Produktfotografie: Schritt für Schritt zum eigenen Studio

Einleitung

Produktfotografie, auch bekannt als Sachfotografie oder Objektfotografie, ist ein interessantes Betätigungsfeld. Neben einem guten Auge spielt der richtige Einsatz und Umgang mit Licht eine wesentliche Rolle. Ein gut eingerichtetes Studio hilft beim Fotografieren von Produkten und eröffnet kreative Freiräume.

In diesem Artikel erfahrt ihr, welche Komponenten ihr benötigt und was zu beachten ist, um Produkte bis zu einer Größe von ca. 50 x 40 x 50cm (b x h x t) abzulichten. Am Ende erhaltet ihr eine detaillierte Auflistung der vorgestellten Komponenten. Damit könnt ihr schnell und einfach das eigene Fotostudio einrichten. Im Fokus des Artikels stehen dabei der ambitionierte Amateur oder Semi-Profi.

Der Fototisch

Preiswerter Aufnahmetisch für Produktfotografie Die Basis für eine vernünftige Positionierung eurer Produkte ist ein geeigneter Fototisch. Dieser sollte stabil genug sein, um auch schwere Gegenstände zu verkraften. Außerdem empfiehlt sich für den Einstieg eine matte Fläche, die das Licht gut verteilt, zugleich aber etwas durchlässig ist. Dadurch habt ihr die Möglichkeit, eine Lichtquelle unter dem Tisch zu positionieren, um Schattenwurf von Objekten zu vermeiden.

Achtet außerdem darauf, dass der Tisch eine angenehme Arbeitshöhe hat. Ob ihr also lieber im Stehen oder Sitzen arbeiten möchtet. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Verstrebungen des Tisches. Wenn dieser ungünstig konstruiert ist, seht ihr diese im finalen Bild. Schließlich sollte ein guter Tisch auch eine Aufnahme aus der Froschperspektive ermöglichen. Die vordere Kante der Lichtkehle (sprich Auflagefläche) sollte leicht nach unten gezogen sein. Damit könnt ihr das Objekt eurer Wahl aus der gleichen Höhe frontal fotografieren und habt keine unschöne Tischkante im Bild.

Ein Tisch, der diese Erwartungen erfüllt, ist der Calumet Aufnahmetisch. Für ca. 100 EUR erhaltet ihr ein leichtes, schnell montierbares System, das auch in beengten Verhältnissen noch Platz findet. Die senkrechte Seite der Lichtkehle lässt sich dabei flexibel durch Schraubzwingen verstellen. Der Tisch bietet Platz für Objekte mit einer Grundfläche von ca. 50 x 50cm. Die Arbeitsfläche befindet sich in einer Höhe von etwa 63cm. Bei längerem Arbeiten empfehle ich euch einen Hocker.

Dauerlicht oder Blitzlicht

Diese Frage beschäftigt den geneigten Fotografen schon lange. Eine pauschale Aussage lässt sich nur schwer treffen, da beide Lichtarten ihre Vor- und Nachteile haben. So kann Dauerlicht schon einfach beim Ausrichten der Objekte positioniert werden. Andererseits kann die Lichtquelle schnell heiß werden – ungünstig, wenn ihr Lebensmittel fotografieren möchtet. Blitzlicht hingegen ermöglicht kurze Belichtungszeiten, ist aber gegebenfalls kritisch bei Einspiegelungen in Objekten. Außerdem fehlt bei Systemblitzen in der Regel ein Einstell-Licht.

Empfängereinheit der Yongnuo Funksets Letztlich muss jeder die Entscheidung für sich selbst treffen. In meinem Studio wird Blitzlicht genutzt und dass aus einem weiteren Grund: Die hier verwendeten Canon Speedlites können auch mobil eingesetzt werden, z.B. Outdoor. Damit lässt sich der Anwendungsbereich des beschafften Equipments erweitern, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. In dem beschriebenen Fotostudio werden zwei Canon Speedlite 580EX II und ein Canon Speedlite 430EX II verwendet. Die zwei 580EX II dienen dabei als seitliches Licht und der 430EX II kommt fallweise von unten zum Einsatz.

Damit ihr möglichst flexibel arbeiten könnt, ist es ratsam auf Funkauslöser zu setzen. Eine Empfehlung von mir sind die beliebten Yongnuo RF-602 Funkauslöser, die ihr beispielsweise bei ebay erhaltet (achtet auf das korrekte Modell für eure Kamera). Die Empfänger passen gut unter den Blitz und lassen sich problemlos mit dem unten beschriebenen Systemblitzhalter verschrauben. Bitte beachtet, dass diese Funkauslöser kein ETTL-Signal an die Blitze übertragen. Diese müssen also manuell auf die entsprechende Aufnahmesituation eingestellt werden, was unter Studio-Bedingungen kein Problem sein sollte.

Ein Tipp: Verwendet für die Blitze und Empfänger Akkus vom Typ Sanyo Eneloop. Diese weisen eine geringe Selbstentladung auf und somit ist euer Foto-Equipment auch nach längerer Nichtnutzung sofort einsatzbereit.

Stative und Softboxen

Canon Speedlite im Systemblitzhalter Um ein flexibles Arbeiten zu ermöglichen, empfehlen sich stabile Stative. Der Markt bietet hier eine nahezu verwirrende Auswahl von No-Name bis zu teuren Markenanbieter. In meinem Studio werden zwei WT-803 Stative von Walimex verwendet. Sie bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Mit einer minimalen Höhe von 71cm und maximalen Höhe von 200cm eignen sich die Stativ zudem perfekt für das Zusammenspiel mit dem Fototisch von Calumet. Außerdem tragen Sie problemlos die Canon-Blitze mit den dazugehörigen Softboxen. Als Softboxen kommen zwei Walimex Pro Softboxen 40×50 cm zum Einsatz. Diese sind nicht zu schwer, aber dennoch stabil, hochwertig verarbeitet und beinhalten das notwendige Zubehör (Softbox-Adapter, Zwischendiffusor, Grid).

