Lichtstärke oder Bildstabilisator?

Markt der Möglichkeiten

Dem Licht auf der Spur

Objektive gibt es wie Sand am Meer. Sei es direkt von den Kameraherstellern, wie Canon, Nikon oder Sony, als auch von Drittanbietern. So offerieren Unternehmen, wie Sigma, Tamron oder Carl Zeiss ebenfalls ein breites Sortiment an Linsen. Ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Kauf ist die Lichtstärke. Sie gibt an, wieviel Licht auf dem Sensor der Kamera ankommt. Dabei gilt: je kleiner der Zahlenwert, umso höher die Lichtstärke. Konkret bedeutet ein Wert von f2.8 (alternativ auch 1:2.8) eine bessere Lichtstärke als beispielsweise f4.5.

Schärfeverlauf in einem Bild Mit einer höheren Lichtstärke ergeben sich größere kreative Möglichkeiten beim Umgang mit Licht und der resultierenden Schärfentiefe (manchmal auch als Tiefenschärfe bezeichnet). Die Ausdehnung der Schärfeebene lässt sich mit einem lichtstarken Objektiv demzufolge geringer abbilden und im Ergebnis könnt ihr interessante fotografische Effekte erzielen. Allerdings solltet ihr beachten, dass bei einer sehr großen Blende von beispielsweise f1.8 das Fokussieren aus der Hand um einiges schwieriger wird. Je nach fotografischem Einsatzgebiet kann dann ein Stativ nützlich sein oder der Einsatz von Live View mit Fernauslösung durch einen Laptop helfen. Dadurch ist es beispielsweise möglich, den Fokuspunkt durch eine vergrößerte Vorschauansicht genauer zu setzen.

Wenn es darum geht, ein Motiv möglichst gut vom Hintergrund freizustellen, dann ist eine hohe Lichtstärke unabdingbar. Im Ergebnis ist der Vordergrund gestochen scharf, während der Hintergrund verschwimmt. Das resultierende Bokeh kann einen schönen Effekt erzeugen. Das hat jedoch seinen Preis: In der Regel sind lichtstarke Objektive teurer im Vergleich zu ihren lichtschwächeren Konkurrenten.

Lichstärke oder Stabilisator?

Ein Bildstabilisator ist bei hochwertigen Kameras und Objektiven eine technische Einrichtung, welche Verwacklungen minimieren hilft. Es können dabei zwei Philosophien unterschieden werden: Hersteller wie Canon oder Nikon verbauen den Stabilisator in den Objektiven, Anbieter wie Pentax oder Sony direkt in der Kamera. Beim Stabilisator im Objektiv werden bestimmte Linsen-Elemente beweglich gelagert. Ist der Stabilisator in der Kamera integriert, wird meist der Bildsensor direkt stabilisiert. Allen Verfahren ist eines gemein: Die vorhandenen Automatismen wirken den Bewegungen des Fotografen bis zu einem gewissen Grad entgegen, wodurch das Bild stabilisiert wird.

Zusätzlich kann zwischen einer optischen und digitalen Stabilisierung unterschieden werden, wobei die optische Variante vorzuziehen ist. Denn hier findet eine tatsächliche physische Kompensation statt und nicht nur ein digitales Rausrechnen anhand von Software-Algorithmen. Die digitale Variante erreicht demzufolge nicht die Qualität einer optischen Bildstabilisierung.

Allgemein gilt: Bildstabilisierte Objektive bzw. Kameras sind teurer als die nicht-stabilisierten Begleiter. Die Hersteller bezeichnen dabei ihre bildstabilisierten Objektive mit unterschiedlichen Zusätzen. So vermarktet Canon seine Objektive mit IS (Image Stabilisation) und Nikon mit VR (Vibration Reduction).

Doch was ist nun besser? Eine höhere Lichtstärke oder ein Bildstabilisator? Oder beides? Die Antwort lautet wie immer: Es kommt darauf an, und zwar auf den Einsatzzweck. Lichtstarke Objektive, die auch schon mal Werte von beispielsweise f1.2 erreichen können, eignen sich beispielsweise perfekt für die Portraitfotografie. Denn sie erlauben eine optimale Freistellung. Oftmals handelt es sich dabei um Festbrennweiten mit ausgezeichneter Gesamtbildschärfe, die jedoch keinen optischen Zoom unterstützen (Ausnahmen, wie z.B. das Canon Objektiv EF 24mm 2.8 IS USM, bieten trotz Festbrennweite und guter Lichtstärke einen Stabilisator). Damit sind sie meist für die Reportagefotografie weniger geeignet.

Moderne Zoomobjektive haben in der Regel einen Bildstabilisator. Das macht sie gewissermaßen zur Universalwaffe im Fotoalltag auf Reisen. Denn die oftmals geringere Lichtstärke wird durch die Stabilisierung zum Teil ausgeglichen. Insbesondere beim Zoom auf entfernte Objekte hilft der Stabilisator das Wackeln des Fotografen auszugleichen. Aber auch hier sind der Technik natürlich Grenzen gesetzt.

Canon EF 100mm 2.8 L IS USM Einen Aspekt möchte ich an dieser Stelle noch ansprechen: Ein Bildstabilisator hat immer auch ein höheres Gesamtgewicht und größere Abmaße des Objektives zur Folge. Denn die integrierten Mechanismen fordern ihren Tribut. Doch spätestens, wenn ihr innerhalb einer dunkleren Lokation fotografiert, wie zum Beispiel während einem Konzert oder Besuch in einer Sehenswürdigkeit, werdet ihr eine höhere Lichtstärke zu schätzen wissen. Dann kann selbst der beste Bildstabilisator nur begrenzt die schlechteren Lichtverhältnisse kompensieren. Und Stative lassen sich nicht immer einsetzen.

Der Idealfall ist also ein Linse mit hoher Lichtstärke und optischem Stabilisator? Prinzipiell ja. Nur finden sich wenige Objektive am Markt, die beides miteinander vereinen. Selbst Canon’s neues Flaggschiff, das Canon Objektiv EF 24-70mm 2.8 II L USM, besitzt als Zoomobjektiv keinen Stabilisator.

Fazit

Die Entscheidung für ein bestimmtes Objektiv und damit auch für eine gewünschte Lichtstärke hängt immer vom Einsatzzweck ab. Möchtet ihr das Motiv vom Hintergrund optimal freistellen oder Bewegungen einfrieren, z.B. in der Sport- oder Tierfotografie, ist eine hohe Lichtstärke unumgänglich. Seid ihr eher in der Reisefotografie unterwegs, empfiehlt sich der Einsatz eines Bildstabilisators im Zusammenspiel mit einem Zoomobjektiv.

Der Markt bietet zahlreiche Objektive, sowohl mit als auch ohne Stabilisation. Das eigene Budget dürfte hier letztlich ausschlaggebend sein. Ein Preisvergleich kann sich lohnen. Auf der Suche nach einem lichtstarken Objektiv finden sich teilweise attraktive Angebote, wie z.B. das Canon Objektiv EF 50mm 1.4 USM, welches schon ab ca. 300 EUR zu haben ist.

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2 Kommentare

  1. Ich nutze momentan auch ein Tele ohne Bildstabilisiator und habe ihn bisher erst äußerst selten vermisst. Von daher würde ich hier auch klar die Lichtstärke favorisieren.

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