JPEG oder RAW: Was ist eigentlich das bessere Bildformat?

Einleitung

Die Qual der Wahl

Schon öfter bin ich gefragt worden, welches Bildformat man beim Fotografieren nutzen sollte: JPEG oder RAW? Daher möchte ich das Thema heute mal näher beleuchten. Denn die pauschale Aussage, dass man nur im RAW Format fotografieren sollte, ist nicht immer richtig. Hier spielen verschiedene Aspekte zusammen, die auch den Einsatz von JPEG rechtfertigen können. Aber beginnen wir ganz vorn…

JPEG Format

Dieses Bildformat dürfte jedem bekannt sein. Es ist seit vielen Jahren der Quasi-Standard, wenn es um einen guten Kompromiss aus Bildqualität und Dateigröße geht. Denn JPEG Bilder liegen immer in einem komprimierten Format vor. Das ist gerade beim Einsatz auf Webseiten & Co ein wichtiges Argument, da es hilft die Ladezeiten zu reduzieren. Der Komprimierungsgrad lässt sich meist beeinflussen, je nachdem ob der Fokus auf Qualität oder Dateigröße liegt. Bei einer zu starken Kompression kann es zu Artefakten und Bildrauschen kommen.

Bezogen auf die Fotografie spart das JPEG Format auf Speicherkarten wertvollen Speicherplatz. Obwohl das Thema Speicher heute nicht mehr so preisintensiv ist wie noch vor einigen Jahren, kann das dennoch ein Kriterium sein. Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt, der für JPEG spricht: die schnellere Verarbeitung in der Kamera. Mehr dazu später.

RAW Format

Das RAW Format liegt in einem nahezu unbehandelten Zustand vor. Daher wird es oft auch als Rohdatenformat bezeichnet. Das heißt, die Daten kommen de facto 1:1 aus der Kamera – ohne Komprimierung und mit einem höheren Dynamikumfang. Im Ergebnis übersteigt der Speicherverbrauch eines RAW Bildes den eines JPEG Fotos um ein Vielfaches. So ist beispielsweise ein RAW Bild einer Canon 5D Mark II je nach Motiv ca. 28 MByte groß, während das identische Motiv als JPEG ca. 8 MByte in Anspruch nimmt. Damit ist das RAW Foto 3,5 mal speicherintensiver. Damit wird eure Speicherkarte natürlich sehr viel schneller voll.

In diesem Artikel stell ich den RAW Entwickler detailliert vor.

Ein RAW Bild ist gewissermaßen ein digitales Negativ, das erst noch mit einer speziellen Software entwickelt werden muss. Sogenannte RAW Konverter bzw. RAW Entwickler, wie z.B. Adobe Photoshop Lightroom, Aperture oder DxO Optics Pro, erlauben weitreichende Anpassungen am Originalbild. Das fertig entwickelte Bild lässt sich dann bequem in das gewünschte Endformat, beispielsweise JPEG, exportieren. Weitere Informationen dazu unten im Text.

Ein Format, viele Bezeichnungen

Gegenüber dem JPEG Format gibt es bei RAW noch etwas zu beachten: Es existiert kein hersteller-einheitlicher Standard. Nahezu jeder Anbieter von Digitalkameras hat sein eigenes RAW Format auf den Markt gebracht. Und diese sind nicht kompatibel untereinander. Hier ein kleiner Überblick:

Hersteller RAW Format
Canon CR2, CRW
Fuji RAF
Hasselblad 3FR, FFF
Leica RAW, DNG, RWL
Nikon NEF
Olympus ORF
Panasonic RAW, RW2
Pentax PEF, DNG
Samsung SRW, DNG
Sigma X3F
Sony SRF, SR2, ARW

Die meisten Hersteller legen ihren Kameras eine spezielle Entwicklungssoftware bei, um das RAW Format in das finale Bildformat, wie z.B. JPEG, zu speichern. Solltet ihr lieber einen anderen RAW Konverter benutzen wollen, achtet darauf, ob dieser das jeweilige RAW Format bzw. euren Kameratyp unterstützt.

Deshalb ist RAW die richtige Entscheidung

Wie bereits oben geschrieben, bietet das RAW Format einen entscheidenden Vorteil: Es liegt im unbehandelten, unkomprimierten Zustand vor. Damit bietet es in der Bildentwicklung sehr viel mehr Freiheit. Der hohe Dynamikumfang und die Möglichkeit, Aspekte wie den Weißabgleich verlustfrei im Nachhinein anzupassen, sind gerade im (semi-)professionellen Bereich nicht zu unterschätzen.

