Ratgeber zum Stativkauf

Einleitung

Wenn der Blitz nicht mehr ausreicht

Verwackelte Bilder? Das muss nicht sein! Das Rezept dagegen ist ein gutes Stativ. Auch wenn in vielen Situationen eine hohe Lichtstärke oder ein Bildstabilisator sehr hilfreich sind, kommt ihr am Ende des Tages nicht um ein Stativ herum. Denn es hilft nicht nur, verwacklungsfreie Aufnahmen anzufertigen. Ein Stativ ist auch ein nützlicher Begleiter, um die eigenen kreativen Möglichkeiten auszuloten. Zum Beispiel, wenn es um Langzeitbelichtungen, Panorama-Aufnahmen oder auch Makro-Fotografie geht. Es stabilisiert nicht nur die Kamera, sondern sorgt zugleich für eine präzise Ausrichtung.

Daher möchte ich euch heute ein paar grundlegende Tipps zum Stativkauf verraten!

Auf sicheren Beinen

Stative gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen – als Kompaktstative oder Studiostative, aus Aluminium oder Carbon, als Dreibeinstativ oder Einbeinstativ. Die Entscheidung fällt oft schwer. Ganz ohne Beratung wird ein Stativkauf schnell zu einer Herausforderung. Einige Fragen helfen bei der Wahl des richtigen Modells:

  • Möchte ich das Stativ auf Reisen nutzen?
  • Welche Tragfähigkeit sollte das Stativ aufweisen?
  • Welche Arbeitshöhe benötige ich?
  • Welcher Kugelkopf passt zum Stativ und zur Kamera?
  • Wo liegt mein Budget-Limit?

Wenn ihr diese Fragen beantworten könnt, fällt die Auswahl eines geeigneten Stativs sehr viel leichter.

Eine Frage des Materials

Stativ aus Kohlefaser Ob Aluminium, Carbon oder Holz – Stative gibt es aus den unterschiedlichsten Materialien. Und ja, ihr habt richtig gelesen. Es gibt auch Holzstative. Diese weisen eine gute Schwingungsdämpfung auf, sind allerdings auch schwer. Aus diesem Grund haben sich am Markt primär Aluminium- und Carbon-Stative durchgesetzt.

Aluminiumstative überzeugen durch ihr Preis-Leistungsverhältnis. Sie sind relativ leicht und trotzdem bezahlbar. Gerade als Foto-Amateur lohnt es sich einen Blick auf dieses Segment zu werfen. Demgegenüber positionieren sich Carbon- bzw. Kohlefaserstative als leichte und stabile Variante für fortgeschrittene Anwender. Sie weisen eine gute Schwingungsdämpfung auf und überzeugen durch ihr Gewicht. Das macht sie zum idealen Begleiter auf Fotoreisen. Allerdings solltet ihr über ausreichend Budget verfügen, da solche Stative schnell teuer werden können.

Ein stabiler und mobiler Begleiter

Stativ mit kleiner Packgröße Ich bin öfter auf Foto-Touren unterwegs. Ein Stativ gehört dabei zu meiner Standard-Ausrüstung. Aber wer will schon 2 – 3 Kilo zusätzlich mit sich herumschleppen? Packmaß und Gewicht sind daher zwei wichtige Punkte. So lassen sich mobile Stative problemlos auf eine Länge von 40-50 cm zusammenklappen. Und auch das Gewicht kann überzeugen: Mit knapp 1 – 1,5 kg gehören Reise-Stative zu den Leichtgewichten und machen auch eine längere Fotoreise nicht zu einer Tortur.

Einige Stativmodelle erlauben beispielsweise die Beine umzuklappen und einen montieren Kugelkopf damit einzuschließen. Das verringert die Transportlänge zusätzlich, da sonst der Kugelkopf herausragen würde. Ich benutze so eine Kombination aus Carbonstativ und Kugelkopf. Das hat sich auf zahlreichen Reisen mittlerweile als sehr praktisch erwiesen. Dank des Klappmechanismus und der schraubbaren Beine ist das Stativ schnell auf- und abgebaut.

