Auf der Suche

Gastartikel: Geschrieben von Alexander Schnarf

Waldsee Und da ist es wieder, dieses wohlig vertraute Gefühl. Dieses Gefühl, das mir bestätigt, wie richtig das ist, was ich hier tue. Ich hab meine Begleiter etwas zurückgelassen und bin allein noch ein Stück höher geklettert, um mir einen besseren Blick aufs Tal zu verschaffen. Ich stehe jetzt an der Kante einer schroff abfallenden Klippe. Etwa 15 Meter unter mir höre ich den Wasserfall rauschen, wegen dem wir überhaupt hier heraufgestiegen waren. Vor mir liegt eine weite Gebirgslandschaft, kein Mensch zu sehen. Der in diesem Jahr recht spärlich gefallene Schnee reicht gerade so, aus um die Szenerie in ein bizarr anmutendes Bild mit beeindruckend wenig Farbnuancen zu verwandeln. Einzig der See in der Mitte des Tales sticht mit seinem intensiven Farbton aus dem kargen Einerlei hervor.

Ich atme tief ein, setze bedächtig den Fokus, überprüfe ein letztes Mal die Einstellungen und drücke langsam den Auslöser durch. Genüsslich höre ich den Spiegel fallen. Ein kurzer, überprüfender Blick aufs Display und ich widme meine Aufmerksamkeit wieder der Landschaft vor mir. Ich versuche die Eindrücke in meinem Kopf zu ordnen und suche die Landschaft nach interessanten Details ab. Schließlich werde ich bei einer bewaldeten-nebelverhangenen Bergflanke links von mir fündig. Kurz das Stativ und die Kamera neu ausgerichtet, das Weitwinkel- gegen das Teleobjektiv ausgetauscht, der Spiegel klappt zwei weitere Male. Und ich bin glücklich.

Wenig später ist der Rucksack wieder geschultert und ich mache mich auf den Weg zurück zu den anderen. Der Boden ist hart gefroren und steil. Ein falscher Schritt und ein 15 Meter-Sturz ins Bachbett wären die Folge. Ich genieße diese konzentrierte Spannung, denn eines ist gewiss: Es gibt keinen Ort, an dem ich jetzt lieber wäre.

Sternennacht Eigentlich ist es meine Kamera, die mich an die interessantesten Orte führt. Ohne sie würden sie mir vielleicht verborgen bleiben, da diese Plätze meist nicht ohne Strapazen zu erreichen sind. Für mich ist die Landschaftsfotografie weit mehr als nur das bloße kreieren schöner Bilder. Vielmehr empfinde ich es als ein Lebensgefühl!

Wann immer ich Zeit habe, begebe ich mich nach draußen und suche nach Motiven und unberührten Orten, die mir ein Gefühl von Freiheit, Schönheit und vielleicht auch Vollkommenheit vermitteln. Mit den entstandenen Bildern möchte ich immer die Emotionen auslösen, die ich während des Fotografierens empfunden habe. Ich möchte, dass sich der Betrachter denkt: „Genau da würde ich jetzt gerne sein.“

Landschaften auf einem Foto festzuhalten, kann auch sehr frustrierend sein. Es kam vor, dass ich mich um halb 6 Uhr morgens nach 7 km Fahrradfahren durch stockdunkle Nacht frierend auf einem Feld befand. Tage zuvor hatte ich zufällig einige in ihrer Anordnung interessant wirkende Hügel entdeckt. In der Hoffnung diese im aufsteigenden Morgennebel und im Licht der aufgehenden Sonne zu fotografieren stand ich jetzt da. Bangend wartete ich auf das erste Licht der Sonne.

Am wilden Bach An diesem Morgen allerdings war der Nebel zu dicht und das erhoffte Lichtspiel blieb aus. Enttäuscht machte ich mich auf den Heimweg. Und doch bereue ich keine Sekunde, die ich vergebens gewartet habe. Denn jeder Tag, an dem kein Foto gelingt, bringt mich dem Moment näher, an dem wiederum alles passt. Und das Glücksgefühl, das man dabei empfindet, stellt die Enttäuschung über vergangene Fehlversuche mit Leichtigkeit in den Schatten.

Für mich ist das Erzählen der Entstehungsgeschichten hinter den Fotos von Anfang an ein wichtiger Punkt und Teil der Fotografie. Ich glaube, ein gelungenes Foto ist nur dann vollkommen, wenn es in eine interessante Geschichte eingebettet ist.

Über den Autor
Alexander Schnarf ist 18 Jahre alt und kommt aus dem schönen Südtirol. Seine große Leidenschaft ist die Landschaftsfotografie, die ihn immer wieder an interessante Orte führt. Auf 500px gibt es noch mehr Fotos von Alexander zu sehen.

Author's imageAlexander Schnarf
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