Polfilter: Spiegelungen reduzieren, Farben verbessern

Vor dem Kauf

Aber bitte gefiltert…

Polarisationsfilter oder kurz Polfilter gehören zu den Filtern, die in keiner Fototasche fehlen sollten. Denn mit ihnen kann man häufige Probleme, wie flaue Farben oder schwache Kontraste, mit wenigen Handgriffen ausgleichen. Und auch Spiegelungen im Motiv lassen sich mit einem Polfilter reduzieren. Diese Filter gibt es in verschiedenen Größen, je nach Objektiv-Typ. Gängig sind beispielsweise 67mm oder 77mm. Zu den namhaften Herstellern gehören Firmen wie Hoya oder auch B+W. Diese bieten eine sehr gute Verarbeitungsqualität, sowohl bei der Filtereinfassung wie auch dem Filterglas selbst. Im preisgünstigen Segment tummeln sich Anbieter wie Hama oder Walimex. Ich setze seit einigen Jahren auf Polfilter von Hoya. Mein Favorit ist der Hoya HD Slim Circular Polarisationsfilter für knapp 70 EUR bei einem Durchmesser von 77mm.

Normal oder Slim?

Zirkularer Polarisationsfilter Zirkulare Filter haben sich am Markt etabliert. Sie haben den Vorteil gegenüber Linearfiltern, dass die Messtechnik der Kamera nicht beeinflusst wird und sie sich dadurch mit jedem Kameratyp vertragen. Zudem ist der Preisunterschied zu den linearen Modellen eher gering. Bei der Bauweise solltet ihr darauf achten, ob ihr ein normales oder ein Slim Modell benötigt. Die normalen Filter sind meist etwas günstiger, aber auch dicker. Slim Modelle eigenen sich besser für (Super-)Weitwinkelobjektive, da sie aufgrund der schmalen Bauweise nicht zu Randabschattungen neigen. Aufgrund der schlanken Form lassen sich diese aber etwas schwerer greifen beim Auf- und Abschrauben des Objektives. Zudem gibt es Slim Filter, die kein Frontgewinde haben. Wenn ihr also mehrere Filter aufeinander schrauben möchtet, solltet ihr ein Slim Modell mit Frontgewinde nehmen oder auf einen normalen Filter setzen.

Polfilter lassen sich mit einer Gegenlichtblende nutzen, da diese von außen auf das Objektiv geschraubt wird und der Filter innen verschraubt ist. Allerdings kann es je nach Größe der Gegenlichtblende schwierig sein, den Filter mit den Händen zu drehen. Hier ist also etwas Fingerfertigkeit gefragt. Generell gilt es zu überlegen, ob ihr für jedes Objektiv einen Filter benötigt. Das kann schnell teuer werden. Vielleicht haben ja eure bevorzugten Objektive den selben Durchmesser, so dass ein Filter auf mehrere Linsen passt.

Bessere Kontraste und Farben

Kommen wir nun zum eigentlichen Einsatzzweck eines Polfilters. Ich verwende Polfilter regelmäßig zur Verbesserung von Farben und Kontrasten. Ein Himmel mit flauem Blauton erhält durch einen Polfilter eine sattere, dunklere Farbe. Generell verbessern sich auch die Kontraste im Bild und in Wolkenstrukturen. Gerade Fotos mit Wolken im Bild profitieren von einer besseren Detailzeichnung. Blätter von Bäumen und anderen Pflanzen erzielen ein kräftigeres Grün in der finalen Aufnahme. Allerdings kann es sein, dass dieses Grün etwas matter erscheint, da zugleich der Glanz etwas genommen wird. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob und wie stark dieser Effekt gewünscht ist. Das lässt sich nämlich einstellen: Denn der Polfilter besteht aus zwei Elementen, dem fest verschraubten Gewinde und dem drehbar gelagerten Glas.

Durch die Drehung des Glases könnt ihr die Intensität des Filters einstellen. So lässt sich die Betonung der Farben kontrolliert steuern. Bei Weitwinkelaufnahmen kann es aufgrund des großen Aufnahmewinkels zu einem ungleichmäßigen Filtereffekt kommen. Das heißt, der Himmel ist dann ggf. nicht durchgängig kräftiger im Blau, sondern es kommt zu Abweichungen in der Intensität und Abdunkelung. Möglicherweise solltet ihr in diesem Fall von der Verwendung eines Polfilters absehen.

  1. Before
  2. After

Einen Einfluss auf die Stärke des Filtereffekts hat auch der Einfallwinkel der Sonne. Hier wird die beste Wirkung erzielt, wenn die Sonne schräg von links oder rechts einfällt. Bei einer Aufnahme gegen das Sonnenlicht oder mit der Sonne im Rücken entfaltet der Filter bei der Betonung des Himmels keine oder nur geringe Wirkung.

Beim Fotografieren mit einem Polfilter empfehle ich den Einsatz eines Stativs. Denn der Filter schluckt Licht, meist 1 – 2 Blendenstufen. Das müsst ihr durch eine längere Belichtungszeit kompensieren, was die Nutzung eines Stativs sinnvoll macht, um Verwacklungen zu vermeiden.

Weniger Spiegelungen

reduzierte Reflexionen und Spiegelungen Ein weiteres Einsatzfeld von Polfiltern ist die Reduzierung von Spiegelungen. Wenn ihr das Motiv in einem schrägen Winkel von etwa 30 bis 50 Grad ablichtet, lassen sich durch die Drehung des Filters Spiegeleffekte reduzieren und teilweise komplett ausblenden. Das eignet sich beispielsweise gut zum Fotografieren von Objekten hinter Glasflächen, wie bei Gebäuden oder Fahrzeugen. Mit der richtigen Filterstellung lässt sich eine Glasfläche sozusagen unsichtbar machen und die Menschen oder Objekte dahinter kommen zum Vorschein. Auch in der Landschaftsfotografie macht sich der Einsatz bezahlt: Hier verwende ich regelmäßig einen Polfilter um Spiegelungen der Wasseroberfläche zu minimieren. Mit einem Polfilter lässt sich gewissermaßen durch die Wasseroberfläche schauen und darunterliegende Strukturen werden sichtbar.

Fazit

Polfilter sind ein praktisches Hilfsmittel in der Fotografie. Sie verbessern Farben und Kontraste zuverlässig. Gerade die Reduktion von Spiegelungen ist ein interessantes Anwendungsfeld. Gute Grafiksoftware kann einen Polfilter nur bedingt kompensieren: So lassen sich zwar Farben und Kontraste, insbesondere bei RAW Bildern, nachträglich aufwerten. Aber spätestens, wenn es an die verbesserte Darstellung von Wolkenformationen oder das Ausblenden von Spiegelungen geht, muss das beste Programm passen.

Hier spielt der Polfilter seine Stärken aus und kann durch den Drehmechanismus bequem an die jeweilige Bildsituation angepasst werden. Beim Einsatz sollte lediglich bedacht werden, dass der Filter einen geringen Lichtverlust mit sich bringt. Der einhergehende Schärfeverlust ist bei guten Filtern zu vernachlässigen und meist nur im Messlabor nachweisbar.

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