A pros pos Softbox-Adapter: Damit ihr die Canon Speedlites mit den Softboxen verwenden könnt, benötigt ihr einen speziellen Systemblitzhalter. Dieser ist ebenfalls von walimex und anderen Anbietern erhältlich und ermöglicht das einfache Verbinden mit der Softbox und dem Stativ. Im Testbericht zum Systemblitzhalter, erfahrt ihr weitere Details. Übrigens: Denkt auch an einen Blitzneiger. Dieser ist sinnvoll, um die Blitze mit den Softboxen abwinkeln zu können und das Licht gezielt zu führen. Im Test des Falcon Eyes Multi-Blitzneigers stelle ich euch eine mögliche Option vor. Es gibt auch baugleiche Modelle, beispielsweise von proxistar.

Kamera und Objektiv

Feisol CT-3442 mit Novoflex Classic Ball 3 Zu guter Letzt empfiehlt sich ein geeignetes Stativ für eure Kamera. Hier ist das Feisol CT-3442 im Zusammenspiel mit einem Novoflex Classic Ball 3 ein würdiger Kandidat. Die Komponenten sind hochwertig verarbeitet und tragen problemlos eine Canon 5D Mark II inklusive Objektiv.

Eine passende Ergänzung zum Stativ ist das Auslegearmkit PB-70, bestehend aus einem Panoramadrehteller und langer Mittelsäule. Damit könnt ihr Produktaufnahmen senkrecht von oben ausführen. Stativ und Zubehör werden im ausführlichen Feisol-Novoflex-Test vorgestellt.

Eines der wichtigsten Bestandteile eures neuen Fotostudios sollte hier nicht vergessen werden: das Objektiv. Für den Anfang lässt sich mit verschiedenen Kit-Objektiven oder Zoom-Objektiven arbeiten. Das Canon EF 24-105mm 4L IS USM ist ein solcher Kandidat, hat aber eine Naheinstellgrenze von 45cm und Abbildungsmaßstab von 1:4,3. Besser geeignet ist beispielsweise das Canon EF 100mm 2.8L  Macro IS USM. Es bietet eine Naheinstellgrenze von 30cm und Abbildungsmaßstab von 1:1. Außerdem kann es durch eine maximale Blende von 32 bei Bedarf einen größeren Schärfebereich abdecken. Beachtet aber, dass aufgrund der längeren Brennweite ein größerer Abstand zum Objekt notwendig sein kann.

Beispielbilder

Hier seht ihr einige Beispielbilder für Produktfotografie, die ich mit dem oben beschriebenen Studio aufgenommen habe. Einige der Bildeffekte, wie z.B. ein blauer Untergrund, sind in der anschließenden Bildbearbeitung hinzugefügt worden. Natürlich könnt ihr bereits während des Fotografierens solche Effekte einarbeiten, indem ihr mit verschieden farbigen Hintergründen arbeitet. Gut geeignet, z.B. für Spiegeleffekte liegender Objekte, sind dünne Glasscheiben auf denen ihr den Gegenstand positioniert. Am Ende entscheidet die eigene Kreativität über die Möglichkeiten und das finale Ergebnis.

  • Vitaminkapseln aus der Froschperspektive

    Bild 1

  • Fotografie mit anschließender Retusche

    Bild 2

  • Apple Tablet

    Bild 3

  • Samsung Netbook

    Bild 4

Alle Komponenten im Überblick

Um euch die Zusammenstellung des eigenen Studios für die Produktfotografie zu erleichtern, sind in folgender Tabelle alle Komponenten mit Link zum Anbieter aufgelistet. Nicht enthalten sind Kamera, Objektiv sowie ein Ministativ für das Canon Speedlite 430EX II. Eine mögliche Option für ein solches Stativ findet ihr in Abschnitt 3 des Artikels Top 5 Tipps für bessere Bilder.

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6 Kommentare

  1. Wir schwören nach wie vor auf großflächiges Dauerlicht (12er-Flächenleuchten). Leider gibts hier in der Größe noch nichts geeignetes mit LEDs, um alle Produkte sauber einspiegeln zu können…?

  2. Danke für den super Artikel.
    Der Calumet Aufnahmetisch war auch mein erster Produkttisch und war sehr zufrieden mit der Qualität.
    Seit paar Monaten habe ich mir aber einen eigenen Tisch gebaut da ich mehr Platz für größere Produkte benötigte.

    Viele Grüße

  3. Wir haben uns in unserem Studio auf professionelle Produktfotografie zu Budget-Preisen spezialisiert, d.h. es müssen große Mengen an Bildern geschossen werden, ohne dass man dabei viel am Hintergrund- oder Lichtaufbau ändern muss.
    Ein weißer Hintergrund, wie vielfach verwendet findet bei uns kaum mehr Anwendung, da z.B. Seiten- und Deckelflächen von rechteckigen Verpackungen hier sehr schnell jegliche Farbe und Struktur verlieren. Insofern schwören wir auf einen dunklen mittelgrauen Hintergrund, was zum nächsten Problem führt, dass, wenn dieser zu klein ist, schnell die Ränder des Hintergrundes in den Fotoobjekten zu sehen sind. Somit braucht man also am Besten eine Hohlkehle die möglichst groß ist und trotzdem nicht die Welt kostet…

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