Stativ für Sportfotografie Kompaktstative sind sogar noch kleiner und passen in jede Fototasche. Diese eignen sich dann aber eher für eine Ablage auf Podesten, da sie nicht die erforderliche Höhe vom Boden aus erreichen. Die beliebten Gorillapods bieten hier mehr Flexibilität durch ihre biegsamen Beine, mit denen ihr sie auch an anderen Objekten, wie Bäumen oder Gittern, befestigen könnt. Ich nutze auch ein Kompaktstativ. Das ist gerade an Plätzen hilfreich, wo ein großes Stativ nicht aufgebaut werden darf oder kann. Dazu verwende ich einen kleinen novoflex-Kugelneiger mit einem Mini Manfrotto-Stativ. Ein Bild davon gibts in diesem Artikel. Falls ihr ein fertiges Set sucht, gibt es auch Kombinationen wie das Manfrotto Tischstativ mit Kugelkopf.

Eine weitere Variante für kompakte Bauweise sind Einbeinstative. Sie sind sehr kompakt, erreichen aber trotzdem eine gute Höhe zum Fotografieren. Aufgrund ihrer Konstruktion bieten sie jedoch nicht das Maximum an Stabilität. Einbeinstative sind besonders in der Sport- oder Eventfotografie beliebt. Denn überall dort, wo wenig Platz ist und ein schneller Einsatz gefragt ist, spielen sie ihre Stärken aus.

Auf Tragfähigkeit kommt es an

Ein wichtiger Punkt bei der Kaufentscheidung sollte die Tragfähigkeit bzw. Stabilität des Stativs sein. Wieviel Gewicht hält also das Stativ stand? Und ab wann neigt es zum Kippen? Der erste Punkt wird vom Hersteller im angegeben. Letzterer Aspekt ist zu berücksichtigen, wenn die Hebelwirkung auf dem Stativ zu groß wird. Das kann der Fall sein, wenn ihr beispielsweise eine schwere Spiegelreflex-Kamera mit einem Teleobjektiv auf dem Stativ befestigt.

Um Verwacklungen durch einen Bildstabilisator zu vermeiden, sollte dieser in der Kamera oder Linse auf dem Stativ deaktiviert werden.

Um einen stabileren Stand zu gewährleisten, haben Stative meist einen sogenannten Lasthaken. An diesen könnt ihr Ballast anhängen, wodurch ein sicherer Halt erreicht wird. Eine weitere Auswirkung auf die Standfestigkeit haben die Stativ-Beine. Haben diese viele Segmente (3 oder 4), mit denen sie sich zusammenschieben lassen, kann das die Standfestigkeit beeinflussen. Je mehr Segmente, umso instabiler. Allerdings, auch umso kompakter.

Wenn es um einen sicheren Stand geht, können zusätzlich Modelle mit Gummifüßen oder Spikes unterschieden werden. Letztere eignen sich für unebenes Terrain, wo Gummifüße nicht genügend Stabilität bieten. An manchen Stativen könnt ihr die Füße auch auswechseln.

Die richtige Arbeitshöhe

Beachtet vor dem Kauf die maximale und die minimale Aufbauhöhe des Stativs. Die minimale Höhe kann für Makro-Aufnahmen ein wichtiger Aspekt sein, denn sie entscheidet darüber wie nah ihr mit dem Stativ dem Boden kommt. Die maximale Höhe wiederum ist maßgeblich, um zu entscheiden, ob das Stativ eine angenehmen Arbeitshöhe bietet. Berücksichtigt auch, dass sich durch das Aufsetzen eines Kugelkopfes und der Kamera die finale Höhe noch ändert.

Abwinkeln der Stativbeine Die Höhe eines Stativs lässt sich bequem über Klemm- oder Schraubmechanismen an den Stativbeinen verstellen. Hier solltet ihr vor Kauf einmal ausprobieren, welches Verfahren euch im Alltag mehr zusagt. Und auch über die Spreizung der Stativbeine ist eine Höhenanpassung bei gleichzeitiger Stabilisierung machbar. Oftmals gibt es 3 – 4 Arretierungen, mit denen eine solche Spreizung fixiert wird. Prüft also, ob dieser Spreizwinkel für euch ausreichend ist. Das kann entscheidend sein, wenn ihr plant in Bodennähe zu fotografieren.

Eine Anpassung der Arbeitshöhe ist manchen Modellen auch über eine Mittelsäule möglich. Diese lässt sich herausziehen und erlaubt eine flexible Höhenverstellung. Allerdings ist zu beachten, dass damit die gesamte Konstruktion instabiler wird.

