Fisheye Objektive: Der Blick durch das Fischauge

Eine Frage der Perspektive

Auf der Suche nach neuen kreativen Möglichkeiten stehen in der Fotografie zahlreiche Wege offen. Neben fotografischen Techniken oder einer anschließenden Bildbearbeitung, kommt es auch auf das entsprechende Objektiv an. Im Kontrast zu den klassischen Zoom-Objektiven oder Festbrennweiten sticht dabei eine Gattung besonders hervor: Fisheye Objektive. Ich habe diese Art von Linsen vor einiger Zeit kennen und lieben gelernt. Denn oftmals eröffnen sie einen völlig neuen Blick auf das Motiv und liefern im Ergebnis interessante Bilder, die mit Standard-Objektiven nicht ohne weiteres möglich sind.

Fisheye Objektiv von Canon Da ich seit jeher mit Canon Kameras fotografiere, habe ich mich im Sortiment des Herstellers nach einer passenden Linse umgeschaut. Die Entscheidung fiel damals für das Canon EF 15mm f2.8 Fisheye – ein Objektiv mit 180 Grad Aufnahmewinkel, guter Lichtstärke und einer Naheinstellgrenze von 20 cm. Mittlerweile wird dieses Objektiv von Canon zwar nicht mehr angeboten, aber mit dem Canon EF 8-15mm f4L Fisheye USM steht ein würdiger, wenn auch nicht gerade günstiger Nachfolger, parat. Dieses neue Fisheye geht sogar bis auf einen Brennweitenbereich von 8mm runter, bietet 15cm Nahdistanz und ist in der L-Ausführung Canon-typisch hochwertig verarbeitet.

Wie gesagt, ist die Linse mit knapp 1.200 EUR nicht gerade ein Schnäppchen. Daher kann es sich lohnen, wenn ihr euch ein Fisheye-Objektiv anschaffen möchtet, bei Fotobörsen oder ebay nach einem gebrauchten 15mm Fisheye zu schauen. Auch Dritthersteller, wie zum Beispiel Sigma, bieten für Canon oder Nikon Kameras passende Fisheye-Objektive an, die preislich attraktiv sind. Beim Kauf achtet darauf, ob das Objektiv für Vollformatkameras oder APS-C geeignet ist.

Ungewöhnliche Blickwinkel

Fisheye Aufnahme Ein Einsatzgebiet für Fisheye-Objektive sind Aufnahmen mit nicht alltäglichen Blickwinkeln. Bereiche außerhalb der Bildmitte erhalten eine rundliche Verzerrung, was mitunter interessante Ergebnisse liefert. Dabei sind die Möglichkeiten nicht auf ein fotografisches Gebiet beschränkt. So lassen sich Fisheye Bilder sowohl in der Architektur- und Landschaftsfotografie, als auch Portrait- oder Sportfotografie realisieren. Gerade in der Portraitfotografie können sich aufgrund der starken Verzerrung witzige Effekte ergeben. Probiert einmal aus, ein Gesicht mit einem Fisheye möglichst nah zu fotografieren. Allerdings würde ich den Effekt auf Dauer nicht überstrapazieren, da es sonst bald langweilig wird.

Bei Landschaftsaufnahmen solltet ihr die Position zur Sonne beachten. Ist diese direkt im Bild sichtbar, kann es zu Lens Flare Effekten (Lichtreflexionen) kommen. Auch der Einsatz von Polfiltern oder anderen Filtern erübrigt sich aufgrund der starken Krümmung der Fisheye Linse. Wollt ihr dennoch einen Filter nutzen, könnt ihr dafür im hinteren Bereich des Objektivs einen Halter verwenden, in dem sich Gelfilter einsetzen lassen.

Fisheye Innenaufnahme Ich verwende mein Canon Fisheye Objektiv regelmäßig auf Foto-Touren. Insbesondere Motive, die schon zu „Tode fotografiert“ wurden, können auf diese Weise eine spannende Perspektive erhalten. Auch Panorama-Bilder lassen sich gut realisieren. Gegenüber einem Standardobjektiv, wo ihr mehrere Bilder miteinander verknüpfen müsst, reicht bei einem Fisheye Objektiv manchmal schon ein einziges Bild, um die Szenerie einzufangen. Beeindruckt bin ich dabei immer wieder von der Bildschärfe der Canon Linse, die systembedingt nur zum Rand hin abfällt. So haben die Aufnahmen bei Blende f8 eine hervorragende Schärfentiefe.

Wenn ihr Architekturaufnahmen anfertigt, sollte ich darauf achten, dass Fisheye Objektiv möglichst gerade auszurichten. Dazu empfehle ich die Nutzung eines Stativs. Denn wenn ihr das Motiv ordentlich in die Bildmitte legt, erscheint dieses nahezu unverzerrt.

Mehr Platz für’s Motiv

Fisheye für Ultra-Weitwinkel-Aufnahmen Doch nicht nur ungewöhnliche Blickwinkel sind ein spannendes Einsatzgebiet für Fisheye Objektive. Der Weitwinkel-Charakter macht sie zum nützlichen Begleiter für Innenaufnahmen – in Gebäuden, Fahrzeugen oder überall dort, wo ein Standardobjektiv nicht mehr genug vom Motiv abbilden kann. Dabei kann der kugelförmige Charakter der finalen Aufnahme nicht immer gewünscht sein. Ist das der Fall, lassen sich Fisheye Bilder in der anschließenden Bildbearbeitung auch korrigieren. Dabei werden die Verzerrungen entfernt und das Bild gewissermaßen begradigt. Sowohl Adobe Photoshop als auch Adobe Lightroom oder der Raw Entwickler DxO Optics Pro bieten dazu entsprechende Funktionen an. Hier kann beispielsweise über einen Schieberegler der Grad der Korrektur individuell angepasst werden. Ihr solltet jedoch beachten, dass ein völlig auskorrigiertes Bild zu verstärkten Unschärfen im Randbereich führt. Dann empfiehlt es sich, diese Bereiche in der Bearbeitung abzuschneiden.

Wenn ihr einmal eine herkömmliche Aufnahme mit einer korrigierten Fisheye Aufnahme vergleicht, werdet ihr sehen, wie groß der Unterschied im Blickwinkel ist. Das Beispielbild zeigt eine Außenaufnahme vom Schloss in Bad Pyrmont. Es wurde mit einer Canon 5D Mark II fotografiert. Dabei kam in der ersten Aufnahme das Canon EF 24-105mm f4L IS USM bei 24mm und im zweiten Bild das Canon EF 15mm f2.8 Fisheye zum Einsatz. Obwohl die Brennweite „nur“ 9mm voneinander abweicht, ist der Unterschied im abbildbaren Bildbereich erheblich.

Standard-Objektiv bei 24mm

Aufnahme bei 24mm Brennweite

Fisheye-Objektiv bei 15mm

Aufnahme bei 15mm Brennweite

Fazit

Ein Fisheye Objektiv gibt euch zahlreiche kreative Möglichkeiten an die Hand und ist zudem praktisch, wenn es um das Einfangen großer Blickwinkel geht – sei es in beengten Räumlichkeiten oder außerhalb, z.B. für Panoramabilder. Da Fisheye Objektive meist nicht sehr groß oder schwer sind, passen sie gut in die Kameratasche. Falls ihr neugierig geworden seid, könnt ihr vor dem Kauf vielleicht bei einem Bekannten oder in einem Fotogeschäft eine Linse ausleihen, um einen Eindruck zu erhalten.

In diesem Sinne: Viel Spaß mit dem Fish!

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