Denn der höhere Dynamikumfang liefert mehr Details in ganz hellen und ganz dunklen Bildabschnitten. Konturen, die bei einem JPEG Bild in Schwarz verschwinden oder bei hellen Bildbereichen überstrahlen, lassen sich in einer RAW Entwicklungssoftware bis zu einem gewissen Grad wieder sichtbar machen. Und sollte einmal der Weißabgleich nicht gesessen haben, kann die Farbtemperatur problemlos im Nachhinein angepasst werden. Hat euer Bild also beispielsweise einen Rotstich, ändert ihr einfach die Temperatur mehr hin zu kalten, bläulichen Farben. Das geht bei einem JPEG Bild nur mit einem Qualitätsverlust in der anschließenden Bildbearbeitung.

Ein anderer interessanter Punkt ist die Korrektur geometrischer Verzerrungen, wie z.B. Tonnen-/Kisseneffekte. Moderne RAW Entwicklungssoftware erkennt automatisch die Kombination von Kamera und Objektiv und korrigiert diese grundlegenden Probleme. So lässt sich auch eine zu starke Randabschattung, bekannt auch als Vignettierung, schnell und einfach beseitigen.

  1. Before
  2. After

Das Beispielbild zeigt in der linken Bildhälfte das RAW Bild im Originalzustand mit einer leichten Kissen-Verzerrung, Randabschattungen sowie geringer Detailzeichnung im Wasser. Das final mit DxO Optics Pro entwickelte JPEG Bild dagegen hat diese Probleme nicht mehr.

Übrigens: JPEG Bilder erhalten oft von der internen Kamera-Bildverarbeitung eine „Grundbehandlung“. Das heißt, sie bekommen ein gewisses Maß an Rauschunterdrückung und auch Bildschärfe mit. Das ist nicht immer gewollt. Und auch hier punktet das RAW Format, da sich all das im Entwicklungsprozess bequem den eigenen Wünschen anpassen lässt.

Warum JPEG trotzdem in Frage kommt

Wenn’s um Speicherplatz und Geschwindigkeit geht…

Dennoch möchte ich einen wichtigen Punkt nicht verschweigen, der JPEG als Format interessant macht. Wie ich oben bereits geschrieben habe, benötigt ein JPEG Bild nur ein Bruchteil an Speicherplatz. Das ist gerade bei schnellen Serienbildaufnahmen, wie sie beispielsweise in der Sport- oder Tierfotografie vorkommen, interessant. Denn im RAW Format können moderne Kameras nur eine begrenzte Anzahl an Bildern verarbeiten. So schafft eine Canon 5D Mark III etwa 18 RAW Bilder in einer Reihenaufnahme. Im JPEG Format ergibt sich nur durch die Speicherkarte eine Begrenzung. Ist diese schnell genug, lassen sich beliebig viele Bilder hintereinander aufnehmen.

Und auch, wenn für euch das Preis-Leistungsverhältnis im Fokus steht, kann der Einsatz von JPEG interessant sein. Dadurch, dass die Bilder weniger Speicher verbrauchen, benötigt ihr nicht so viel und so große Speicherkarten. Außerdem braucht ihr nicht die schnellsten Karten kaufen, da die geringere Dateigröße den internen Kamera-Puffer nicht so sehr belastet und das Schreiben der kleineren Dateien schneller vonstatten geht.

Nicht zuletzt steht auch die Frage nach der RAW Entwicklung im Raum. Möchtet ihr euch mit diesem Thema nicht befassen und einfach nur die fertigen Bilder möglichst schnell aus der Kamera haben, dann ist JPEG ebenfalls eine Überlegung wert.

Fazit

RAW oder JPEG – die Frage ist fast so alt, wie die digitale Fotografie selbst. Wie ihr seht, sprechen trotz der zahlreichen Vorteile des RAW Formates einige Punkte für den Einsatz von JPEG. Mein persönlicher Favorit ist jedoch das RAW Format. Ich nutze es seit vielen Jahren an unterschiedlichen Canon Kameras und habe die Vorteile des höheren Dynamikumfangs und der späteren Anpassungen des Weißabgleichs schätzen gelernt.

Zusammen mit einem guten RAW Konverter, wie beispielsweise DxO Optics Pro, kann man ein Optimum aus seinen Bildern herausholen. Übrigens: Wenn ihr unentschieden sein solltet, erlauben viele Hersteller ein Bild gleichzeitig als RAW und JPEG zu speichern.

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