Das i-Tüpfelchen: der Kugelkopf

Ein gutes Stativ ist nichts ohne einen guten Kugelkopf. Erst der Kugelkopf verleiht dem Stativ die nötige Flexibilität im täglichen Einsatz. Ein guter Kugelkopf zeichnet sich dabei hauptsächlich durch seine Leichtgängigkeit und stabile Fixierung der Kamera aus. Das heißt, dass nachdem die Kamera positioniert und der Kugelkopf arretiert wurde, dieser seine Position nicht mehr verändert. Denn gerade bei Langzeitbelichtungen oder Reihenaufnahmen kommt es auf eine stabile Lage an. Sollte es hier zu einem Nachrutschen kommen, kann das die Aufnahme zerstören.

Stativ mit Kugelkopf Achtet bei der Auswahl des Kugelkopfes auf das Zusammenspiel der Komponenten, z.B. hinsichtlich der Auflagefläche auf dem Stativteller. Auch bei Kugelköpfen gibt es unzählige Modelle. Sowohl hinsichtlich Preis und Gewicht als auch Tragfähigkeit und Verarbeitung unterscheiden sich diese Modelle zum Teile erheblich. Für mich waren beim Kauf diese Aspekte wichtig:

  • Stabilität, um das Nachrutschen zu verhindern
  • Verarbeitungsqualität, damit das Modell lange hält und der Kugelkopf ohne Schmierung läuft
  • einfaches Befestigungssystem, mit dem die Kamera schnell montiert und gelöst werden kann
  • Horizontal stufenlos drehbar, um Panoramaaufnahmen zu vereinfachen
  • integrierte Friktionseinstellung, um die Leichtgängigkeit beim Ausrichten der Kamera zu steuern

Das Budget im Blick behalten

Nicht zuletzt entscheidet auch das verfügbare Budget über die Anschaffung eines Stativs. Wo Kompaktstative noch mit Preisen bis etwa 50 EUR punkten können, kosten hochwertige Stative nicht selten 300 – 500 EUR. Einen entscheidenden Einfluß auf den Preis hat dabei insbesondere das Material. So sind in der Regel Carbon-Stative teurer. Zusätzlich gibt es auch Exoten aus Titan oder Basalt, die den Preis weiter nach oben treiben können.

Auch die Marke hat einen Einfluss auf den Preis. Markenstative von Herstellern wie Manfrotto sind in der Regel hochpreisig. Anbieter, wie Feisol oder Cullmann können eine preiswerte Alternative sein.

Stative, die sich auch in nassem Gelände oder gar im Salzwasser am Meer einsetzen lassen, können die Kosten schnell explodieren lassen. Jedoch bietet sich diese Mehrinvestition an, wenn ihr regelmäßig einen solchen Einsatz plant.

Generell ist ein Stativ über einen längeren Zeitraum im Einsatz, als beispielsweise eine Kamera. Insofern kann sich auch eine höhere Investition mittel- bis langfristig lohnen. Dabei gilt oftmals die Regel: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Fazit

In diesem Test von Feisol Stativ und Novoflex Kugelkopf stelle ich euch mein Stativ und Kugelkopf ausführlich vor.

Stative gibt es heute in fast allen Preisklassen und Größen. Und für jeden Einsatzzweck und jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Es gibt also keine Ausrede mehr für verwackelte Bilder. Wichtig ist, dass ihr euch vor Kauf überlegt, was unbedingt notwendig ist und welche Ausstattungsmerkmale eher zweitrangig sind. Denn viele Stative locken auch mit technischen Gimmicks, wie einer integrierten Wasserwaage (Libelle).

Wenn möglich, testet euer Wunsch-Stativ im Geschäft. Oftmals gibt erst der haptische Eindruck ein gutes Gefühl darüber, ob einem die Bedienung liegt und ihr mit Gewicht und Arbeitshöhe zufrieden seid.

Hilfreich können neben Testberichten und Produktforen auch Webseiten sein. So lohnt sich zum Beispiel ein Besuch bei Stativfreak. Hier stellen Anwender ihre Stative vor und zeigen auf zahlreichen Fotos die Besonderheiten der verschiedenen Modelle. Damit wird die Entscheidungsfindung erleichtert.

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