt sich, die Prozedur kopfüber durchzuführen. Dadurch fällt der Staub aus der Kamera und verteilt sich nicht im Inneren.

Wenn ihr fertig seid, schraubt ihr das Objektiv wieder drauf und schaltet die Kamera aus. Dadurch klappt der Spiegel wieder runter. Im Anschluss könnt ihr, wie oben beschrieben, eine Testaufnahme machen, um das Ergebnis zu beurteilen. Ihr könnt das natürlich mehrfach wiederholen. Sollten am Ende noch immer zu viele Staubkörner sichtbar sein, empfehle ich euch die nächste Methode.

Nassreinigung: Die anspruchsvolle Methode

Nassreiniger für den Kamerasensor Die Nassreinigung des Sensors verlangt etwas mehr Vorbereitung und zusätzliches Equipment. Denn gegenüber der Trockenreinigung mit Blasebalg benötigt ihr hier eine spezielle Reinigungsflüssigkeit. Ich verwende eine Lösung namens Eclipse. Diese verdunstet rückstandslos innerhalb kurzer Zeit und hinterlässt keine lästigen Schlieren auf dem Sensor. Diese Reinigungsflüssigkeit gibt es auch im Bundle mit weiterem Reinigungszubehör für unterschiedliche Kamerahersteller. Denn allein die Flüssigkeit reicht noch nicht zur Nassreinigung.

Ihr benötigt zusätzlich noch sogenannte Reinigungs Swabs oder auch Spatel, welche die Reinigungsflüssigkeit aufnehmen und den Staub vom Sensor wischen. Der Hersteller von Eclipse bietet diese ebenfalls an. Ihr müsst jedoch darauf achten, die richtigen Swabs zu kaufen, da diese entsprechend der Größe eures Sensors – Vollformat oder APS-C – ausgelegt sind. Das Produkt ist mit 40 EUR für 12 Reinigungsspatel nicht ganz billig. Zuletzt hatte ich mich aufgrund einer Preisaktion für Visible Dust Swabs entschieden. Auch hier gilt: achtet auf die richtige Größe. Der Hersteller bietet hier eine Übersichtstabelle. Prinzipiell liegen die Preise beider Hersteller aber gleichauf.

Swabs zur Sensorreinigung Bevor ihr mit der Nassreinigung loslegt, solltet ihr eine Trockenreinigung gemacht haben. Damit haben sich gegebenfalls die groben Partikel schon gelöst. Öffnet dann wieder die Kamera und versetzt sie in den manuellen Reinigungsmodus. Nehmt einen Swab und träufelt etwas Reinigungsflüssigkeit darauf. Zwei bis drei Tropfen reichen aus. Der Swab sollte nicht triefen! Legt den Swab jetzt vorsichtig auf das eine Ende des Sensors und schiebt ihn sanft darüber. Dreht den Swab dann um 180 Grad und wischt in die entgegengesetzte Richtung.

Wenn ihr fertig seid, macht im Nachgang wieder eine Probeaufnahme. Sind die Staubflecken weg, ist die Prozedur beendet. Glückwunsch! Wenn nicht, könnt ihr das Ganze wiederholen. Verwendet aber unbedingt einen neuen Swab, damit sich nicht bereits entfernter Staub wieder auf dem Sensor verteilt.

Fazit

Weitere nützliche Methoden zur Sensorreinigung werden in diesem Artikel vorgestellt.
Mit den beschriebenen Verfahren solltet ihr eure Kamera auf lange Sicht staub- und schmutzfrei halten können. Natürlich gibt es noch alternative Methoden, wie z.B. Speck Grabber, aber ich habe mit dem Blasebalg und der Nassreinigung gute Erfahrungen gesammelt. Sollte euch die Nassreinigung zu umständlich sein, könnt ihr eure Kamera natürlich auch zum Fachhändler oder einer Vertragswerkstatt bringen. Dort wird meist eine solche Reinigung als Service angeboten. Oft bieten Kamerahersteller auch eine kostenlose Reinigung auf Fachmessen an…haltet einfach mal die Augen offen.

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